Bio-Winzer Alain Moueix

Interview mit Alain Moueix, Bio-Winzer und Besitzer von Château Fonroque im Bordeaux.

Bio-Winzer Alain Moueix

Monsieur Moueix, Sie produzieren bislang die einzigen Biozertifizierten "Grand Cru Classés" im Bordeaux.

Alain Moueix: Ja, das Château Fonroque und das Château Moulin du Cadet sind die einzigen Crus Classés im Bordeaux, die Rotwein aus zertifiziert biologischem sowie biologischdynamischem Anbau (in Frankreich "Biodyvin") produzieren.

Bio-Winzer Alain Moueix

Seit wann erzeugen Sie schon Bio-Wein?

Moueix: Unsere Trauben sind Bio-zertifiziert. Wir haben den Bio-Anbau von Château Fonroque auf der Gesamtfläche von 17,6 Hektar im Jahr 2002 begonnen, die Zertifizierung aber erst 2003. Das heißt 2004 und 2005 waren die Umstellungsjahre, die Ernte 2006 stammt aus biologischem Anbau, zertifiziert und geprüft von Agrocert. Was den biologisch-dynamischen Anbau betrifft, haben wir die Kontrollen 2005 begonnen, sodass die Umstellung 2006 und 2007 erfolgte und die Trauben seit 2008 bio-dynamisch sind. Hier werden wir von Ecocert kontrolliert.Was hat Sie bewogen, auf Öko-Weinbau umzustellen?

Moueix: Die Gründe sind vielfältig. Zuerst einmal steht bei einem Grand Cru Classé de Saint-Emilion die Suche nach Qualitätsoptimierungen permanent im Vordergrund. Und diese Qualität bietet mir der biologisch-dynamische Anbau – vorausgesetzt natürlich, dass die Weinbereitung beherrscht wird. Ich bin der Meinung, dass der biologisch-dynamische Anbau einen großen Einfluss auf alles Lebende in unseren Weinbergen hat und dass er einen Beitrag zum Fortbestand des "Terroirs" leistet. Wer von mehr Leben im Boden spricht, meint einen stärkeren Ausdruck des Bodens, der Lage und des Klimas im Wein. Schließlich glaube ich auch, dass man dank des Bio-Dynamischen authentischere Weine produzieren kann. Es verleiht den Weinen ein anderes Profil in ihrem aromatischen Ausdruck bzw. in ihrer Struktur. Dann will ich Umwelterwägungen anführen: Rückstände von Pestiziden im Grundwasser oder in der Luft sind beunruhigend. Kurz gesagt, meine Beweggründe sind: Respekt für Umwelt und Mensch, Erhalt der Böden und Wertschätzung des "Terroirs", die Brillanz und die Ausgewogenheit der Weine.

Wie beurteilen Sie den ökologischen Weinbau insgesamt in der Region Bordeaux? Wie hat er sich bislang entwickelt und warum? Geben Sie ihm eine Zukunft?

Moueix: Bordeaux hinkt diesbezüglich eher hinterher. Das ozeanische Klima macht den Winzern vielleicht Sorge, wobei die Loire schon weiter fortgeschritten ist. Fest steht, dass der biologische Weinbau kein Spaziergang ist und dass er einen zwingt, im Weinberg präsenter zu sein. Es ist technisch anspruchsvoller, und man kann sich keinen Fehltritt leisten. Die Tatsache, dass auf den großen Gütern der Leiter des Weinbergs nicht der Besitzer ist, ist vielleicht ein Hemmschuh. Wie immer wird der Markt entscheiden. Wenn der Druck auf dem Markt in eine natürlichere Richtung weist, wird Bordeaux folgen müssen. Die Tatsache, dass ein paar Winzer hochklassigen Wein in biologischem Anbau produzieren, wird manch andere dazu bringen, es genauso zu machen. Es vergeht keine Woche mehr, ohne dass ich einen Gutsbesitzer aus der Region empfange, der sich anschauen will, wie wir arbeiten. Vor zwei Jahren war das noch nicht so. Ich sehe darin ein Zeichen des Wandels.

Welche Kriterien beachten Sie bei Ihrer Kellerarbeit?

