Lavera – Von der Vermählung der Pflanzen

Zu Gast bei Lavera – der Marke des größten deutschen Herstellers für Naturkosmetik: Laverana

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Die Geschichte von Lavera hat etwas von einem modernen Märchen: Thomas Haase litt in seiner Jugend unter einer Hauterkrankung, gegen die kein Kraut gewachsen schien – heute weiß man, dass es sich um Neurodermitis handelte. Wirksame Pflegeprodukte hierfür? Um das Jahr 1970 herum noch Fehlanzeige. Haase – eigentlich angehender Industriedesigner – wälzte Bücher und Fachliteratur, rührte natürliche Wachse, Öle und Pflanzenauszüge zusammen, experimentierte und probierte. Leidensdruck und Forschergeist führten ihn schließlich zum Erfolg: ein erster beschwerdefreier Urlaub. Im Gepäck nach Dänemark hatte er unter anderem seinen selbst kreierten Lippenbalsam, um sich an der rauen See vor rissiger Haut zu schützen. Der Autodidakt rührte und probierte nach seiner Rückkehr weiter und entwickelte immer mehr Pflegeprodukte, die seinem Anspruch nach Natürlichkeit und Wirksamkeit gerecht wurden. Dass diese auch anderen Menschen zugänglich sein sollten, stand außer Frage und so kam es 1987 zur Gründung der Firma Laverana mit der Marke Lavera – "die Wahre". Kurz darauf suchte Thomas Haase die Unterstützung einer weiteren Pionierin in Sachen Naturkosmetik. Klara Ahlers hatte schon als Jugendliche ihre Schwestern mit selbst angerührten Gesichtsmasken versorgt und als junge Frau in Göttingen das erste Naturkosmetikfachgeschäft weltweit gegründet.

"Damals durfte Naturkosmetik noch wehtun", lacht Klara Ahlers. "Es wurde in Kauf genommen, dass Cremes langsamer einzogen, seltsam beige aussahen oder eine merkwürdige Konsistenz hatten. Heute sind die Erwartungen der Kunden ganz anders." Diese Erwartungen orientieren sich an konventionellen Pflege- und Kosmetikprodukten. Naturkosmetik soll sich genauso anfühlen, genauso aussehen und genauso wirksam und haltbar sein. Keine leichte Aufgabe. Denn ihr stehen nicht annähernd so viele Inhaltsstoffe und "Tricks" zur Verfügung wie den konventionellen Verwandten. Gerade die Haltbarkeit stellt hohe Anforderungen an die Rezepturen. Thomas Haase gibt einen Eindruck von der Komplexität, die in den vielen Tiegeln und Tuben auf seinem Besprechungstisch steckt. "Die Frage an unsere Rezepturen lautet immer: Welche Zutaten möchten sich mit welchen verheiraten? Das Ergebnis sind je nach Produkt rund 25 bis 35 unterschiedliche Inhaltsstoffe, die ein ausgetüfteltes Zusammenspiel bilden. Nicht einmal ein einziger Duftstoff kann ohne Weiteres durch einen anderen ersetzt werden." Damit wäre die ganze Hochzeit in Gefahr, um in Haases Bild zu bleiben. Um stets auf Nummer sicher zu gehen, steckt er seit den Anfängen viel Arbeit in die Entwicklung von eigenen natürlichen Inhaltsstoffen. "Das macht Lavera aus: Wir verwenden in unseren Produkten nicht nur die üblichen Pflegezutaten wie Aloe vera oder Sheabutter. Zusätzlich stellen wir aus dem, was die Natur hervorbringt, eigene Wirkstoffe her. Eine absolute Besonderheit."

Mittlerweile sind es über 200 dieser Eigenentwicklungen, die zusammen mit konzentrierten Naturwirkstoffen, etwa Liposomen oder Coenzym Q10, und Pflegeklassikern zu unterschiedlichsten Pflegeprodukten verbunden werden können. Damit diese Verbindung so beständig wie möglich ist, müssen ergänzend zur Rezeptur noch zwei weitere Faktoren fein abgestimmt werden, so Haase: "Neben den Inhaltsstoffen sind es die besonderen Herstellungsverfahren und die Beschaffenheit der Verpackung – aus diesen drei Komponenten ergibt sich unser natürliches Konservierungs-System".

Das klingt nun nicht mehr nach Naturkosmetik, die "weh­tut", sondern nach einer, die längst bei den Ansprüchen der Gegenwart angekommen ist. "Mein Ziel war es immer, Naturkosmetik zu entstauben", bestätigt Klara Ahlers, "und das ohne Kompromisse." Dazu gehörte auch, Produkte in die Naturkosmetik-Welt hineinzubringen, die es hier zuvor nicht gab – Haases Lippenpflegestift war erst der Anfang einer langen Geschichte von Erfindungen. Es folgten unter anderem ein mineralischer Lichtschutz, Selbstbräuner, Rouge und Lippenstift und – nach einer Entwicklungszeit von fünf Jahren – die erste Wimperntusche. Nicht zuletzt daran wird die Ausrichtung an den Bedürfnissen der Kundinnen und Kunden deutlich, die heute von Naturkosmetik ein umfassendes Pflege- und Schönheitsprogramm erwarten.

