03.08.2013

Landgarten

Seit 1986 baut Landgarten-Gründer Herbert Stava Bio-Soja im niederösterreichischen Bruck an.

1986: Der Landwirtschaftsschüler und Bauernsohn Herbert Stava hört in einem Seminar, dass man auch in Österreich Soja anbauen kann. Vor über 100 Jahren soll das bereits erfolgreich praktiziert worden sein. Als Hausaufgabe innerhalb der Lehrveranstaltung entwickelt er eine Werbebroschüre für den Sojaanbau. Die muss ziemlich gut gelungen sein, denn Stava überzeugt sich damit quasi selbst – und baut unter den skeptischen Augen seines Vaters und gemeinsam mit seinem Kollegen Hannes Strobel versuchsweise die asiatische Hülsenfrucht auf den familieneigenen Feldern an. Weil er von Anfang an alles richtig machen will, stellt er den Hof ganz nebenbei auch noch auf Bio um. "Mein Vater war der festen Überzeugung, dass alles innerhalb kürzester Zeit von Unkraut überwuchert sein würde", erzählt Stava – doch schon im zweiten Erntejahr war auch er begeistert. "Im ersten Jahr haben wir die Sojablüte versäumt, weil die Blüten doch viel kleiner sind, als man es erwartet", fügt Stava schmunzelnd hinzu.

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Noch während des Anbaus der ersten Sojabohnen nimmt der junge Bio-Landwirt Kontakt zu verschiedenen Sojaverarbeitern auf – es nützt ja nichts, wenn Soja auf den Feldern im österreichischen Bruck gut gedeiht. Man muss seine Feldfrüchte auch verkaufen können, um davon zu leben. Eher durch Zufall erfährt er, dass die Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg die Österreicher mit Sojabohnen versorgt hatten. Die in Österreich damals weitgehend unbekannten Leguminosen (Hülsenfrüchtler) wurden unter anderem durch Rösten in der Pfanne zubereitet. Also versucht sich Stava daran, ein Röstverfahren für Sojabohnen zu entwickeln. Er experimentiert mit Kaffee- und Getreideröstern, doch nichts davon wird dem Aroma der Sojabohne wirklich gerecht. Stava gibt nicht auf und probiert weiter. Er blanchiert die Sojabohnen vor dem Rösten und ist schon viel zufriedener mit dem Ergebnis. Und schließlich baut er – mit Experten-Unterstützung aus der Röstbranche – einen eigenen Sojabohnenröster. "Wir wissen, dass bislang niemand auf die Art röstet, wie wir es machen", erzählt Stava nicht ohne Stolz. Da ist es nur konsequent, das Verfahren patentieren zu lassen.

Landgarten

Anfangs stehen die Blanchier- und Röstanlagen in zwei alten Scheunen auf dem Familienhof. Das Unternehmen ist noch heute auf dem elterlichen Grundstück untergebracht. Von den Scheunen zog die Produktion allerdings vor einigen Jahren in einen Neubau um, der bereits wieder zu klein geworden ist. Aus dem Experiment des angehenden Landwirtes ist ein stattliches Bio-Unternehmen mit 21 Mitarbeitern geworden, das im vergangenen Jahr drei Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet hat und die Produkte der eigenen Marke Landgarten bis nach Dubai und in die USA verkauft. Herbert Stava arbeitet mit 20 Vertragsbauern zusammen, die für ihn Bio-Soja anbauen. Die Rohware ist bis zum einzelnen Landwirt zurückverfolgbar.

Landgarten

Aus den Sojabohnen entstehen würzige - oder mittlerweile auch süsse - Snacks: Die Hülsenfrüchte werden als erstes über Nacht eingeweicht und anschließend in Salzwasser "auf kleiner Flamme" gegart. Das dauert etwa eine Stunde und die Bohnen schäumen dabei ordentlich. Dann folgt der Röstprozess. 160 Grad Celsius und 30 Minuten später ist der knusprige Snack fertig. Abkühlen nicht vergessen, sonst rösten die Sojabohnen weiter und werden bitter. Das Stavasche Röstverfahren ist übrigens acrylamidfrei. "Wir rösten bei der geringstmöglichen Temperatur", erklärt Stava. 200 Kilogramm gekochte Sojabohnen ergeben dabei 50 Kilogramm Sojasnack. Schließlich werden die gerösteten Hülsenfrüchte noch sortiert und auf Fehlröstungen oder Fremdkörper untersucht, mit maschineller Hilfe und auch viel Handarbeit. Abgewogen und verpackt wird in einer eigenen Abfüllung mit Möglichkeit zur zusätzlichen Etikettierung, zum Beispiel für den Verkauf im Ausland. "Das ist der Bauer in mir", schmunzelt Herbert Stava einmal mehr, "was ich selber machen kann, das mache ich auch selber."

