Die Süßen aus Sizilien

Alnatura besucht die Bio-Kooperative Agrologica Società Agricola Cooperativa auf Sizilien – zur Tafeltraubenernte.

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Erst mal ein ungewohnter Anblick: Die Rebstöcke stehen unter Folie, wie in einem großzügig angelegten Gewächshaus ohne Seitenwände. Von außen betrachtet nicht sehr pittoresk, aber es ergibt Sinn: Sobald sich die Trauben ab August im Reife- und Erntestadium befinden, müssen sie vor seltenen – dann aber umso kräftigeren – Regen- oder gar Hagelschauern geschützt werden. Die Traubenbeeren platzen ansonsten leicht auf und die Ernte ist verloren. Die Überdachung spendet den Früchten außerdem Schatten und schützt sie vor Sonnenbrand. Ja, auch Trauben können Sonnenbrand bekommen! Ein weiterer Vorteil ist, dass die Gewächshausatmosphäre eine zu schnelle Verdunstung des zugeführten Wassers und damit die Versalzung des Bodens verhindert. Um Wasser zu sparen, wird die moderne Tröpfchen-Bewässerungsmethode angewendet. Steht man zwischen den üppig mit Trauben behangenen Rebstöcken, empfindet man die Überdachung als Wohltat. Hier ist es mindestens drei Grad kühler, eine gute Durchlüftung ist gewährleistet und das Dach schützt vor direkter Sonneneinstrahlung. Die sizilianische Sonne scheint auch noch Ende September unerbittlich, sorgt aber für die optimale Reifung und die wunderbare Süße der Tafeltrauben.

Agrologica Società Agricola Cooperativa

Sizilien und Apulien gehören in Europa zu den Regionen, in denen die meisten Tafeltrauben angebaut werden. In der Region Ragusa im Südosten Siziliens ist der Anteil an ökologisch bewirtschafteten Rebflächen mit über 15 Prozent besonders hoch. Das heißt, weder der Einsatz von Pestiziden noch von künstlichem Dünger ist erlaubt. Als Pflanzenschutz ist Schwefel zugelassen – höchstens 20 Kilo pro Hektar im Jahr – und vor der Blüte darf noch Kupfer zur Vorbeugung gegen echten und falschen Mehltau eingesetzt werden.

Agrologica Società Agricola Cooperativa

Franco d’Angelo, Mitgesellschafter der Cooperativa, erklärt wild gestikulierend, dass die mehlartige Schicht auf den Traubenhäuten nichts mit dubiosen Spritzmitteln zu tun hat. "Tutto bene, tutto naturale", ruft er. Den weißen Reif auf den Traubenbeeren produziert die Traube selbst. Er dient als natürliche Schutzschicht gegen Fäulnis. Franco ist verantwortlich für die Bio-Zertifizierung der Mitglieder. Die Brüder Riccardo und Giuseppe Lorefice sind ebenfalls Mitgesellschafter der Genossenschaft, die seit 1996 ausschließlich Bio-Obst und -Gemüse anbaut und vertreibt.

Agrologica Società Agricola Cooperativa

Sie bewirtschaften insgesamt 26 Hektar und bauen seit 15 Jahren auch Tafeltrauben an. Die Ernte ist von Juli bis Anfang Oktober in vollem Gange. Die im Juli reifende Tafeltraube heißt Victoria; Italia und Red Globe reifen später. Nur die wirklich reifen Trauben werden von Hand mit einer Zange abgezwickt und sorgfältig in die bereits zum Export vorbereiteten Sechs-Kilo-Kisten auf Paletten gelegt. Die frisch geernteten Tafeltrauben werden sofort für den Versand nach Deutschland – in diesem Fall für die Alnatura Filialen – verpackt. Bei der weißen Traubensorte handelt es sich um Italia. Eine zarthäutige, säurearme und großbeerige Sorte, die viel Saft und Traubenzucker entwickelt. Dieser Fruchtzucker dient als Geschmacksträger, der die feinen Muskataromen auf dem Gaumen besonders gut zur Entfaltung bringt. Auffallend ist, dass die weißen Trauben auf dem eher weißen, kalkhaltigen Boden wachsen, während die rote Sorte Red Globe auf einem dunkleren, lehmhaltigeren Boden gepflanzt wird. Der Grund: Jede Rebsorte hat andere Anforderungen an den Boden. Süß und wohlschmeckend ist auch die Red Globe.

Giuseppe prüft die Reife seiner Trauben, indem er von fast jedem Stock, an dem er vorbeigeht, nascht. Er wirkt sehr zufrieden. Entzückt verdreht er die Augen und ruft: "Ah, molto bene, molto dolce, delizioso!"*

*Anmerkung der Redaktion: Fotograf und Autorin bekamen eine Sechs-Kilo-Kiste Tafeltrauben als Wegzehrung zum Abschied geschenkt. Nach zwei Tagen ward kein Träublein mehr gesehen. Aufgefuttert!

Weintrauben

Ursprünglich eine wilde Kletterpflanze, gehört die Weinrebe (Vitis) zu den ältesten Kulturpflanzen. Sie wird seit über 8.000 Jahren weltweit zwischen dem 30. und 50. Breitengrad angebaut. Heute sind über 15.000 Sorten bekannt. Ca. 80 Prozent der Trauben werden zu Wein gekeltert, nur 15 Prozent als Tafeltrauben angebaut und frisch verzehrt, 5 Prozent zu Rosinen getrocknet. Die Weinrebe ist eine Zwitterpflanze und kann sich selbst fortpflanzen.

››› Susanne Salzgeber