Hans Trumpfheller - Auf die Ziege gekommen

Aus Rinderzucht wird Bio-Ziegenmilchbetrieb mit Käserei: Hans Trumpfheller aus Bad König im Odenwald hat seinen Hof radikal umgebaut.

Familie Trumpfheller

Bauern haben bekanntlich nie Ferien. Wie es das Schicksal so will, ließ sich Hans Trumpfheller vor sechs Jahren dennoch zu einem Urlaub in Bayern überreden – zur Freude seiner Frau. "Zu ihrem Leidwesen komme ich aber an keinem Bauernhof vorbei, ohne ihn mir anzuschauen", berichtet der Landwirt schmunzelnd. Besagter Hof, ein Ziegenmilchbetrieb, hinterließ einen bleibenden Eindruck – standen die Zeichen bei den Trumpfhellers doch gerade wieder auf Veränderung: Schon 1999 war die Familie drauf und dran gewesen, ihren damals noch konventionell bewirtschafteten Milchviehbetrieb in Bad König aufzugeben und nach Kanada auszuwandern. "Die Abhängigkeit der Bauern, die immer stärker industrialisierte Landwirtschaft – da wollte ich raus", erzählt der 54-Jährige. Doch das Projekt Auswanderung scheiterte und die Trumpfhellers spezialisierten sich fortan auf die Zucht des fränkischen Gelbviehs, eines seltenen Zweinutzungsrindes für Fleischerzeugung und Milchproduktion. In dieser Zeit stellte die Familie ihren Betrieb auf Bio um und trat dem Biokreis-Verband bei. Doch das Geschäft war irgendwann nicht mehr einträglich. Kurz davor, auf konventionelle Landwirtschaft rückumzustellen, fuhren die Trumpfhellers in den Urlaub.

Wieder zu Hause im Odenwald, reifte in Hans Trumpfheller die Idee, seinem Hof eine neue Ausrichtung zu geben. Und so fiel im Frühjahr 2014 die Entscheidung: für die Neugestaltung des Hofes als Bio-Ziegenmilchbetrieb inklusive Käserei. Der Umbau des Kuhstalls, in dem nun 200 Ziegen leben, wurde kürzlich abgeschlossen – unter anderem mithilfe der Förderung im Rahmen der Alnatura Bio-Bauern-Initiative. Neu ist auch die Kooperation mit der gemeinnützigen Integra GmbH in Erbach im Odenwald: Zwölf Menschen mit Behinderung haben jetzt einen Arbeitsplatz auf dem Hof. In der nagelneuen Käserei übt seit Kurzem eine erfahrene Käserin ihr Handwerk aus. Zukünftig sollen täglich 500 bis 600 Liter Milch zu Käse zu verarbeitet werden. "Zunächst ist eine ­kleine Palette geplant: Frischkäse, Feta und Camembert. Später können auch Hartkäse dazukommen", freut sich Trumpfheller. "Jetzt heißt es Daumen drücken, dass unsere Ziegen gut Milch geben und dass wir ausreichend Vermarktungsmöglichkeiten für unseren Bio-Ziegenkäse finden."