01.12.2017

Ernte der Medjoul-Datteln: die süße Königin der Wüste

Wie bringt man eine Redakteurin so richtig auf die Palme? Ganz einfach, man fährt sie mit einem Hubwagen bis in die Kronen der Dattelpalmen.

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Der schmale Wüstenstreifen zwischen Totem und Rotem Meer heißt Arava und liegt östlich der Wüste Negev an der Grenze zu Jordanien. Oasengefühle treten auf beim Anblick der Dattelpalmen, die das Dorf Hatzeva umgeben. Es ist kein normales Dorf, sondern ein Moshav, ein landwirtschaftlicher Zusammenschluss von vielen israelischen Familien. So ähnlich wie ein Kibbuz, nur ökonomisch freier. Die Bewohner beziehungsweise Mitglieder des Moshav dürfen Eigentum besitzen und ein eigenes Einkommen erwirtschaften. Dennoch ist der Kollektiv- und Gemeinschaftsgedanke sehr ausgeprägt.

Reportage: Ernte der Medjoul-Datteln

"Keine Ahnung, wie viele Menschen hier insgesamt leben, aber wir sind 140 Familien", antwortet Monique lachend auf die Frage nach der Einwohnerzahl des Moshav Hatzeva. "Wir teilen die landwirtschaftlichen Geräte und tauschen gegenseitig das Obst und Gemüse, das wir anbauen, sodass jeder von allem genug hat." Monique und ihr Mann Shavl haben den Moshav vor 42 Jahren mit gegründet und bauen mit ihrem Schwiegersohn Rami Datteln und Mangos auf hundert Dunam an, das sind circa zehn Hektar. Die Tochter Dacit ist Lehrerin im Ort und die Köchin der Familie. Andere Familien bauen Tomaten, Gurken, Auberginen oder Melonen an. Von Beginn an bewirtschaften Monique und Shavl ihre Datteln und Mangos ökologisch. "Das macht mehr Arbeit, weil wir keine Insektizide gegen eine Spinnenart einsetzen dürfen, die eine einträgliche Dattelernte verhindern kann. Wir achten peinlich genau auf Sauberkeit im Feld. Lassen keine Feldabfälle liegen, säubern sämtliche Kisten und Materialen, die bei der Ernte zum Einsatz kommen, damit sich dort kein Ungeziefer wohlfühlt", erklärt Shavl.

Reportage: Ernte der Medjoul-Datteln

Die Ernte der Medjoul-Datteln beginnt Ende August und endet Mitte Oktober. Im Gegensatz zu Feigen, Rosinen und anderen Trockenfrüchten reifen und trocknen die Medjoul-Dattelfrüchte direkt am Baum. Sie bleiben so lange auf der Palme, bis sie reif, weich und süß sind. Nur die weichen, bereits bräunlichen Früchte werden per Hand geerntet, die gelben Früchte sind noch hart und unreif. Sie werden beim zweiten, dritten oder vierten Durchgang gepflückt.

Reportage: Ernte der Medjoul-Datteln

Unterstützt werden die israelischen Farmer auf dem Feld und in den Verpackstationen von thailändischen Arbeitskräften, die einen Fünf-Jahres-Vertrag haben und einen staatlich festgelegten Mindestlohn von 24 Schekel (6 Euro) sowie freies Logis erhalten. In mehreren Durchgängen fahren die Erntearbeiter mit einem Hubwagen hoch in die Palmkrone und schütteln den Fruchtstil, der von einem Netz gegen Vogelfraß geschützt wird. Es fallen nur die reifen Früchte ins Netz.

Reportage: Ernte der Medjoul-Datteln

Eine zehnjährige Palme kann durchschnittlich 200 Kilo Datteln pro Jahr tragen. Die Arbeit ist anstrengend in der Hitze und die Verletzungsgefahr an den harten, scharfkantigen Palmblättern ist hoch. Ohne Bewässerung der Palmen würde die Ernte mager ausfallen. 1.900 Kubikmeter Wasser benötigt ein Dunam mit zwölf Palmen pro Jahr. Um das knappe Wasser möglichst effizient zu nutzen und Verdunstung zu vermeiden, wird die Tröpfchenbewässerung eingesetzt und wiederaufbereitetes Abwasser verwendet. Und dennoch mögen die Farmer den Regen nicht, der auch hier – schwer vorstellbar – manchmal fällt, weil er schlecht für die Dattelqualität ist. "Die Früchte ziehen Wasser und erreichen so nicht die gewünschte Zuckerkonzentration", erklärt Rami. Direkt nach der Ernte werden sie in einem Sprühnebel gereinigt und nach Gewicht sortiert.

Reportage: Ernte der Medjoul-Datteln

Eine Medjoul-Dattel wiegt zwischen 14 und 23 Gramm. Stück für Stück werden sie wie wertvolle Pralinen in eine Schachtel geschichtet. Ihre köstliche Süße ist nicht einfach nur süß, sondern erinnert an würziges Karamell. Ihre Konsistenz ist weich, fast saftig. Ohne jegliche Zusätze oder Verarbeitungsschritte präsentieren sie sich als komplexe, wohlschmeckende königliche Süßigkeit, wie sie nur eine stolze Dattelpalme im Wüstenklima erschaffen kann.

››› Susanne Salzgeber