Berührendes – made in Germany

Alnatura zu Besuch in der textilen Massage- und Bürstenwelt des Traditionsunternehmens Förster’s Natural Products.

Platzhalter

"Meiner Großmutter ist das heute noch peinlich", erzählt Eva Förster lachend und zeigt auf ein firmeneigenes Werbeplakat von 1963: Der ästhetisch anspruchsvoll fotografierte Frauenakt, umrisshaft und dezent angedeutet, soll das Augenmerk auf den Einsatz des Massagehandschuhs lenken, der zart über den Rücken streicht. Ein Affront! Das Werbeplakat erregte in der jungen Bundesrepublik öffentlichen Anstoß und musste entfernt werden. "Gar nicht so einfach, bildlich zu erklären, wie ein Massagehandschuh eingesetzt werden soll, wenn man keine nackte Haut zeigen darf", wirft Ulrich Förster ein.

Ulrich und Eva Förster, Vater und Tochter, arbeiten in dem familiengeführten Unternehmen in der fünften Generation. Beide sind rheinische Frohnaturen. Gut gelaunt und mit Leidenschaft für ihre Körperpflegeprodukte führen sie durch die kleine, aber feine Manufaktur in der Nähe von Köln, in der Bürsten und Massagehandschuhe produziert werden. "Alles made in Germany von Beginn an und bis jetzt, trotz der Billig-Konkurrenz aus Fernost", sagt Ulrich Förster stolz.

Neben der Herstellung qualitativ hochwertiger Produkte legt Förster Wert auf umweltschonende Naturmaterialien. Das eingesetzte Buchenholz stammt aus heimischen Wäldern und ist FSC-zertifiziert *, die textilen Körperpflegeprodukte sind GOTS-zertifiziert **. Schließlich erfordert der direkte und intensive Kontakt eines Massagehandschuhs mit der nackten Haut Vertrauen in die Materialien und deren Verarbeitung. Je nachdem, wie geübt und erfahren man mit dem textilen Massieren der Haut ist, beginnt man mit dem weichsten Stoff aus Bambusfasern, den man auch einfach zum Waschen verwenden kann. Dann folgt das immer noch relativ weiche Leinen-Baumwoll-Gemisch mit einem leichten Peeling-Effekt. Mehr Massagewirkung bietet der indische Flachs. Für echte Massageprofis muss es das rauste Material sein: das Sisalgarn, hergestellt aus Agave.

Erfinder des Massagehandschuhs aus speziellen rauen Garnen war in den 1950er-Jahren der Großvater von Eva Förster, der auch das weltweit erste Monopol auf die Herstellung innehatte. Vor dem Zweiten Weltkrieg führte er eine Strumpffabrik mit 400 Mitarbeitern im sächsischen Erzgebirge. In der DDR enteignet, begann er im Nachkriegs-Westdeutschland als mittelloser Strumpf-Verkäufer noch einmal von vorne. Doch einmal Unternehmer, immer Unternehmer – dazu noch einer mit viel Textilerfahrung – suchte er nach einer neuen Existenz: Förster Senior entwickelte den aus einem Stück rund gestrickten Handschuh aus rauem Garn – der Massagehandschuh war geboren. Die Strickmaschinen wurden extra für diese Anforderungen ausgetüftelt, eigenhändig zusammengebaut und finden noch heute Verwendung. Die letzte Rundnaht erledigt die langjährige Mitarbeiterin Dadinakis Kyriaki. Sie ist gelernte Schneiderin und näht einen Handschuh in zwei Sekunden zusammen. Schneller ist kein Automat.

Vor einigen Jahren erweiterten die Försters das Körperpflegesortiment des Unternehmens, das nun auch Bürsten, Pinsel und Kämme führt. Naturschwämme, Bimssteine sowie Luffa, ein grobes Gewebe aus getrockneten Wassergurken, runden die Auswahl ab. Besonders stolz sind die Försters auf ihre veganen Kosmetikpinsel. Anstatt wie üblich Haare von Tieren zu verwenden, ließen sie synthetische Haare entwickeln, die genauso weich und dicht sind. “Ein ganzes Jahr dauerte das, und kein Eichhörnchenschweif muss mehr daran glauben, wenn wir uns schminken“, versichert Eva Förster. Bei einem Puderpinsel ist es wichtig, dass die Haare besonders fein sind, dicht beieinander stehen und eine geschlossene Oberfläche bilden, sodass der aufzutragende Puder nicht durch die Härchen fällt. Vater und Tochter ist klar: Ohne Innovation hat auch ein noch so sympathisches Familienunternehmen keine Chance, egal wie hochwertig es produziert.

Doch Qualität hat ihren Preis. Das weiß auch Ulrich Förster und fügt nachdenklich hinzu: “Wir sind letztendlich vom Verständnis der Bio-Kunden abhängig. Nur wenn unsere Kunden begreifen, dass der Einsatz von hochwertigen, nachhaltigen Materialien, gepaart mit fairen Handelsbedingungen und einer handwerklichen Produktion in Deutschland einen höheren Preis rechtfertigt, dann hat unser Unternehmen mit seinen 30 Mitarbeitern eine Zukunft.“

*  FSC-Zertifizierung: Die Nichtregierungsorganisation Forest Stewardship Council (FSC) entwickelt internationale Standards für verantwortungsvolle Waldwirtschaft. Das FSC-Label auf Holz- und Papierprodukten gewährleistet, dass Menschen und Natur fair behandelt werden.
** GOTS-Zertifizierung: Global Organic Textile Standard (GOTS) ist ein Qualitätssiegel für konsequent ökologische und sozial verträglich hergestellte Textilien.