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Einem echten Erfindergeist wird es nie langweilig, weitere Ideen in die Tat umzusetzen. Herbert Stava entwickelte im Laufe der vergangenen Jahre den beliebtesten aller Landgarten- Snacks, den Knabber-Mix aus Kürbiskernen, Sonnenblumenkernen und Sojabohnen, und testete auch die Eignung von Soja als süßer Snack. Mit genussvollem Erfolg – 2007 wurde eine eigene Dragiermaschine angeschafft und die Sojabohnen erhielten fortan auch eine schokoladige Ummantelung.

Rund einhundert Tonnen Fair-Trade-Schokolade verarbeitet das niederösterreichische Bio-Unternehmen inzwischen jährlich und erzeugt daraus insgesamt 400 Tonnen Bio-Snacks. Und das nicht nur mit Soja, sondern seit vergangenem Jahr auch in der neuen Fairtrade-Linie "Frucht liebt Schokolade" mit gefriergetrockneten Früchten von Banane bis Cranberry.

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Das Engagement des Landgarten-Teams geht weit über das Thema ökologische Lebensmittel hinaus. Die Energie für die ganze Kocherei, Rösterei und Dragiererei stammt aus Biogas. Herbert Stava ist in der Region ein echter Vorreiter in Sachen erneuerbare Energien: Auf seinen Feldern stehen Windkraftanlagen und auch die städtische Biogasanlage ist sozusagen "auf seinem Mist gewachsen". Seine Vision: seine Heimatstadt Bruck an der Leitha auf einhundert Prozent erneuerbare Energie umzustellen. Dazu hat Stava gemeinsam mit Gleichgesinnten das Projekt "Energiepark Bruck" ins Leben gerufen. Im eigenen Unternehmen setzt er dieses Engagement konsequent fort und steckt "viel Hirnschmalz", wie er es bezeichnet, in eine möglichst energieeffiziente Produktion. Geröstet wird mit gefilterter Frischluft, die durch die Verbrennung von Biogas indirekt erhitzt wird. Dabei entsteht mit wenig Auf wand so viel Wärme, dass nebenbei noch das Bürogebäude und das benachbarte Wohnhaus der Eltern mitbeheizt werden können. Auch für den Sojaanbau in Österreich setzt sich der Pionier weiterhin ein. Auf 42.000 Hektar wächst die Hülsenfrucht mittlerweile in dem Alpenland, und zwar gentechnikfrei. Sechs davon hat Herbert Stava schon vor 25 Jahren gesät.

Weitere Informationen zu Landgarten unter www.landgarten.at

Kurz gefasst

Seit 1986 baut Herbert Stava Bio-Soja im niederösterreichischen Bruck an. Er entwickelte außerdem ein Röstverfahren für Sojabohnen und gründete 1994 zusammen mit seinem Landwirt-Kollegen Hannes Strobl die Firma Landgarten. Das Landgarten-Sortiment: geröstete Sojabohnen, Kürbis- und Sonnenblumenkerne, verfeinert mit Salz, Gewürzen oder Schokolade. Gefriergetrocknete Früchte und Nüsse im Schokoladenmantel. Die Kerne stammen aus dem eigenen Bio-Anbau und von 20 Vertragsbauern, die Schokolade aus fairem Handel. 21 Mitarbeiter gestalten die Landgarten-Produkte mit. Nachhaltiges Engagement: Herbert Stava ist Obmann des Vereins "Energiepark Bruck", der sich für erneuerbare Energien in der Region einsetzt, und des Vereins "Soja aus Österreich", um den gentechnikfreien Anbau von Soja in Österreich voranzubringen.