GEPA

Anfang der Siebziger Jahre forderten unter anderem kirchliche Jugendverbände in Protestmärschen deutsche Politiker dazu auf, gegen die Ungerechtigkeiten im Welthandel vorzugehen.

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Politisch und christlich motivierte Menschen mobilisierten andere und bildeten eine Vielzahl von "Dritte-Welt-Gruppen". Misereor und der heutige Evangelische Entwicklungsdienst (EED) waren von Anfang an dabei, als die "Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt" (GEPA) 1975 gegründet wurde. "Wandel durch Handel" und der Slogan "Jute statt Plastik" auf den Jutetaschen aus Bangladesch wurden Ende der Siebziger zu Symbolen für die Alternativbewegung und einen anderen Lebensstil. 1976 verabschiedete die GEPA einen "Kriterienkatalog zur Auswahl der Produzenten und Produkte" und legte bereits 1980 einen Mindestpreis für Kaffee fest, der sich unabhängig von der Börsenentwicklung an den Bedürfnissen der Kleinbauern orientierte.

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So prüft er die Rohware sämtlicher Kaffeeernten der Bauern und Genossenschaften, röstet dabei die zu testenden Bohnen selbst und gibt den Produzenten Rückmeldung zu den Qualitäten. "Wir haben es geschafft, unsere Kaffeesorten vom politischen Heißgetränk zum qualitativ hochwertigen Genussmittel zu etablieren", betont Peter Bierhance stolz, bei der GEPA Vertriebsleiter für den Bereich Lebensmittelhandel, Bio- und Naturkosthandel und Drogerien. "Politisch korrekt, das heißt zu fairen Preisen gehandelt, sind unsere Bio-Kaffees noch immer. Nur schmecken sie, dank der professionellen Produktentwicklung, weitaus besser als zum Beispiel unser Nicaragua-Solidaritäts-Kaffee Anfang der 80er."

Wie Fairer Handel funktioniert

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Bauern schließen sich zu Produzentengruppen zusammen und nehmen als basisdemokratisch organisierte Genossenschaft am Fairen Handel teil. Sie erhalten einen Mindestpreis, der sie nach unten absichert, falls der Weltmarktpreis wie vor einigen Jahren extrem niedrig ist. Zusätzlich zahlt die GEPA einen Fair Trade-Aufschlag. Beim Kaffee sind das zehn US-Dollar mehr als der aktuelle Weltmarktpreis pro 100 amerikanische Pfund (45,36 Kilo). Für Bio-Kaffee kommen noch einmal 20 US-Dollar hinzu. Die Mehreinnahmen können die Bauern in ihre wirtschaftliche und soziale Existenzsicherung investieren. Wie und in was, bestimmen sie selbst.

Häufig werden Projekte gefördert, die eine bessere Schulbildung oder medizinische Versorgung in den Dörfern gewährleisten. Weitere Fairhandelskriterien sind: direkter Handel mit den Produzentengruppen unter Ausschluss von unfairen Zwischenhändlern, Hilfe bei der Vorfinanzierung und langfristige, verlässliche Lieferbeziehungen. Außerdem fördert die GEPA den ökologischen Anbau der fair gehandelten Produkte. Mit der Einführung des "Organico"-Kaffees aus Mexiko im Jahr 1986 gab sie den Startschuss für den Import von gleichzeitig fair gehandelten sowie ökologisch angebauten Lebensmitteln aus Ländern des Südens. Inzwischen resultieren 85 Prozent des Umsatzes im Vertriebsbereich Bio- und Naturkost- sowie Lebensmittelhandel und Drogerie aus dem Handel mit "bio und fair"-Produkten. Langfristiges Ziel der GEPA ist es, dass immer mehr Produkte das "Naturland"- und das Bio-Siegel tragen.

Weitere Informationen...

Kurz gefasst

  • Gründungsjahr: 1975
  • Größte europäische Fair Handelsorganisation mit Sitz in Wup­pertal, einem Jahresumsatz in 2013 von 63 Mio. Euro und 160 Mitarbeitern
  • Handelt mit ca.140 Genossenschaften und sozial engagierten Privatbetrieben aus 42 Ländern in Lateinamerika, Afrika und Asien zu fairen Preisen und in langfristigen Handelsbeziehungen
  • Gesellschafter: Misereor, der Evangelische Entwicklungsdienst (EED), die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland (aej), der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), das Kindermissionswerk "Die Sternsinger" und die evangelische Hilfsaktion "Brot für die Welt"
  • Top 3: Deutschlands nachhaltigste Marke beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2011