Provamel Soja-Spezialitäten

Sieht aus wie ein Joghurt, schmeckt wie ein Joghurt und wird auch noch mehr oder weniger genauso hergestellt.

Provamel Soja-Spezialitäten

Basis der Provamel Spezialitäten ist aber keine Kuhmilch, sondern Soja. Philippe Vandemoortele war es, der Anfang der 1970er-Jahre auf die faszinierende Idee kam, die kleine runde Hülsenfrucht als pflanzliche Alternative zur Milch zu verwenden. Der Spross einer belgischen Unternehmerfamilie wollte damit nicht weniger erreichen, als die Ernährung in der Dritten Welt zu sichern: Soja ist recht anspruchslos, benötigt wenig Wasser, kann aber mit für Pflanzen relativ eiweiß- und fettreichen Samen aufwarten. Zuerst tüftelte Vandemoortele in Madagaskar an seinem Projekt – gemeinsam mit dem Biotechnologen Danilo Callewaert, der auch heute noch die Provamel Forschung maßgeblich mit beeinflusst. "Die Jungs wollten was Gutes tun, die Welt verändern", erklärt Ralf Hoppe, National Sales Manager Provamel. Der ursprüngliche Plan scheiterte zunächst an den logistischen Herausforderungen des afrikanischen Kontinents. Doch zurück in Belgien gründet Philippe Vandemoortele 1980 ein eigenes Unternehmen, gibt ihm den Namen Alpro und produziert unter der Marke Provamel Bio-Lebensmittel aus Soja. Die Philosophie der Anfänge ist nach wie vor fest im Unternehmen verankert – und mit dem karitativen Projekt "Vitagoat" sind Lebensmittel auf Sojabasis mittlerweile auch in Afrika angekommen.

Und wie funktioniert das nun mit dem Joghurt, der kein Joghurt ist?

Provamel Soja-Spezialitäten

Das wollten wir genau wissen und sind auf dem Weg nach Wevelgem, einem kleinen Ort nahe der belgischen Universitätsstadt Gent. Hier baute Vandemoortele 1989 das erste eigene Werk. 110.000 Quadratmeter umfasst das Grundstück mittlerweile, 280 Mitarbeiter in der Produktion und weitere rund 100 in der Verwaltung sind für die Herstellung und Vermarktung der Alpro soya Produkte und Provamel Bio Produkte verantwortlich. Insgesamt umfasst die Alpro Familie weltweit rund 750 Mitarbeiter – aus dem Bio- Pionier ist ein erfolgreiches Unternehmen geworden. Neben dem Werk in Wevelgem gehören heute drei weitere in Frankreich, England und den Niederlanden zu Alpro. Wevelgem ist die größte Produktionsstätte für Soja-Lebensmittel in Europa.

Sogar einen kleinen Hafen gibt es hier neuestens, sodass die Rohware direkt per Schiff angeliefert werden kann. Anstelle von etwa 24 Lkw steuert nun ein Lastkahn pro Monat das Werk an. Willy Doom, der hier viele Jahre Produktionsleiter war und mittlerweile das Qualitätsprogramm "Alpro Excellence" leitet, erklärt uns, wie Schritt für Schritt aus den Sojabohnen die über 50 verschiedenen Provamel Produkte entstehen. Dreh- und Angelpunkt ist die "Basismilch", wie Doom die noch sehr nach Soja schmeckende, milchige Flüssigkeit nennt. Hierfür werden die Sojabohnen zunächst geschält und in heißem Wasser eingeweicht. Die Bohnen quellen auf. Dann kommt frisches Wasser dazu und das Ganze wird zu einem feinen Brei vermahlen. Jetzt noch in die Zentrifuge damit und die Flüssigkeit von den Feststoffen trennen – fertig ist die stark konzentrierte Basismilch. Anschauen dürfen wir uns den Herstellungsprozess allerdings nicht, denn der ist streng geheim. Verdünnt mit Wasser und verfeinert mit verschiedenen Zutaten, zum Beispiel Bio-Vanilleextrakt oder Schokolade, entstehen aus der Basismilch die Sojadrinks. Auch Joghurtalternativen, Desserts, Streich- und Backfett und eine Sahnealternative lassen sich daraus herstellen. Abfallprodukte gibt es bei der Sojaverarbeitung nicht: Der bei der Basismilch-Gewinnung abgetrennte Brei, Okara genannt, wird als Tierfutter genutzt.

