BioTropic

BioTropic beliefert die Alnatura Super Natur Märkte mit Bio-Bananen aus der Dominikanischen Republik. Das Land exportiert gegenwärtig die meisten Bananen aus biologischem Anbau. BioTropic erzählt von seiner Arbeit vor Ort.

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Wenn Volker Schmidt am frühen Vormittag aus dem Auto steigt und zu seinem Büro läuft, ist es bereits warm und drückend. Bei einer Luftfeuchtigkeit von bis zu 80 Prozent ziehen die Temperaturen im Laufe des Tages auf 35 Grad Celsius an, sodass selbst die Einheimischen aufstöhnen. Für die Bio-Bananen auf den umliegenden Plantagen ist das tropische Klima allerdings optimal. Auf diesen Feldern befindet sich auch der eigentliche Arbeitsplatz des BioTropic Agrar-Ingenieurs.

Seit elf Jahren lebt der gebürtige Deutsche im Norden der Dominikanischen Republik. Vor Ort überprüft er den Anbau der Bananen bis zum Weitertransport nach Europa. Dabei steht er in engem Kontakt mit den einheimischen Bio-Bauern und gibt Hilfestellung, wenn Fragen auftauchen.

Ob bio oder konventionell, für den Export wird weltweit hauptsächlich eine einzige Sorte angebaut: die Cavendish. Gelb und leicht gebogen prägt sie unser Bild einer Banane. Es gibt daneben jedoch noch Hunderte Sorten Bananen in den unterschiedlichsten Formen, Farben und Aromen.

Fünf Tage in der Woche besucht Volker Schmidt die Bananenbauern, welche mit BioTropic zusammenarbeiten. Die Plantagen der Bauern sind zwischen 5 und 22 Hektar groß, je nach Größe sind bis zu 24 Mitarbeiter auf ihnen beschäftigt. An diesem Tag steht der Bananenbauer Arismendy Cruz auf seiner Besuchsliste. Er ist einer von zwölf Kleinproduzenten im Umland von Mao, die sich vor sechs Jahren zur Kooperative Milagros zusammengeschlossen haben. Die Region in der Karibik ist in den letzten Jahren häufigen Stürmen ausgesetzt gewesen. Das hat viele Bauern in Existenznot gebracht: "Auf mich allein gestellt hätte ich kaum eine Chance, auf dem Weltmarkt Fuß zu fassen", sagt Arismendy Cruz. Durch die Kooperative hat sich seine Markt- und Lebenssituation erheblich verbessert. Unterstützung bekam die Kooperative im Zuge eines sogenannten PPP-Programms (Public Private Partnership) aus öffentlichen Mitteln der DEG-Bank sowie von BioTropic: Bewässerungssysteme wurden angelegt, eine Hochwasserschutzschleuse gebaut und Kabelbahnen zum Bananentransport verlegt. Alle Milagros-Mitglieder wurden zudem im Bio-Anbau weitergebildet. Einer der Kooperative-Bauern arbeitet sogar nach Demeter-Richtlinien.

Biotropic hat die Kooperative ins Leben gerufen und arbeitet von Anfang an mit ihr zusammen, denn langfristige Lieferbeziehungen sind eine wichtige Grundlage für leckere Bio-Bananen. Außerdem bietet es den Kooperativen-Mitgliedern eine sichere Zukunftsper­spektive, dass die Abnahme der gesamten Bananenproduktion garantiert wird. Gleichzeitig profitieren die Plantagenmitarbeiter von dauerhafter Beschäftigung bei regelmäßigem Einkommen. Zusatzleistungen wie die Bereitstellung von Essen und Getränken auf den Fincas sowie Schulbedarf für die Kinder unterstützen sie darüber hinaus im Alltag.

Bei Arismendy Cruz angekommen, gibt es eine kurze Besprechung mit dem dortigen Betriebsleiter. Zusammen machen beide einen kleinen Rundgang auf der Plantage: Volker Schmidt interessiert sich besonders für die Früchte, die kurz vor der Ernte stehen. Wie sehen sie aus? Wie sind ihre Maße? Um exportiert zu werden, müssen sie mindestens eine Länge von 17 Zentimetern und einen Durchmesser von 2,7 Zentimetern haben. Sind die Pflanzen gesund? Oder gibt es Blattläuse, vielleicht sogar den bei Produzenten gefürchteten Befall mit dem Bananenpilz Sigatoka? Auch im Bio-Bereich wünschen sich viele Kunden eine möglichst makellose und einheitlich aussehende Banane.

Bananen werden zwar ganzjährig geerntet, brauchen aber mindestens neun Monate Wachstumszeit. Wichtig ist, dass sie bei der Ernte grün sind. Die Früchte sollen nicht an der Pflanze ausreifen, denn vollreif platzen sie leicht und verderben. Auch wird die Banane erst süß, wenn sie von der Staude getrennt ist, denn dann beginnt im Fruchtfleisch die Umwandlung von Stärke in Zucker.

Eine Bio-Bananenstaude trägt zwar weniger Früchte als das konventionelle Pendant, trotzdem bleibt die Ernte in der tropischen Hitze Knochenarbeit. An einem Bio-Bananenfruchtstand können 150 Früchte hängen, das Ganze bis zu 25 Kilogramm schwer. Vorsichtig trennen Mitarbeiter das Bündel von der Staude, die stoßempfindlichen Bananen sollen möglichst keine Druckstellen bekommen. Mit der Kabelbahn wird der Fruchtstand zur Packstation gezogen. Dort wird er grob zerteilt und in einem großen Wasserbecken vom klebrigen Pflanzensaft befreit. Noch im Becken werden die Hände weiter in Größen zwischen drei und acht sogenannten Fingern unterteilt. So portioniert finden wir sie später im Handel wieder. Im nächsten Schritt werden die Schnittflächen mit einer Lösung aus gepressten Zitronenkernen behandelt. Dies verhindert, dass während des Transports Keime eindringen und die Banane zu faulen beginnt.

Die Bio-Bananen sind nun schon fast reisefertig. Noch die Milagros- und Biosiegel-Aufkleber auf die Bananen geklebt, dann packt ein Mitarbeiter die Früchte in Pappkisten mit Plastiktüten und zieht mit einem Sauggerät die Luft heraus. Hintergrund: In dem fast luftleeren Raum vermehren sich Bakterien sehr viel langsamer. Auch diese Arbeiten verfolgt Volker Schmidt aufmerksam. Die geernteten Bio-Bananen haben eine gute Qualität – er ist zufrieden. Elf Tage werden die Früchte auf dem Schiff nach Europa unterwegs sein. Mit Arismendy Cruz bespricht Volker die nächste Ernte, bevor er sich auf dem Weg zum nächsten Bananenbauern macht.

››› Gastbeitrag Visnja Malesic, BioTropic

Kurz gefasst

  • Gegründet 1997
  • Hauptsitz in Duisburg, Vertretungen vor Ort in Italien, Frankreich, den Niederlanden, der Elfenbeinküste, der ­Dominikanischen Republik und Neusee­land. Von dort importiert BioTropic biologisch angebautes Obst und Gemüse in alle Welt. 
  • Mitarbeiter weltweit rund 50, davon 8 Agrar-Ingenieure. 
  • Besonderheiten Erste Bio-Bananenreiferei in Deutschland. In der Dominikanischen Republik arbeiten Volker Schmidt und seine Kollegen gegenwärtig an einem neuen Projekt: dem Ökologischen Bildungszentrum in Mao.