GEPA - 40 Jahre Genuss der Gerechtigkeit

Dieses Jahr feiert die GEPA ihren 40. Geburtstag und hat sich seit ihren Anfängen zu Europas größter Fair-Trade-Handelsorganisation entwickelt. Wir waren zu Gast bei GEPA in Wuppertal.

Platzhalter

Es ist ohrenbetäubend, das Schlürfen des Herrn Cruz Garcia. Und genau so muss es sein. Der Assistent im Produktmanagement Kaffee bei der GEPA klärt auf: "Wenn man sich mit den Handelspartnern in Südamerika trifft, verkostet man zuerst einmal Kaffee. Und da kommen Leute – wenn die schlürfen, das tut wirklich weh!" Verschmitzt fügt er hinzu: "Ein bisschen Show ist das eben auch. Da müssen Sie mithalten können!" Und natürlich ist das Schlürfen nicht in erster Linie ein akustischer Wettkampf unter Kaffeekennern, sondern es hat einen Zweck: nämlich den, Kaffee mit Sauerstoff anzureichern, damit sich das Aroma besser entfalten kann.

Der Kaffee, der hier verkostet wird, ist ein Vorverschiffungsmuster. Bevor Ware verschifft wird, wird ihre Qualität getestet. Die Bohnen kommen in ihrem ursprünglichen Zustand an, also roh. Ein Qualitätskriterium ist die Farbe. Ist das Grün sehr blass, würde das bedeuten, dass der Kaffee nicht frisch ist. Ein weiteres ist der Geruch: Die Bohnen haben im ungerösteten Zustand noch nicht den typischen Kaffeegeruch, sondern erinnern ein bisschen an grüne Bohnen. Größe und Form sind ebenfalls entscheidend. Die Bohnen sollten eine homogene Größe haben, sonst verbrennen die kleineren Bohnen bei der Röstung. Ob die Größe stimmt, testet Cruz Garcia, indem er die Bohnen siebt. Wenn mehr als 20 Prozent Bohnen durchfallen, fällt der Kaffee auch durch. Ein weiteres Ausschlusskriterium sind Defekte, das heißt, wenn Bohnen gebrochen oder schwarz sind. Anschließend testet Cruz Garcia den Feuchtigkeitsgehalt der Bohnen: 12,5 Prozent dürfen nicht überschritten werden, sonst könnten sich Schimmelpilze bilden. Dazu kommt, dass der Kaffeepreis nach Gewicht berechnet wird und Wasser in den Bohnen will man nicht bezahlen. Zu trocken darf die Bohne allerdings auch nicht sein, sonst röstet sie zu schnell.

Erzeuger Gepa Duftprobe

Sind diese Qualitätskriterien erfüllt, geht es ans Rösten: Dazu wird die Röstmaschine auf 200 Grad Celsius aufgeheizt. In der Maschine befindet sich eine Trommel, die die Bohnen 11 bis 16 Minuten bewegt und gleichmäßig röstet. Ein herrlich würziger Duft breitet sich aus. Anschließend werden sie gemahlen und das Pulver in sechs Tassen gefüllt. Bevor Wasser aufgegossen wird, riecht Cruz Garcia noch einmal am Kaffee im trockenen Zustand. Nach sechs Minuten Wartezeit ertönt besagtes Schlürfen und das kritische Urteil: Gibt es einen fehlerhaften Geschmack? Wie sind Säure und Körper des Kaffees, ist er vollmundig oder nicht? Das Aroma ausgeprägt oder flach?

Erzeuger Gepa Verkostung

Cruz Garcia ist rundum zufrieden und die Verschiffung wird freigegeben. Doch dass so hohe Qualitätsmaßstäbe angelegt werden, war nicht immer so. "Früher hat man den Kaffee aus Solidarität getrunken, nicht wegen des Geschmacks. Man ging davon aus, dass die Bauern es nicht anders könnten. Wichtig war nur, dass die romantische Vorstellung vom kleinen Kaffeebauern passte: je kleiner, desto besser. Erst in den 1990er-Jahren begann man, Qualitätskriterien aufzustellen", so Cruz Garcia über die Entwicklung der Standards. Das eingeführte Qualitätssystem hat sich schnell etabliert und es gibt einen regen Austausch zwischen der GEPA und den Genossenschaften.