Moueix: Der biologische und vor allem der biologisch-dynamische Anbau setzen sich im Gärkeller fort. Biologisch anzubauen, nur um anschließend die ganze önologische "Apotheke" zur Anwendung zu bringen, macht keinen Sinn. Auch da versuchen wir, so natürlich wie möglich zu arbeiten und gleichzeitig die Weine zu überwachen, denn schließlich sollen sie weiter hin Ausdruck eines "Terroirs" und einer Frucht sein ohne Verfälschungen durch Mikroben. Was die rechtliche Seite betrifft, sind nur meine Trauben Bio-zertifiziert. Sobald es eine europäische Zertifizierung auch für Weine gibt, werde ich diese Vorschriften umsetzen. Im biologisch- dynamischen Anbau werden die Trauben und die Weine zertifiziert, mit einem Pflichtenheft für den Weinkeller. Hierbei zählen die natürlichen Rhythmen, die für den Anbau von Wein bedeutend sind.

Welche speziellen, z. B. klimatischen Bedingungen in der Region Bordeaux machen es den Bio-Winzern besonders schwer? Mit welchen Risiken müssen Sie als Bio-Winzer kämpfen?

Moueix: Das Klima in der Region Bordeaux ist ozeanisch, also eher feucht. Dies war der dritte Frühling in Folge, der warm und feucht gewesen ist. Das macht bestimmte Krankheiten wie Mehltau aggressiver. Manchmal kommt es vor, dass es vor der Lese regnet, was zu Grauschimmel führt. Aber das beschränkt sich ja nicht auf die Öko-Winzer. Leichte Jahre sind für alle leicht, und schwierigere Jahre erfordern von allen mehr Aufmerksamkeit und Vorsorge im Weinberg.

Welche alternativen Mittel setzen Sie gegen Pilzbefall oder Ungeziefer ein?

Moueix: Ein bisschen Schwefel und Kupfer in ganz geringer Dosis. Kupfer ist ein Schadstoff, wenn er sich im Boden anreichert, ansonsten ist er ein lebenswichtiges Spurenelement. Um eine Überdosierung zu vermeiden, dürfen wir nicht mehr als sechs Kilogramm Kupfer pro Hektar und Jahr verwenden. Das wird bei der Zertifizierung kontrolliert. In der bio-dynamischen Arbeit verwenden wir zahlreiche Kräuteraufgüsse, Talk und die bio-dynamischen Präparate, die das Leben im Boden und den Einklang der Pflanzen mit den Rhythmen der Natur fördern sollen. Ein Absud des Schachtelhalms wirkt gegen Mehltau und wird vor allem im Frühjahr eingesetzt. Ein Baldrianpräparat fördert die Blüte. Mit einem Brennnesselaufguss reguliert und fördert man das Wachstum der Pflanze. Er wirkt auch vorbeugend gegen Mehltau. Das Wichtigste aber ist, man darf nicht vergessen, dass die Natur ihre eigenen Gesetze hat und dass wir diejenigen sind, die sich anpassen müssen.

Welche Philosophie steckt hinter Ihren Weinen? Auf was achten Sie genau bei der Kreation Ihrer Weine?

Moueix: Ich achte ganz besonders auf meinen Weinberg. Ich beobachte ihn, um ihn zu verstehen, um ihm entgegenzukommen und bewusst zu handeln, damit wir die Balance finden, die das Leben fördert. Je weniger Kunstgriffe wir einsetzen, desto schwerer ist es und umso präziser muss man vorgehen. Diese Anbautechnik ist eine Suche nach Gleichgewicht, der man die Jagd nach Tannin entgegensetzen könnte. Eine Suche nach Profil im Wein und nicht die Verherrlichung des Fetten, der exzessiven Süße. Kurz: Es geht nicht darum, einen schönen Wein zu machen, sondern einen Wein des 21. Jahrhunderts, mit dem richtigen Maß an Modernität, der zugleich ein echter Bordeaux ist, elegant, reinrassig und ausgewogen. Meine wichtigste Motivation ist es, Weine besserer Qualität zu produzieren, die voll und ganz ihre Herkunft ausdrücken.

Bio-Winzer Alain Moueix

Château Fonroque ist ein Cuvée aus 85 Prozent Merlot und 15 Prozent Cabernet Franc und reift etwa 18 Monate im Barrique. 2004 wurden nur 76.000 Flaschen produziert.

Mehr Infos zu Château Fonroque finden Sie unter www.chateaufonroque.com