Stuwa – Eine leuchtende Idee

Hersteller von Kerzen in Bio-Qualität sind rar gesät. Doch wir fanden sie bei Stuwa in der Stadt der 1.000 Feuer.

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Diesen Beinamen hat Gelsenkirchen aufgrund der vielen Fackeln, mit denen Kokereien das überschüssige Koksofengas entsorgten. In dieser Stadt im "Kohlenpott" hat das Familienunternehmen Stuwa schon seit 1920 seinen Sitz. Der Name Stuwa ist eine Abkürzung aus Stukenbrock Wachswaren – und weder an Stukenbrock noch an Wachswaren hat sich seit der Zeit etwas geändert, denn das Unternehmen stellt nun in der vierten Generation Kerzen her. Heute leitet Hans Stukenbrock mit seinem Sohn Christopher Stukenbrock das Unternehmen. Sie sind ein eingespieltes Team.

Seine Wurzeln hat das Unternehmen in der Herstellung von Kirchenkerzen, noch heute werden die umliegenden Kirchen mit Kerzen von Stuwa beliefert. Aber die Stukenbrocks pflegen nicht nur Traditionen, sie setzen auch innovative Impulse. So hat Hans Stukenbrock unter anderem den Kerzensand erfunden und er war der erste, der durchgefärbte Kerzen anbot.

Erzeugerreportage Stuwa

2009 begann das Unternehmen, Bio-Kerzen herzustellen – zunächst Bio-Massagekerzen. Sie bestehen aus Kokosöl, Aloe vera, reinem Bienenwachs und natürlichen Düften. Zuerst schaffen die Kerzen mit dem dezenten Duft eine angenehme Atmosphäre, dann können sie wie ein Massageöl benutzt werden. Sobald die Kerze flüssig ist, kann die Wachs-Öl-Mischung in die Haut einmassiert werden. Vorher sollte man die Flamme natürlich auspusten. Die Mischung ist dann körperwarm und die Konsistenz einem Massageöl nicht unähnlich. Bei der Naturkosmetik-Messe Vivaness wurde die Massagekerze dieses Jahr mit dem Publikumspreis für das beste Wellnessprodukt ausgezeichnet. Die Form mit dem kleinen Ausgießer wird individuell für Stuwa hergestellt. Praktisch: Nach der Verwendung kann man die kleine Dose gut weiterverwenden.

Erzeugerreportage Stuwa

Zertifiziert sind die Massagekerzen nach dem deutschen BDIH- und dem neuen europäischen Cosmos-Organic-Zertifikat. Mindestens 95 Prozent der pflanzlichen Zutaten müssen aus kontrolliert biologischem Anbau sein. Im gesamten Produktionsprozess muss alles dokumentiert und zurückzuverfolgen sein. Kontrollen gibt es einmal jährlich.

Erzeugerreportage Stuwa

Auf die Massagekerzen folgten die Bio-Kerzen aus Raps. Und warum aus Raps? Soja hat die Stukenbrocks als möglichen Rohstoff für Bio-Kerzen nicht überzeugt, außerdem: "Bei Raps können wir garantieren, dass das rein europäische Ware ist. Allerdings ist es kein einfacher Rohstoff – Temperatur, Gießgeschwindigkeit, Formen. Da braucht man Leute, die wissen, was zu tun ist", so Hans Stukenbrock. Zu diesen Leuten gehört Lucia Klattig. Die Bedeutung ihres Vornamens, "die Lichtbringerin" oder auch "Göttin des Lichts", verspricht nicht zu viel: Klattig weiß alles über die Rapskerzen. "Die Gießtemperatur muss haargenau stimmen, sonst wird die Oberfläche unansehnlich und der Ausschuss ist sehr hoch. Das Rapswachs für die gefüllten Tontöpfchen wird in Platten angeliefert, das für die frei gegossenen Kerzen in Pulverform. Zuerst wird es in großen Behältern erhitzt. Das geschmolzene Wachs muss dann exakt die gewünschte Temperatur haben. Die Formen für die Kerzen müssen vor dem Gießen erwärmt werden, damit die Oberfläche später glatt ist. Dann wird das Wachs in die Formen gegossen. In den Formen ist der ungebleichte Docht angebracht, haargenau in der Mitte. Was beim Einfüllen des Wachses oben ist, ist später unten. Wenn das Wachs getrocknet ist, wird der Docht abgeschnitten. Es dauert circa zwei Stunden, bis man die Kerze entformen kann. Die Form lässt sich dann ganz einfach lösen, sobald das Wachs ausgekühlt ist", so Klattig über die Produktion von Rapskerzen. Hier wird alles in Handarbeit gemacht – und dafür braucht man ein gutes Augenmaß und eine ruhige Hand.

Die Produktentwicklung hat viel Zeit in Anspruch genommen. "Man versucht etwas, dann klappt es nicht – und dann darf man nicht aufgeben. Es reicht einfach nicht zu sagen: ›Jetzt machen wir eine Kerze.‹ Selbst die Form und Größe muss mit Bedacht ausgewählt werden", so Stukenbrock über die Entstehung der Rapskerze. Die aufwendige Herstellung und das erforderliche Qualitätsmanagement schrecken  nach wie vor ab, Stuwa sind die einzigen Hersteller von Rapskerzen. Es gibt sie als Stumpenkerzen, in Tontöpfchen gegossen und als nachfüllbare Teelichte (genauer: Rapslichte). Viele Wege also, die zu einer gemütlichen und stimmungsvollen Atmosphäre führen. Gerade an dunklen November-Abenden.

Kleine Kerzenkunde

Erzeugerreportage Stuwa

Paraffin-Kerzen, bei konventionellen Kerzen die Regel, sind ein Erdölprodukt. Beim Abbrennen produzieren sie eine Reihe bedenklicher Stoffe, darunter Benzol und Toluol. Forscher warnten auf der Jahrestagung der American Chemical Society in Washington 2009 vor möglichen Schäden, die bei sehr häufigem Gebrauch von Paraffin-Kerzen in geschlossenen Räumen entstehen könnten.
Stearin-Kerzen sind biologisch abbaubar. Für ihren Rohstoff Palmöl werden allerdings große Flächen tropischen Regenwalds gerodet. Bio-Stearin-Kerzen werden aus nachhaltig angebautem Palmöl hergestellt.
Bienenwachs-Kerzen sind ein nicht-veganes Naturprodukt. 1 kg Wachs entspricht der Jahresproduktion eines Bienenvolkes und ist daher eine hochpreisige Ware.
Bio-Rapskerzen werden aus ökologisch angebautem europäischem Raps hergestellt und sind ein veganes und reines Naturprodukt.

››› Gabriele Storm

Kurz gefasst

  • Hersteller von Bio-Rapskerzen und Bio-Massagekerzen
  • Gründung 1920
  • Bio-Sortiment seit 2009
  • Standort Gelsenkirchen
  • Mitarbeiter 30