Die Früchte des Bio-Landbaus

Vom Anbau bis zum fertigen Produkt – alles aus einer Hand. Alnatura besuchte den Bio-Früchte- und -Nüsse-Spezialisten Morgenland.

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Eine Zugfahrkarte nach Deutschland und 100 Deutsche Mark – das war der Einsatz des 18-jährigen Orhan Yilmaz. Ein Einsatz, der im wahrsten Sinne des Wortes Früchte trug: mit der Gründung von Morgenland. Jedoch mussten diese Früchte erst langsam reifen. Yilmaz kam 1978 nach Deutschland, um Chemie zu studieren. Während des Studiums führte er gemeinsam mit einem Partner den Bio-Laden "Sonnenblume".  Als dann sein Vater, begeistert vom Geschäft seines Sohnes, einen Lkw mit einer sehr großzügigen Ladung Bio-Trockenfrüchte schickte, die problemlos für zehn Bio-Läden gereicht hätten, war der Weg zum Großhandel geebnet. 1984, vor über 30 Jahren, wurde Morgenland gegründet.

Kees Maris, Projektleiter Einkauf, kommt ursprünglich aus der niederländischen Landwirtschaft. Bereits mit 15 Jahren hinterfragte er kritisch den Einsatz chemischer Düngungs- und Schädlingsbekämpfungsmittel. Im Alter von 22 Jahren forderte er als Vorsitzender des Landwirtschaftsverbandes die Besteuerung von Chemie-Einsatz in der Landwirtschaft. Ein unerhörter Vorschlag und eine kühne Zukunftsvision. Unbeirrt von den verständnislosen, ablehnenden Reaktionen seiner Kollegen und überzeugt von der Notwendigkeit einer umweltschonenden Landwirtschaft wandelte er den elterlichen Hof in einen Bio-Hof um. Bis er Morgenland-Geschäftsführer Yilmaz kennenlernte, arbeitete Maris außerdem als Bio-Kontrolleur bei SKAL, der Stiftung kontrolliert alternativer Landbau (heute: Control Union Certifications) in den Ländern Paraguay, Brasilien, Frankreich und Türkei. Und bei einer Türkeireise kam es schließlich zu der folgenreichen Begegnung zwischen Kees Maris und Orhan Yilmaz. Das ist über 20 Jahre her. Seitdem bringen sie mit Morgenland eine große Auswahl an Bio-Früchten, getrocknet und im Glas, Bio-Nüssen sowie Kokoswasser aus Sri Lanka, Burkina Faso, der Inneren Mongolei und der Türkei in deutsche Regale.

Besonders wichtig ist ihnen die Qualität ihrer Produkte, ebenso wie deren umweltschonende Herstellung, die sie durch Transparenz und strenge Richtlinien des internen Kontrollsystems gewährleisten. Vom Anbau bis zum fertigen Produkt liegt alles in einer Hand, in der von Morgenland. Die Rohstoffe werden direkt vom Bauern gekauft und in eigenen Betrieben vor Ort verarbeitet. In Oyten, dem Unternehmenssitz von Morgenland in Niedersachsen, finden Qualitätstests wie zum Beispiel eine sensorische und optische Prüfung statt und in einem externen Labor werden weitere Tests durchgeführt. Abschließend werden die Produkte abgefüllt und etikettiert. Maris und Yilmaz arbeiten eng mit den Erzeugern in eigens aufgebauten Morgenland-Projekten zusammen. Jeden Tag wird mit den Partnern der Anbaugebiete telefoniert, drei- bis viermal im Jahr sind Maris und Yilmaz vor Ort. Die Bauern und Produktionsmitarbeiter produzieren exklusiv für Morgenland und natürlich nach den Richtlinien des Bio-Landbaus. Alle Produkte sind nach der EU-Bio-Verordnung zertifiziert.

Yilmaz und Maris legen besonderen Wert auf Vertrauen, Respekt und Fairness. Das bedeutet neben einem regen Austausch auch Weiterbildung, fachliche Unterstützung durch Agraringenieure und eine Bezahlung, die 15 bis 20 Prozent über den konventionellen Marktpreisen liegt. Ziel ist es, gemeinsam den Bio-Landbau voranzutreiben und ihn mit einer langfristigen Planung für die nächste Generation attraktiv zu gestalten. "Fair Trade", so Maris, "ist eine Notwendigkeit." Das Fair-Trade-Siegel findet sich jedoch nicht auf den Morgenland-Produkten. Mit der Lizenzgebühr für das Siegel müssten die Preise für die Produkte angehoben und die Mehrkosten an die Verbraucher weitergegeben werden. Morgenland informiert stattdessen selbst über seine Projekte.

Das erste Morgenland-Projekt entstand in der Türkei: Morgenland importierte von hier die ersten Bio-Feigen nach Deutschland. Später folgten Äpfel und Aprikosen. Das Morgenland-Projekt Sri Lanka wurde 1993 gegründet. Aus Sri Lanka stammen vor allem Kokosnüsse und Ananas. Die aromatische Süße der Ananas war auch ausschlaggebend für die Gründung des Projekts dort, denn als Yilmaz eine Frucht kostete, war er tief beeindruckt von ihrem intensiven Aroma. Cashewkerne und Mangos kommen aus dem Morgenland-Projekt Burkina Faso. Anbau- und Produktionsbedingungen sind aufgrund der Infrastruktur und Logistik hierbei nicht immer einfach. Das neueste Projekt wurde vor drei Jahren ins Leben gerufen. Es befindet sich in der Inneren Mongolei: Hier lernten Yilmaz und Maris Herrn Wang kennen, einen Bio-Bauern, der Gojibeeren anbaut. Die Ernte dieser Früchte ist sehr aufwendig und Bio-Landbau in China noch nicht sehr verbreitet. Herr Wang teilt Yilmaz’ und Maris’ Pioniergeist und Ideale, sie sind überzeugt vom Bio-Landbau. Und natürlich vom Genuss köstlicher Früchte.

Kurz gefasst

  • Gegründet 1984 von Orhan Yilmaz
  • Unternehmenssitz Oyten in Niedersachsen
  • Mitarbeiter 35
  • Produktion 4  Morgenland Projekte in Sri Lanka, Burkina Faso, der Türkei und der Inneren Mongolei produzieren u. a. Ananas, Papaya, Kokosnuss, Paranuss und Gojibeeren. In den Projekten arbeiten insgesamt über 650 Menschen, 6.500 Hektar Land werden bewirtschaftet mit einem jährlichen Ertrag von etwa 200 Containern Bio-Früchten und -Nüssen.
  • Auszeichnungen 2014 erhielt das Unternehmen in Sri Lanka den Best Enterprise Award.