Erzeuger Gepa Robin Roth

Kaffee ist natürlich nicht die einzige Ware, mit der die GEPA handelt. Hinzu kommen Tee, Schokolade, Nüsse, Reis, Brotaufstrich, Wein und Handwerksprodukte wie Korb- und Lederwaren, Textilien und Schmuck. Die Initialzündung für einen alternativen Handel, und damit für die GEPA, kam von einer christlichen Jugendbewegung in den 1970er-Jahren. "Die ersten Versuche waren wild. Die Geschichten sind haarsträubend, es gab kein Bankensystem, man musste mit dem Geld hinfahren. Es waren Priester und wilde Typen mit langen Haaren", so Robin Roth, Geschäftsführer der GEPA, zu den Anfängen. Dieses Jahr feiert die GEPA ihren 40. Geburtstag und hat sich seit ihren Anfängen zu Europas größter Fair-Trade-Handelsorganisation entwickelt. Auf die Frage, wie sich der 40. Geburtstag anfühlt, sagt Roth: "Es gibt einen schönen jüdischen Spruch: Man muss wissen, wo man herkommt, damit man weiß, wo man hinfährt. Die Vergangenheit ist für uns nur Wegweiser für die Zukunft. Wir haben eine ganz gewagte Strategie: Wir wollen die GEPA in eine ›Endkonsumenten-Bürgerbewegung‹ umwandeln, weg von einer GmbH. Mein Traum wäre, dass jeder Bürger in Deutschland, der GEPA-Produkte kauft, Miteigentümer der GEPA wird. Das würde dann ein Mitspracherecht für alle bedeuten. Und den Status vom Konsumenten zum Bürger ändern".

Erzeuger Gepa Soziales Projekt

Was fairen Handel eigentlich ausmacht? "Das ist eine Handelspartnerschaft, die auf Transparenz, Dialog und Respekt beruht", antwortet Roth und betont dabei: "Transparenz ist mir wichtig. Diese Schokolade besteht aus sieben, acht Zutaten. Und wir sind in der Lage, ganz genau zu sagen, woher die Zutaten kommen und wie viel wir dafür bezahlt haben. Die Zutaten sind austauschbar, aber nicht die Erzeuger! Und ich weiß, dass der Kakao darin aus der Dominikanischen Republik kommt – wir arbeiten seit vielen Jahren mit den Leuten und es ist unser Anliegen, auch in Zukunft mit ihnen zu arbeiten. Denn nur auf Dauer wirkt der faire Handel. Das ist die Lebensmittelindustrie, die ich gerne hätte. Letztendlich geht es um den Menschen."

Was bei der GEPA fairer Handel bedeutet, geht über die vom Fairtrade-Siegel definierten Kriterien hinaus. Aus diesem Grund hat sich die GEPA von diesem Siegel gelöst und eine eigene Fair plus-Strategie entwickelt: Sie beinhaltet vielfältige Mehr­leistungen, unter anderem garantierte Vorfinanzierung, langfristige Verträge und einen hohen Fair-Handelsanteil in Mischprodukten. Den hohen Anteil von 40 bis sogar 100 Prozent fair gehandelter Rohstoffe in Mischprodukten erreicht die GEPA auch dadurch, dass sie Nordprodukte integriert: zum Beispiel faire Milch in Schokolade.

Erzeuger Gepa Aufforstungsprojekt

Über die Zukunft und Ziele des fairen Handels sagt Roth: "Ich bin der Meinung, dass der faire Handel erst in der zweiten Generation greifen wird. Die erste Generation der Bauern, die haben es geschafft, die Qualität so weit zu steigern, dass die Kinder eben nicht mehr Kaffee pflücken müssen.

Ich war vor vier, fünf Jahren in Sri Lanka in einer Frauengenossenschaft und 30 Jahre lang haben wir kleine Körbe von ihnen bekommen. Bei einer Jahresversammlung habe ich sie gefragt: ›Was haben diese 30 Jahre mit der GEPA bewirkt?‹ Und dann kam eine ältere Dame mit ihrer Tochter auf die Bühne und die Tochter sagte auf Englisch, was mir natürlich eine Freude war: ›Meine Mutter hat 30 Jahre lang diese Körbchen geflochten und für jedes Körbchen hat sie Geld von der GEPA bekommen. Und dieses Geld hat sie in meine Ausbildung investiert. Meine Mutter spricht nur Tamil –  ich bin auch Tamilin, aber ich kann Singhalesisch und Englisch. Und ich werde nächstes Jahr auf die Uni gehen und Jura studieren.‹ Und dann schaute sie mir in die Augen und sagte: ›Ich bin die Entwicklung, die du suchst.‹"

››› Gabriele Storm

Kurz gefasst

  • Die Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt mbH (GEPA) ist die größte europäische Fair-Trade-Organisation mit Genossenschaften und sozial engagierten Privatbetrieben aus Lateinamerika, Afrika, Asien und Europa.
  • Hinter der GEPA stehen Misereor, Brot für die Welt, die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e. V. (aej), der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und das Kindermissionswerk "Die Sternsinger".
  • Gründung 1975
  • Mitarbeiter 152
  • Handelspartner Afrika (33), Amerika (75), Asien (45), Europa (2)
  • Auszeichnungen Deutscher Nachhaltigkeitspreis 2014 (Kategorie: Deutschlands nachhaltigste Marke)

Weitere Infos unter: