01.08.2018

Mount Hagen Bio-Kaffee

Ein Paradiesvogel auf der Packung – das verheißt einen besonderen Bio-Kaffee. Wir wollten wissen, wo die Exotik von Mount Hagen-Kaffee ihren Ursprung hat, und sind dafür nach Hamburg gefahren.

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Natürlich wird dieser Kaffee in Hamburg geröstet und natürlich liegt das Firmengebäude direkt am Wasser. Hamburg ist nun mal die Hauptstadt des Kaffees, nirgends wird mehr Kaffee umgeschlagen als in der Elbmetropole. Hier begann vor 300 Jahren der Siegeszug des beliebtesten Getränks der Deutschen mit der ersten Schankwirtschaft für Kaffee und Tee. Seitdem prägen auch Röstereien und der Duft von Kaffee die Hansestadt.
 
Apropos Duft und Geschmack: Ob ich denn eine Zitrusnote oder doch eher Schokoladenansätze bevorzuge? Karsten Suhr, Chef der Kaffeemarke Mount Hagen, holt mich mit seiner Frage wieder in die Gegenwart und die Zentrale der Wertform GmbH zurück. Für den Kaffeeprofi Suhr ist das eine Alltagsfrage, für mich, den genießenden Kaffeenormalmenschen, eher eine Überforderung. Also lenke ich kommentierend ab, dass mich seine Frage an eine Weindegustation erinnere. Damit habe ich wohl etwas Treffendes gesagt, denn jetzt ist Karsten Suhr ganz in seinem Element. Ich erfahre, dass es bei hochwertigem Kaffee wie bei einem guten Wein auf die Lage, den Boden, das Klima, den Anbau, die Verarbeitung und Lagerung ankommt, und selbstverständlich auch auf die Röstung und das Wasser. Erst dann, wenn alle Faktoren perfekt aufeinander abgestimmt sind, kann Kaffee seinen vollen Charakter entfalten.
 
Je nach Sorte bestimmen zwischen 800 und 1000 Aromastoffe, doppelt so viele wie bei Wein, ob der aufgebrühte Kaffee – bitte nie mit kochendem Wasser! – nussig, fruchtig, würzig oder eben im Ansatz zitronig schmeckt.

Und was hat das alles mit dem Paradiesvogel zu tun?
Dieser seltene, prachtvoll geschmückte Vogel ziert jede Mount Hagen-Packung und lebt, so erzählt Karsten Suhr, in den Regenwäldern Papua-Neuguineas. Ein Teil der zweitgrößten Insel der Welt, sie liegt nördlich von Australien, war bis vor hundert Jahren eine deutsche Kolonie. Von den damaligen Einflüssen zeugt noch der Name der Provinzhauptstadt. Mount Hagen liegt in einem Kaffeewunderland. Zwar lassen die steilen Hänge des bergigen Umfelds meist nur kleine Plantagen zu, ideal sind jedoch die anderen Bedingungen: mineralreiche Vulkanböden, Schatten spendende Bäume, konstante, milde Temperaturen und genügend Niederschläge. Schon früh galt deshalb das Hochland von Papua-Neuguinea als Geheimtipp für Arabica-Kaffee.

Und so reifte bei den Bio-Pionieren von Wertform eine Idee. Sie wollten Demeter-Kaffee auf der Paradiesvogel-Insel anbauen und in Deutschland vermarkten. In Joachim Bauck, Demeter-Urgestein und selbst Bio-Unternehmer, fanden sie einen wichtigen Unterstützer. 1990 schließlich schickte Bauck seinen Anbauberater Raimund Remer ins wilde Papua-Neuguinea. "Wild" ist wörtlich zu nehmen. Wegen der Landschaft, vor allem jedoch wegen der teils existenziellen Konflikte zwischen den dort lebenden Stämmen. Nach anfänglichen Erfolgen dann der doppelte Tiefschlag: Erst wurde das Leben von Remer und seiner Frau bedroht, dann verlor auch noch die Farm die Demeter-Zertifizierung. Demeter verlangt im Sinne des Kreislaufgedankens die Haltung von Rindern, doch wie sollten die Bauern auf so steilem Gelände Kühe weiden lassen? Raimund Remer und seine Frau mussten die Insel verlassen.

Nur vier Jahre währte das biodynamische Kaffeeabenteuer, doch die Marke Mount Hagen war geboren. "Heute sind wir wieder zurück auf Papua-Neuguinea", freut sich Karsten Suhr, "mit Naturland und Fairtrade zertifizierten Arabicas."

Und das ursprüngliche Ziel eines Demeter ­Kaffees?
Das hat Dagoberto Marin auf der anderen Seite des Pazifiks im peruanischen Hochland ermöglicht. Der Landwirt baut seit 2005 biodynamischen Kaffee an. Dessen Qualität und Geschmack hat die Fachleute von Mount Hagen – sie kennen alle guten Kaffeeregionen dieser Welt – von Beginn an überzeugt. Seitdem ist Karsten Suhr viele Male auf der Demeter-Farm gewesen. Längst ist Mount Hagen der wichtigste Abnehmer dieses Kaffees und darüber hinaus auch Förderer der Farm. 

Zum Abschied aus Hamburg erhalte ich zwei Packungen, eine mit Papua-Neuguinea- und eine mit Peru-Kaffee. "Nehmen Sie sich Zeit und Muße zum Probieren", empfiehlt Suhr. Und tatsächlich, bei der heimischen Verköstigung des schwarzen Kaffees schmecke ich sie, die Aromen. Die Haselnuss- und Schokonote des Demeter-Kaffees hat es mir angetan. Dazu der Duft frisch gemahlener und aufgebrühter Kaffeebohnen – willkommen im Kaffeewunderland.

››› Volker Laengenfelder

Handfiltern?

Erzeugerreportage Mount Hagen Bio-Kaffee

Tipps vom Kaffeeprofi Karsten Suhr
Beim Handfiltern entfalten sich die Aromen optimal, es lösen sich weniger Bitterstoffe als bei anderen Zubereitungsarten. Unnachahmlich: der Kaffeeduft, der beim Handfiltern durch die Räume zieht!

  • Filter mit heißem Wasser durchspülen, damit er seinen Papiergeschmack verliert.
  • Bohnen frisch mahlen. Empfehlung: 60 g Bohnen je Liter.
  • Mit heißem Wasser (92–94 °C) übergießen. Nicht kochend, das zerstört die Aromen.
  • Mit kreisenden Bewegungen aufgießen, am besten mit einer Kanne mit dünnem Schwanenhals.
  • Für Fortgeschrittene: Die optimale Aufgusszeit beträgt 2 min 30 sec. Wirklich! Probieren Sie den Unterschied aus.