Warenkunde: Bananen

Wohlstandssymbol, Grundnahrungsmittel und Gegenstand manch krummer Geschäfte: Über die Banane gibt es viel Spannendes zu berichten.

Warenkunde Banane

Ihr Ursprung wird in Südostasien vermutet; in Indonesien, Malaysia oder auch auf den Philippinen zählten wilde Bananen schon in vorgeschichtlicher Zeit zu den Grundnahrungsmitteln. Über Madagaskar kam die exotische Frucht auf den afrikanischen Kontinent, um später auch in Peru und anderen südamerikanischen Ländern Einzug zu halten. Überall dort findet die Bananenstaude das für sie passende Klima: viel Sonne und Wärme, bei reichlich Niederschlag und Schatten – die Banane ist ursprünglich eine tropische Waldpflanze.

Botanik, Sorten und Verwendung

Wer Bananen lediglich aus dem Supermarkt kennt, wird es kaum glauben: Man zählt viele Hundert verschiedene Sorten. Sie unterscheiden sich in Größe, Farbe, Form und Geschmack. Von der kleinen Babybanane über das bis zu 50 Zentimeter lange Exemplar; in Rot, Braun und gestreift; hocharomatisch und süß; weich, aber auch mehlig und fest. Sie alle stammen vermutlich von zwei Wildarten ab und gelten botanisch als Beere. Die Bananenpflanze (Musa × paradisiaca) ist eine Staude – je nach Sorte drei bis sechs Meter hoch, schnell wachsend und nur einmal Früchte tragend. Dafür sind es bis zu 300 Bananen, die sich pro Blütenstand entwickeln können. Bei einem Gesamtgewicht von 35 bis 50 Kilogramm kein Wunder, dass sich das Bündel nach unten biegt und für die typische Krümmung der Früchte sorgt. Sind diese reif, stirbt die Mutterpflanze. Nicht ohne zuvor Schösslinge hervorgebracht zu haben, aus denen neue Pflanzen wachsen.

Hierzulande findet man fast ausschließlich gelbe Dessertbananen im Handel. Sie sind – gleich nach dem Apfel – das zweitliebste Obst der Deutschen. Die Hauptverwendung: Frischverzehr. Ganz anders in den Ursprungsländern, wo es die große Sortenvielfalt gibt und Bananen oft ein Hauptnahrungsmittel sind: gekocht, frittiert oder zu Mehl verarbeitet. Auch Getränke werden aus der krummen Frucht gebraut; beispielsweise das in Afrika so beliebte Bananenbier. Die großen Blätter der Staude dienen als Baumaterial und Schattenspender.

Anbau – konventionell und biologisch

Jahrhundertelang blieb die Banane fast ausschließlich in ihren Anbauländern; zu kompliziert war ein Transport der empfindlichen Frucht. Erst im ausgehenden 19. Jahrhundert begannen amerikanische Unternehmen den internationalen Handel aufzunehmen. Der Beginn einer großen Karriere, die Wohlstand und gleichzeitig Armut brachte. Noch heute teilen sich wenige Weltkonzerne den Großteil des Marktes – mit zum Teil verheerenden Folgen für Mensch und Umwelt. Denn konventioneller Bananenanbau ist intensiv: Monokultur auf großen Plantagen, enormer Wasser- und Düngebedarf, verbunden mit hohem Pestizideinsatz. Und immer wieder in den Schlagzeilen sind Niedriglohn und Arbeitsbedingungen für die Plantagenarbeiter, die letztlich von den Pestizid-Nebenwirkungen direkt betroffen sind.

Glücklicherweise steigt die Nachfrage nach Bio-Bananen stetig. Hier wird oft in Mischkultur angebaut, sprich im Wechsel und in direkter Nachbarschaft zu anderen Obst- und Gemüsesorten. So wird der Boden nicht einseitig ausgelaugt; eine ausschließlich organische Düngung genügt, um ihn mit Nährstoffen zu versorgen. Auch fehlt vielen Schädlingen, beispielsweise dem gefürchteten schwarzen Sigatoka-Pilz, die nötige Pflanzendichte und intensive Sonne für ihr Wachstum. Denn die Mischkultur sieht auch Schattenspender vor, Kokospalmen beispielsweise. Ganz nebenbei, aber keinesfalls unerheblich, haben die Plantagenbesitzer so auch eine weitere Einnahmequelle und sind nicht ausschließlich von der Banane abhängig. Den Einsatz von Pestiziden untersagen die Bio-Richtlinien.

Politische Bedeutung

Wie schon erwähnt, konnte die Banane erst mit der Entwicklung von Frachtkühlung im großen Umfang nach Europa und damit nach Deutschland kommen. Schnell wurde sie zu einem begehrten Gut und Symbol für Wohlstand. Das war in Nazideutschland so und auch in den sich anschließenden beiden deutschen Staaten. So setzte Konrad Adenauer 1957 gegenüber der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft eine zollfreie Bananen-Einfuhr durch. Auch die DDR-Regierung erklärte die Banane zur Chefsache, allerdings mit weitaus weniger Erfolg. Die exotische Frucht war in ostdeutschen Obst- und Gemüseläden eine Rarität und wurde zum Symbol des Mangels, nicht des Wohlstands. So war es eine nett gemeinte Geste vieler BRD-Bürger, ihre ostdeutschen Nachbarn nach der Grenzöffnung mit Bananen zu begrüßen. Mittlerweile hat sich der Bananen-Konsum zwischen Ost und West weitgehend angeglichen: auf etwa zwölf Kilogramm pro Kopf und Jahr.