Fisch

Schön, diese Vorstellung: Eine Handvoll Männer fährt mit kleinen Kuttern dem Morgengrauen entgegen. Im Gepäck Angeln und selbst gemachte Netze, um den Fisch zu fangen, der einige Tage später auf unserem Teller liegen wird.

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Doch dieses hemmingwaysche Bild vom alten Mann und dem Meer – das wissen wohl die meisten – ist mittlerweile weit entfernt von der Realität. Große Hochseefangflotten, tech­nisch bestens ausgerüstet und oft mit großen Schleppnetzen »bewaffnet", haben die Oberhand über das Meer und seine Fischbestände gewonnen. Schätzungen der Welternährungsorganisation (FAO) zufolge sind circa 61 Prozent der Fischbestände bis an die Grenze genutzt, etwa 29 Prozent gar überfischt beziehungsweise erschöpft. Diese Zahlen gelten weltweit, für europäische Gewässer lesen sich die Zahlen noch dramatischer. Im Mittelmeer sind gar 93 Prozent der Bestände überfischt. Umweltorganisationen warnen deshalb: Das Meer steckt in der Krise, den Fischen steht das Wasser bis zum Hals. Dabei geht es nicht nur um das Verschwinden einer Delikatesse oder der Lebensgrundlage vieler Kleinfischer, sondern ein ganzes Ökosystem droht zu kollabieren. Andererseits hält die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) an ihrer Empfehlung fest, ein- bis zweimal pro Woche Fisch zu verzehren. Schließlich ist Fisch ein wertvolles Lebensmittel, welches seit Menschengedenken den Speiseplan bereichert. Doch kann man Fisch noch mit gutem Gewissen verzehren? Die etwas zögerliche Antwort: Ja, das ist möglich, erfordert aber einiges an Wissen.

Wildfang und Aquakultur Wasser ist der Lebensraum des Fisches. Dabei wird in Süßwasser- und Seefisch unterschieden. Süßwasserfische leben überwiegend in Flüssen und Seen, zu den bekanntesten Beispielen gehören Karpfen, Lachs und Forelle. Seefische wie Kabeljau, Rotbarsch, Heilbutt und Co. hingegen leben im Meer. Wird ein Fisch gefangen, der frei in seinem natürlichen Lebensraum aufgewachsen ist, so spricht man von Wildfisch. Wird er hingegen vom Menschen gehalten, so ist der Fisch in Aquakultur aufgewachsen. So viel zu den Definitionen. Für verantwortungsvollen Fischkonsum muss man bei beiden Varianten genau hinschauen.

Wildfang Wild gefangener Fisch wächst in seinem natürlichen Umfeld auf – im Meer, See oder Fluss. Da man bei diesen frei lebenden Tieren keinen direkten Einfluss auf Lebensraum und Futterqualität hat, gilt die EG-Öko-Verordnung nicht. Das Siegel sucht man auf Wildfisch daher vergebens. Stattdessen geben andere Symbole Aufschluss über die Nachhaltigkeit des Fisches. Das wohl bekannteste ist das Siegel des MSC (Rat zum Erhalt der Meere). Die weiße Fischsilhouette auf blauem Grund zertifiziert Fischereien, die nachhaltigen Fischfang betreiben – also beispielsweise nur in stabilen Beständen fischen. Umweltorganisationen wie Greenpeace gehen weiter. Sie betrachten auch die Fangmethode, Schleppnetze beispielsweise sind für einen von Greenpeace empfohlenen Fisch tabu. Zu hoch sind der Beifang und die mögliche Zerstörung des Meeresbodens durch die meist schweren Gerätschaften.

Aquakultur Das Halten von Fischen, Muscheln und Krebstieren in einer Art Teich oder Gehege kann einen Beitrag leisten, um dem Meer und seinen Bewohnern Erholung zu gönnen. Aber es kommt darauf an, wie die Haltung erfolgt. Konventionelle Aquakultur, beispielsweise von Lachs oder Garnelen, ist oft Massentierhaltung. Einhergehend mit den üblichen Problemen: viele Tiere auf engen Raum, Überdüngung der Gewässer durch Ausscheidungen, wenig nachhaltiges Futter, Medikamentenrückstände und einiges mehr. Die EG-Öko-Verordnung regelt daher seit 2009 die Bio-Aquakultur; ihr grünes Siegel ist verpflichtend auf den Produkten zu finden. Die Regeln: geringere Bestandsdichte, Fütterung mit Bio-Komponenten oder nachhaltig gefangenem Beifang, keine vorbeugende Antibiotikagabe und so weiter. Naturland ist hier besonders engagiert. Bereits 1996 hat dieser Bio-Verband Richtlinien für ökologische Aquakultur erarbeitet, die noch heute strenger als die Vorgaben der EG-Öko-Verordnung sind.

Fisch bei Alnatura Zugegeben: Es ist nicht leicht, bei nachhaltigem Fischkonsum den Überblick zu behalten. Alnatura schließt sich daher den Vorgaben des Bundesverbands Naturkost Natur­waren (BNN) an. Hier wird klar geregelt, dass in BNN-zertifizierten Bio-Läden ausschließlich Fisch zu finden ist, der entweder aus Bio-Aquakultur stammt oder im Fall von Wildfisch zwei grundsätzlichen Vorgaben entspricht. Erstens: Unabhängige Experten wie Greenpeace müssen die Fischart, ihre geografische Herkunft und Fangmethode als vertretbar einstufen. Zweitens: Fang, Gewinnung und Herstellung müssen durch eine unabhängige Einrichtung kontrolliert werden. Aus diesem Grund finden Sie bei Alnatura ein eher übersichtliches, dafür aber ökologisch vertretbares Fischsortiment.

Gütesiegel beim Fischkauf

MSC-Siegel (Marine Stewardship Council): Fisch und Meeresfrüchte aus nachhaltiger Fischerei, die 3 Prinzipien folgt: Schutz der Fischbestände, minimale Auswirkungen auf das Ökosystem, verantwortungsvolles und effektives Management.

Naturland: Die Richtlinien für ökologische Aquakultur und nachhaltigen Fischfang schaffen Rahmenbedingungen für Erzeuger von Fisch und Meeresfrüchten, die der genutzten Art sowie deren Ökosystem nicht schaden.

Friend of the Sea: International anerkanntes Gütezeichen zur Kennzeichnung von Produkten aus nachhaltiger Fischerei – weder Fischbestände noch Meeresumwelt werden gefährdet, keine ungewollten Arten als Beifang.