Die Bio-Hühner sind los!

Alnatura besuchte zwei der fünf Bio-Geflügelbetriebe, die das verpackte Hähnchenfleisch an die Bioland-Metzgerei Packlhof liefern.

Bio-Geflügelbetriebe

"Erst anklopfen, dann erschrecken sie sich nicht so", warnt das Bio-Bauern-Ehepaar Buck, bevor es die Stalltür zur Behausung der 3.500 gefiederten Gesellen mit Bedacht öffnet. Die fünf Wochen alten Masthähnchen weichen zuerst etwas zurück und blinzeln den eintretenden Besuchern dann neugierig entgegen. Einzelne beginnen, aufgeregt in den Futterschalen und in der Einstreu zu picken. Eine ganz urtümliche, natürliche Verhaltensweise. "Bio-Hähnchen darf im Gegensatz zu konventionell aufgezogenen keinesfalls der Schnabel gestutzt werden", so Michael Buck, der gemeinsam mit seiner Frau vor zwei Jahren mit der Mast von Bio-Hähnchen begonnen hat.

Bio-Geflügelbetriebe

Vorsichtig bewegt sich sein Blick durch die Hühnerschar. Sehr behutsam greift er sich stichprobenartig nacheinander mehrere Masthähnchen. Er überprüft die Gesundheit der Tiere anhand ihrer Augen und der Zartheit der Haut an den Füßchen, in der Fachsprache "Ständer" genannt. "Ist die Haut der Ständer weich und trocken, kann man davon ausgehen, dass im Stall die erforderliche Hygiene herrscht, die die empfindlichen Tiere dringend benötigen, um nicht krank zu werden." Außerdem überprüft er mehrmals am Tag Temperatur und Feuchtigkeit im Stall. Obwohl der erfahrene Landwirt die Tiere ganz sanft anfasst und ihm seine Zuneigung zu den Hühnern anzumerken ist, wird schnell klar, dass sie keine Kuschel-, sondern Fluchttiere sind. Hier in diesem Stall verbringen sie, seit sie einen Tag alt sind, ihr acht bis zehn Wochen währendes Leben. Konventionell aufgezogene Hühner dürfen nur vier bis fünf Wochen alt werden, sie werden intensiver gefüttert und müssen schneller wachsen. In der Fachsprache heißt die Lebenszeit der Masthähnchen "Mastdauer".

Bio-Geflügelbetriebe

Gemäß EG-Bio-Verordnung darf ein Tierbesatz von 21 Kilogramm auf einem Quadratmeter gehalten werden. Ein schlachtreifes Bio-Hähnchen wiegt circa zwei Kilogramm. Somit können bis zu zehn Hähnchen pro Quadratmeter aufgezogen werden. In der konventionellen Hänchenmast sind bis zu 39 Kilogramm pro Quadratmeter "Lebendfleisch" zulässig, das heißt, doppelt so viele Tiere wie in der Bio-Haltung. Deshalb sind in der intensiven konventionellen Geflügelmast oft antibiotische Behandlungen erforderlich, oder es werden chemisch-synthetische Futtermittelzusätze bereits prophylaktisch verabreicht. In der Bio-Geflügelhaltung hingegen sind solch prophylaktische Maßnahmen nicht erlaubt. Hier kommen vor allem Naturheilmittel, insbesondere verschiedene Kräutermischungen, zum Einsatz.

Bio-Geflügelbetriebe

Daneben sind Hygiene im Stall und Aufmerksamkeit gegenüber den Tieren bei einem Bio-Geflügelbetrieb das Wichtigste. Zwei Wochen lang muss der frisch gereinigte und desinfizierte Stall nach einem "Hähnchen- Durchgang" leer stehen, bevor frische Bio-Ein-Tages-Küken in den blitzblank geputzten Stall einziehen dürfen. Ein großzügiger Grünauslauf mit verschiedenen Unterschlupfmöglichkeiten gehört zu jedem Bio-Hähnchenstall. Als Übergang vom Stall zur Wiese steht den Tieren ein Wintergarten – auch Kaltscharr-Raum genannt – zur Verfügung, ein überdachter Außenbereich, der von den wetterempfindlichen, ängstlichen Tieren gerne genutzt wird. "Regen ist ihnen ein Gräuel, direkte Sonneneinstrahlung vermeiden sie, und vor jedem Schatten am Himmel, der ein Greifvogel sein könnte, fliehen sie unters Dach oder in die Schutz-Iglus", erzählt Bio- Bauer Ulrich Plankenhorn amüsiert.

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Er fügt hinzu: "Natürlich ist auch uns Bio-Bauern klar, dass wir hier Tiere halten, die ausschließlich leben dürfen, um geschlachtet und gegessen zu werden. Aber wir sind davon überzeugt, dass es sich für Mensch und Tier auszahlt, wenn man den Hühnern in ihrer kurzen Lebenszeit optimale Bedingungen schafft. Es macht Freude zuzusehen, wie sie ihre natürlichen Verhaltensweisen wie Scharren, Picken, Sandbaden genussvoll ausüben. Abgesehen davon macht sich ein stressfreies Leben auch in der Qualität des Fleisches bemerkbar." Der Transport zum Schlachter findet ebenso schonend und tiergerecht statt. Deshalb findet die Abholung, genannt "Ausstallung", in der Dunkelheit statt. Wenn es dunkel ist, dann sind die Hähnchen ruhiger und nicht schreckhaft. Die Transportzeit zur bio-zertifizierten Schlachterei beträgt ein bis zwei Stunden, gemäß der Tierschutztransportverordnung wären sogar bis zu zwölf Stunden Transportzeit erlaubt.

Kurz gefasst

Packlhof bezieht sein Bio-Hähnchen- und Bio-Putenfleisch von insgesamt fünf vom Bioland-Verband anerkannten Bio-Geflügelmastbetrieben im süddeutschen Raum. Nach der Schlachtung wird das Fleisch gekühlt und im Anschluss zerlegt und vakuumverpackt.