"Auf der Suche nach der perfekten natürlichen Schönheitspflege" wäre wohl ein passender Titel sowohl für die Geschichte von Lavera selbst als auch für die der vielen Menschen, die sich aus ganz unterschiedlichen Gründen für Naturkosmetik entscheiden. Schließlich ändern sich die Bedürfnisse mit dem Alter, unter verschiedenen Lebensumständen oder auch durch den Wechsel von Prioritäten.

Eine der Prioritäten kann beispielsweise das Tierwohl sein, sodass tierische Bestandteile nicht nur aus der eigenen Küche verbannt werden, sondern auch aus dem Badezimmer. In diesem Fall kommt ein Großteil der erhältlichen Pflege- und Kosmetikprodukte gar nicht erst infrage. So wird das in Cremes weitverbreitete Lanolin (Wollfett) aus Schafwolle gewonnen. Bei Lavera, wo das Respektieren von Mensch, Natur und Tierwelt gelebte Selbstverständlichkeit ist, wurde eine entsprechende pflanzliche Eigenkomposition entwickelt: "Tierische Inhaltsstoffe ersetzen wir möglichst durch pflanzliche Alternativen", erzählt Klara ­Ahlers. "Immerhin sind mittlerweile rund 90 Prozent der Lavera-Produkte vegan!" Darunter ist auch die straffende Pflegeserie, die als klassischen Feuchtigkeitsbinder pflanzliche Hyaluronsäure enthält – ursprünglich aus Hahnenkämmen gewonnen.

Die Hauptdarsteller bei dieser Pflegeserie, von Lavera Wirkpflanzen genannt, sind allerdings die Karanjapflanze und der weiße Tee. Aus den Samen der brasilianischen Karanjapflanze wird ein leichtes Öl gewonnen, aus den weißen Teepflanzen zunächst ein Pflanzenextrakt, der wiederum nach eigenem Verfahren zu einem Bio-Pflanzenfluid weiterverarbeitet wird. Der Anbau der Teepflanzen erfolgt in Indien nach biodynamischen Prinzipien (Demeter). Von hier aus wird der Tee fair gehandelt bis hin zu seiner Weiterverarbeitung in Niedersachsen. Dort werden ausnahmslos alle Lavera-Produkte hergestellt und abgefüllt.

Im Firmensitz nahe Hannover entwickelt Thomas Haase seine Produktwelt weiter, fasst selbst in die Tiegel, aber auch die Lavera-Mitarbeiter testen eifrig mit und schätzen besonders die sanften Düfte. Hierfür ist bei Lavera die hauseigene Parfümeurin Christine Maria Harmatiuk zuständig. Eine Arbeit, die viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl erfordert. Um sie herum stehen Fläschchen mit erfrischenden Zitrus­noten, krautigen Noten aus Basilikum und Minze oder würzigen wie Vanille. "In der Naturkosmetik stehen uns nur wenige Duftstoffe zur Verfügung. Es ist viel komplizierter, daraus eine Harmonie zu erzeugen, als es die mit über 1.000 Düften ausgestattete Duftorgel bei der konventionellen Kosmetik vermag." Das große Plus der natürlichen Duftkompositionen von Christine Maria Harmatiuk: "Hiermit sind die Produkte in der Regel sehr gut verträglich." ­Neben der Natürlichkeit und Wirksamkeit das große Hauptanliegen Thomas Haases, mit dem in den Siebzigern alles ­seinen Ausgang nahm.

Übrigens: Den Lippenbalsam vom Anfang der Geschichte gibt es noch immer. Er wird in diesem Jahr 40 Jahre alt und tritt auch weiterhin Reisen nach Dänemark an – und in die zahlreichen anderen Länder auf der ganzen Welt, in denen Lavera-Produkte erhältlich sind.

››› Susanne Salzgeber

Kurz gefasst

  • Gegründet 1987 von Thomas Haase in der Nähe von Hannover. Einführung der Marke Lavera. Seit 1990 ergänzt Klara Ahlers die Geschäftsführung
  • Mitarbeiter Rund 360
  • Sortiment Rund 350 Naturkosmetik-Produkte der Marke Lavera von der Basis-Pflege über Körper-, Gesichts- und Haarpflege bis hin zu dekorativer Kosmetik
  • Herstellung Laverana stellt das gesamte Sortiment selbst her – 100 % made in Germany
  • Zertifizierungen Alle Produkte sind NATRUE-zertifiziert, 90 % tragen das Vegan-Siegel