Followfish – Ein guter Fang

Alnatura im Gespräch mit Jürg Knoll, Geschäftsführer von followfish, und Verkaufsleiter Lars Braker zu nachhaltigem Fischfang und Transparenz.

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Alnatura Magazin: 2007 wurde followfish gegründet. Wie kam es dazu?

Jürg Knoll: Wir haben followfish aus innerer Überzeugung gegründet, als das Thema Überfischung mehr und mehr aufkam. Wir hatten die Vision, dass wir als Unternehmen fish & more die besten Fischereien auf der Welt suchen und deren Waren auf dem deutschen Markt anbieten. Das war der Beginn der followfish-Idee. Unser Anspruch ist es, so gute Produkte anzubieten, dass wir alles darüber erzählen können. Und so kam ganz schnell der Transparenz-Gedanke auf, der sich auch im Namen followfish, also folge dem Fisch, wiederfindet. Mit dem Tracking-Code kann jeder nachverfolgen, woher der Fisch kommt – und zwar auf jeder Packung.

Erzeugerreportage Followfish - Packshots

Was sagt der Tracking-Code aus? Wo haben die Boote wann gefischt? Wann und wo wurde der Fisch verarbeitet? Wo und wann wurde er verladen? Und wie war die Transportroute? Was bedeutet es ganz konkret, nachhaltig zu fischen?

Das ist eine Wissenschaft für sich. Und weil es so komplex ist, haben wir einen Experten gesucht. Das war der WWF. Die Kriterien des WWF für Nachhaltigkeit sind auch unsere. Wir unterscheiden erst einmal zwischen Zucht- und Wildfisch. Ein klassischer Zuchtfisch ist zum Beispiel Lachs, der in Aquakulturen gehalten wird. Bei Aquakultur wird Nachhaltigkeit durch Bio-Aufzucht gewährleistet. Bio-Kriterien sind zum Beispiel die Besatzdichte, also wie viele Fische pro Kubikmeter Wasser schwimmen, das Futter ist in Bio-Qualität und es gibt selbstverständlich keine Antibiotika-Behandlung.

Erzeugerreportage Followfish - Skipjack am Haken

Und wie erreichen Sie Nachhaltigkeit im Wildfischbereich?

Hier vertrauen wir als Grundlage auf das Siegel MSC und suchen dann die Fischereien, die unseren Anforderungen entsprechen. Die Abkürzung steht für Marine Stewardship Council und heißt übersetzt Rat zum Erhalt der Meere. Wer den sehr umfangreichen Kriterienkatalog erfüllt, kann sich nach Prüfung vom MSC zertifizieren lassen. Dabei geht es um drei Faktoren. Zum einen der Bestand: Die Fischerei muss nachweisen, dass sie, einfach gesagt, nicht mehr herausfischt, als nachwächst. Zweitens: das Fischerei-Management. Hier muss die Fischerei nachweisen, dass ein Management-System Fischfang und Bestand kontrolliert. Und drittens: Wie wirkt sich die Fischerei auf die marine Umwelt aus? Die Meeresböden sind dabei eines von 35 Kriterien. Beifang ist hier ein ganz großes Thema. Gerade beim Thunfischfang gibt es wirklich katastrophale Methoden. Es kann sein, dass der Thunfischbestand in Ordnung ist, aber so viele andere Fischarten mitgefangen werden, dass wiederum deren Bestände gefährdet sind.

Erzeugerreportage Followfish - Fischfang

Kennen Sie Ihre Partner persönlich? Waren Sie schon vor Ort?

Klar, oft! Auf den Malediven waren wir mehrere Male bei einer spannenden, sehr handwerklich geprägten Fischerei. 2011 haben wir unsere Tracking-Idee vorgetragen. Sie haben es erst mal sehr skeptisch aufgenommen. Mittlerweile sind wir mit Abstand die größten Thunfischeinkäufer auf den Malediven.

Wie angelt man sich denn eigentlich einen Thunfisch?

Nach Mitternacht geht es los, da suchen die Fischer sogenannte Köderfische. Und wenn sie die Schwärme haben, springen sie ins Wasser, ziehen die Netze zu und die Köderfische kommen in einen Tank mit Wasser. Dann geht der Kapitän raus, da passiert ganz viel nach Bauchgefühl. Er sucht die Vogelschwärme, denn sie jagen gemeinsam mit Thunfischen. Wenn sie einen Thunfischschwarm gefunden haben, dann jubeln die Fischer, nähern sich ihm so schnell wie möglich und holen alle ihre Angeln. Die meisten haben noch ganz traditionell Bambusangeln. Jetzt müssen sie es schaffen, dass der Fischschwarm in Jagdfieber kommt: Einer der Fischer wirft die erste Handvoll Köder, die Beltfische, ins Wasser und dann sieht man gleich, ob viele Fische hochkommen oder nicht. Und wenn sie einen Thunfischschwarm erspähen, dann kommt die Sprenkelanlage zum Einsatz. Diese imitiert mithilfe von gepumptem Meerwasser springende Fische. Gleichzeitig werfen die Fischer den lebenden Fisch hinein, den Beltfisch. Die Thunfische schwimmen schnappend hinterher. Wenn einer auf den Angelköder beißt, wird er hochgeschleudert, in der Luft löst er sich von der Angel und dann fällt der Fisch auf das Schiffsdeck. An guten Tagen bekommt man bis zu zehn Tonnen aufs Schiffsdeck.

Wo wird der Fisch verarbeitet?

Immer sofort dort, wo er gefangen wird. Die Arbeitsplätze vor Ort zu halten und zu sichern ist für uns auch ein wichtiger Aspekt. Das hat zudem den qualitativen Vorteil, dass der Fisch nicht eingefroren und wieder aufgetaut wird.

Welche großen Meilensteine gab es für followfish seit 2007? Worauf sind Sie besonders stolz?

Der deutsche Nachhaltigkeitspreis hat uns natürlich sehr gefreut. Und mittlerweile ist der Tracking -Code von sehr vielen nachgeahmt worden. Das war dann schon ein Zeichen. Die Malediven spielen eine große Rolle. Und für uns ist es ganz wichtig, viele Menschen mit nachhaltigem Fisch zu erreichen – und das ist uns gelungen. Glücklich macht es uns immer, wenn wir unser Sortiment anschauen und sehen, dass wir nachhaltige Alternativen anbieten können. Und dass es beim Verbraucher auch gut ankommt. Ich bin stolz, dass wir unseren Prinzipien immer treu bleiben konnten.

Vielen Dank für das Interview.
››› Das Interview führte Gabriele Storm