Weißenhorner Milch Manufaktur

Ich muss Sie vorwarnen – dieser Artikel kann gar nicht objektiv werden. In meinem Kühlschrank stapelt sich ein ordentlicher Vorrat an Paprika FrischeCreme der Weißenhorner Milch Manufaktur, ein Frühstück ohne diesen sagenhaften Brotaufstrich wäre für mich undenkbar.

Bio-Molkerei Weißenhorner Milch Manufaktur

Und erst das Tiramisu – mein Geheimtipp für den perfekten Start in den Feierabend: erst den extra abgepackten Kakao drüberstreuen und dann Löffel für Löffel genießen. Sehen Sie, da geht es auch schon los mit der Schwärmerei. Nichtsdestotrotz, meine Erlebnisse beim Besuch in der kleinen schwäbischen Bio-Molkerei möchte ich Ihnen nicht vorenthalten.

Milch Manufaktur – das klingt handwerklich, traditionell. Und das ist es auch. Bereits die erste Station unseres Rundgangs, das "Labor", zeigt uns: Hier wird mit Hochdruck echtes Molkereihandwerk betrieben. Die drei Mitarbeiterinnen der Produktentwicklung rühren Frischecremes an, schneiden Gemüse klein, schlagen Sahne auf – und zaubern daraus Verkostungsmuster für mögliche neue Produkte oder zur Verfeinerung bestehender Kreationen. Und nebenher verkostet und beprobt ein Team aus Qualitätsmanagement, Vertrieb und Produktion frisch aus der Abfüllung abgezwackte Produkte. "Nur wenn wir das Okay von hier bekommen, liefern wir auch aus", erklärt Produktionsleiter Werner Rist.

Bio-Molkerei Weißenhorner Milch Manufaktur

In den Produktionshallen finden wir Kessel, in denen Toskana FrischeCreme zubereitet wird, ein Mitarbeiter rührt gerade Kräuter ein. Frischer Bioland-Rahm ist die Basis der FrischeCremes. Die Zubereitung klingt einfach: Der Rahm wird mit Milchsäurebakterien angesäuert und cremig gerührt, dazu etwas Maisstärke und Johannisbrotkernmehl zum Binden und zum Schluss die geschmacksgebenden, meist frischen Zutaten: Paprika, Tomaten, Oliven und Salz. Dann noch erhitzen – zwecks Haltbarmachung –, abfüllen und abkühlen lassen.

Bio-Molkerei Weißenhorner Milch Manufaktur

So trivial das scheint, dahinter steckt jede Menge Arbeit: "Vor allem viel try and error, bis man die ideale Rezeptur gefunden hat", berichtet Werner Rist über den Weg zu dem ambitionierten Ziel, das Sortiment stetig zu erweitern. Besonders genau schauen die Weißenhorner dabei auf die Zutaten. Sie probieren zum Beispiel Paprika von verschiedenen Erzeugern aus sowie unterschiedliche Zubereitungsarten – gegrillte, rohe, eingelegte Paprika. Und am Ende ist immer entscheidend: Was schmeckt am besten?

Bio-Molkerei Weißenhorner Milch Manufaktur

An der geschmacklichen Urteilsfällung sind alle Molkereimitarbeiter beteiligt. Das knapp 60-köpfige Team um Geschäftsführer Gerhard Jerg ist bestens geschult in Sachen Sensorik und probiert sich in den täglich stattfindenden Verkostungen durch sämtliche Ideen, die in der Produktentwicklung ausgebrütet werden. »Wer unsere Produkte isst, soll sie genießen«, sagt Vertriebs- und Marketingleiterin Carina Wanner. "… und nicht die Kalorien zählen", fügt sie lachend hinzu. Dieses Genussmoment wird bei der Weißenhorner Milch Manufaktur durch und durch gelebt. Die Freude und Identifikation mit dem, was sie herstellen, ist allen Mitarbeitern anzumerken.

Bio-Molkerei Weißenhorner Milch Manufaktur

Vermutlich ist es auch diese Begeisterung, die man in Frische- Cremes, Kräuterbutter und Co. erschmecken kann und die sie so … vorsicht, Schwärmerei … unglaublich köstlich machen. Etwa die Mousse au Chocolat blanc, die wir unmittelbar nach der Abfüllung probieren. "Oscar Wilde hat mal gesagt, der einzige Weg, eine Versuchung loszuwerden, sei, ihr nachzugeben. Ich kann ihm da nur zustimmen. Wenn wir etwas richtig Leckeres wirklich genießen, hilft uns das, viel bewusster mit unserer Nahrung umzugehen", fasst Carina Wanner das in Worte, was ich gerade schmecke. Frau Wanner, Sie und Oscar Wilde haben ja so recht!

Bio-Molkerei Weißenhorner Milch Manufaktur

Zurück auf den Boden der Tatsachen: Wir finden uns wieder auf einer Weide unweit der Molkerei. Zusammen mit einer Herde Allgäuer Braunvieh, die uns in ihrer Zutraulichkeit beinahe über den Haufen rennt. Geschäftsführerin Monika Jerg ist auf ihrer jährlichen Tour zu den 42 Bioland- Partnerhöfen, die alle in einem Umkreis von 150 Kilometern rund um Weißenhorn zu finden sind. An diesem Tag schaut sie bei Stefan Abler in Dettingen an der Iller vorbei. Sie bringt das neue und gemeinsam von der Molkerei und den Landwirten ausgewählte Partnerschild für den Hof mit, das sie bei dieser Gelegenheit an den neuen Besitzer übergibt.

"Die Landwirte miteinzubeziehen ist uns sehr wichtig. Wir können nur gemeinsam erfolgreich sein", hatte Geschäftsführer Gerhard Jerg uns mit auf den Weg gegeben, als wir uns zu diesem Ausflug aufgemacht haben. Jedes Jahr lädt die Molkerei deswegen alle Partner-Landwirte zu einem Infotag ein, um sich miteinander auszutauschen und die neuen Produkte vorzustellen. Die Milchbauern scheinen mit dem, was da aus der Milch ihrer Kühe gemacht wird, sehr zufrieden zu sein. "Viele der Landwirte sind schon auf uns zugekommen, weil sie die Produkte in ihren Hofläden verkaufen möchten. Deswegen planen wir jetzt – nach Möglichkeit – eine Direktbelieferung unserer Partnerhöfe", erfahren wir von Carina Wanner. Ich bin ein klein bisschen neidisch auf die Landwirte und froh, dass die nächste Alnatura Filiale und damit meine "Weißenhorner- Quelle" gleich um die Ecke ist.

Weitere Informationen zur Weißenhorner Milch Manufaktur unter www.weissenhorner.de

Kurz gefasst

1928 Gründung der Weißenhorner Molkereigenossenschaft als Zusammenschluss von 24 Landwirten. Seit 1989 ist die Molkerei Bioland-Mitglied. 2006 Gerhard Jerg übernimmt die Molkerei – ein Neustart als Bio-Genuss-Manufaktur. 30 000 Liter Bio-Milch von 42 Bioland-Höfen werden täglich in der Weißenhorner Milch Manufaktur verarbeitet. Knapp 60 Mitarbeiter, davon über 40 in der Produktion, gehören zum Molkereiteam. Rund 30 Produkte von FrischeCremes über Mascarpone und Knoblauchbutter bis zu Bircher Müesli und Mousse au Chocolat umfasst das Sortiment. Engagement: Das Familienunternehmen kooperiert mit der Richard-Groer-Stiftung in Weißenhorn, eine regionale Initiative, die Kinder- und Jugendprojekte unterstützt.