Provamel Soja-Spezialitäten

Die Joghurtalternativen sind ihren Vorbildern aus Milch tatsächlich sehr ähnlich: Sie entstehen mithilfe derselben Bakterienkulturen, die auch für die Dicklegung von Milch zu Joghurt verantwortlich sind – selbstverständlich wachsen diese aber auf milchfreien Medien, damit die leckeren Endprodukte auch tatsächlich zu 100 Prozent milchfrei sind. In zahlreichen Geschmacksrichtungen gibt es die Joghurtalternativen. Die Tüftler in der Entwicklungsabteilung des belgischen Werkes werden nicht müde, neue Rezepturen zu kreieren, sodass mittlerweile ein vielseitiges Angebot für jeden Fruchtgeschmack entstanden ist. Auch Fleischalternativen gibt es von Provamel – übrigens die einzigen Produkte im Sortiment, die nicht auf der Idee von Philippe Vandemoortele basieren, sondern deren Rezepturen aus der Heimat der Sojabohne, nämlich Asien, stammen.

Das Qualitätskonzept ist umfassend

Es beginnt bereits beim Anbau der Sojabohne: Wichtig ist es dem Unternehmen, dass die Rohstoffe gemäß der EG-Öko-Verordnung garantiert ohne Einsatz von Gentechnik erzeugt werden. Langfristige vertrauensvolle Beziehungen zu den Vertragsbauern in Brasilien, Kanada und China bilden dafür die Grundlage. Nach der Ernte, vor dem Verschiffen, bei der Ankunft in Europa und vom Endprodukt werden Proben von einem unabhängigen Labor auf mögliche Spuren gentechnisch veränderter Organismen untersucht. Über eine Kontrollnummer ist jedes Provamel Produkt bis zum jeweiligen Sojabohnenbauer zurück verfolgbar.

Insbesondere bei den Joghurtalternativen sind hohe Hygienevorkehrungen erforderlich. Hier erfolgt die Haltbarmachung durch Erhitzen nicht am Endprodukt, sondern vor der Verarbeitung der Basismilch. Deswegen bedarf der Zugang zu diesen Produktionsstraßen einer vorherigen ausführlichen Hygieneschulung und gründlichen Dekontamination – wir wählen daher bei unserem Besuch in Wevelgem den Blick durch die Fenster der entsprechenden Produktionshallen.

Grundsatz des Pionierunternehmens ist der verantwortungsvolle Umgang mit Mensch und Umwelt. Die langfristigen Verträge mit den Lieferanten dienen nicht nur der Qualitätssicherung, sondern sollen auch den Landwirten ein regelmäßiges Einkommen sichern. Zudem engagieren sich die Belgier für faire Arbeitsbedingungen entlang der gesamten Produktionskette. Das EcoSocial-Gütesiegel auf nahezu allen Provamel Produkten garantiert eine sozial verantwortungsvolle und ökologisch nachhaltige Erzeugung von Soja-Drink und Co. Zu Willy Dooms "Alpro Excellence"-Programm gehört auch die schrittweise Reduktion von Energieverbrauch und CO²-Emissionen in der Produktion. Schon heute sind alle Provamel Produkte faktisch CO²-neutral produziert: Umfassende Maßnahmen, wie der Hafen in Wevelgem, haben eine Senkung der Emissionen um 65 Prozent ermöglicht. Investitionen in Windparkanlagen gleichen die noch verbleibenden Emissionen aus. Ziel ist es, das gesamte Unternehmen bis 2020 klimaneutral zu machen. »Dazu müssen wir auch auf die kleinsten Bereiche schauen«, weiß Doom diesen ambitionierten Prozess zu umschreiben. Bei so viel Engagement klappt das Vorhaben bestimmt.

Weitere Informationen

Kurz gefasst

  • 1975 Philippe Vandemoortele entwickelt einen Herstellungsprozess für Soja-Drinks
  • 1980 Gründung der Firma Alpro, Beginn der Produktion der Provamel Bio-Soja-Drinks
  • 1989 Die Produktionsanlage in Wevelgem/Belgien geht an den Start
  • Produktion heute: Wevelgem/Belgien – Europas größte und modernste Sojaprproduktionsstätte, Sojinal/Elsass (1996), Kettering/England (2000), Landgraaf/Niederlande (2006)
  • Unternehmensphilosophie: Aus Liebe zur Zukunft
  • Mitarbeiter: rund 750
  • Umsatz 2010: 260 Millionen Euro