Erdmannhauser

"Nur" auf Gentechnik zu verzichten, reicht Karl Huober nicht. Bei Erdmannhauser ist man von der besonderen Kraft von Pflanzen überzeugt und setzt zu hundert Prozent auf biologisch-dynamischen Anbau.

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Auf dem Grünland neben dem Firmensitz von Erdmannhauser ist Karl Huober schon als Kind umhergestreift. "In den Wiesen und Büschen dort tummelte sich viel kleines Getier. Die besten Voraussetzungen, um "heiteres Raupenraten" zu spielen." Heute setzt der Geschäftsführer alles daran, diese Artenvielfalt in seinem Heimatort zu bewahren – und nicht nur dort. Statt die Wiesen einer fortschreitenden Flächenversiegelung zum Opfer fallen zu lassen, wurde kurzerhand ein Getreideschaugarten angelegt. Gemeinsam mit Kindern aus dem Ort säte man im Projekt "Zukunft säen" eine Vielzahl von alten sowie biologisch-dynamisch gezüchteten Sorten, die sich nun mit ihren ganz unterschiedlichen Farbtönen, Größen und Ährenformen in die schöne schwäbische Landschaft einfügen. Gleich daneben verströmen die Blüten der "Lichtwurzel" Dioscorea batata einen betörenden Vanilleduft.

Bei Erdmannhauser ist man von der besonderen Kraft von Pflanzen überzeugt und setzt zu hundert Prozent auf biologisch-dynamischen Anbau. "Nur" auf Gentechnik zu verzichten, reicht Karl Huober nicht – auch wenn aus diesem wesentlichen Grundsatz des ökologischen Landbaus heraus einiges ins Rollen kam bei Erdmannhauser:

Ende der 1990er-Jahre, Karl Huober hatte seine Produktion bereits komplett auf Bio umgestellt, kamen an der südhessischen Bergstraße bei einem Treffen zum Thema Gentechnik verschiedene Bio-Pioniere zusammen. Ein Ergebnis dieser inspirierenden Zusammenkunft: die Saatgut-Kampagne, mit deren Hilfe fortan die unabhängige biologisch-dynamische Getreidesaatgut-Züchtung gefördert werden sollte. Dazu gehört sicherlich ein gewaltiges Stück Idealismus, wenn man die politische und finanzielle Macht der großen Agrarkonzerne bedenkt, die kontinuierlich nicht vermehrungsfähiges Saatgut "kreieren".

Dies bringt Bauern auf der ganzen Welt in Bedrängnis – und hat inzwischen schon zu einem eklatanten Verlust an ökololischer Vielfalt geführt. Aus Verkaufserlösen von Erdmannhauser-Produkten flossen in den vergangenen Jahren stetig Anteile in die Saatgut-Kampagne, woraus wiederum die Züchter von ökologischem Saatgut und entsprechende Anbauprojekte unterstützt werden. Eine fruchtbare Kampagne: Neue Getreidesorten aus den geförderten Projekten werden mittlerweile in den Backwaren und Getreideaufschlussprodukten, zum Beispiel Bulgur oder in der Kindernahrung TAU und beim Tsampa aus Nacktgerste, eingesetzt – so schließt sich der Kreis.