01.09.2018

Bio-Bäckerei Kaiser: Mit Herz backen – mit Verstand wachsen

Beste und zeitgemäße Bio-Backwaren handwerklich herzustellen, das reicht dem Bio-Pionier "Kaiser. Die Vollkornbäckerei" aus Wiesbaden, meist "Biokaiser" genannt, nicht aus. Also verbindet der Alnatura Partner der ersten Stunde auch in Sachen Wirtschaftsethik und Unternehmensorganisation Tradition und Innovation.

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Als Volker Schmidt-Sköries 1976 die Bio-Bäckerei Kaiser als alternativ und kollektiv geführtes Unternehmen mit dem Grundsatz "Zusammen leben – zusammen arbeiten" gründete, hätte er sicher nicht erwartet, dass sich Kaiser zu einem der bedeutendsten Bio-Bäcker Deutschlands entwickeln würde. Damals war Bio-Landwirtschaft kein großes Thema mehr: Neben dem 1924 gegründeten Demeter-Verband gab es in Deutschland nur die 1971 frisch gegründete Organisation Bioland, die offiziell das Ziel der Existenzsicherung kleinbäuerlicher Betriebe und des Erhalts der Bodenfruchtbarkeit verfolgte – als Gegenbewegung zur sich seit den frühen 1900er-Jahren stark entwickelnden Agrarindustrie mit all ihren Folgen für Mensch und Erde. Die EU-Bio-Verordnung zum Beispiel sollte noch 15 Jahre auf sich warten lassen und erst 1991 erlassen werden.

>Die Motivation zur Gründung von Kaiser waren ökologische, soziale und gesundheitliche Werte, die in den über 40 Jahren des Bestehens nie an Bedeutung verloren haben. "Wir waren die Ersten, die Sonnenblumenkerne, die damals als Vogelfutter galten, ins Brot getan haben, und wurden dafür ausgelacht", sagt Schmidt-Sköries und lässt die Pionier-Zeiten anstrengend, aber auch spannend erscheinen. "Und wir haben auch die ersten Höfe auf Bio umgestellt, was nicht leicht war." Im Laufe der Zeit wurde aus den öko-sozial-gesunden Grundsätzen eine individuelle Art der Unternehmensführung, die für eine neue Form des ethischen Wirtschaftens steht.

Qualität vor Masse
Heute hat Kaiser mit den 17 eigenen Filialen und Präsenz auf mehreren regionalen Wochenmärkten um die 270 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Mit 15 Bäckereimeisterinnen und -meistern hat das Unternehmen ein hochqualifiziertes Team, und mit 33 Auszubildenden (rund zwölf Prozent) eine deutlich überdurchschnittliche Ausbildungsquote. Erstaunlich ist, dass selbst mit dieser Größe bei der Herstellung der Backwaren noch vieles in traditioneller, handwerklicher Arbeit abläuft. Automatisierung hat zwar an manchen Stellen Einzug gehalten, aber Qualität geht immer noch klar vor Masse. Nicht nur der Teig, auch alle Arbeitsschritte erhalten bei den Wiesbadenern die nötige Zeit für Qualität und Bekömmlichkeit. Seit dem Start der Partnerschaft mit der ersten Alnatura Filiale 1986 in Mannheim sind mittlerweile 29 weitere Super Natur Märkte hinzugekommen und Kaiser hat ein Liefergebiet von Frankfurt bis Heidelberg.

Das Sortiment umfasst alle möglichen Produkte: vom rustikalen Urkornbrot über den beliebten "Paarweck" aus Weizenauszugsmehl bis hin zu trendigen Mini-Dinkel-Quiches mit Ziegenkäse und Datteln sowie feinen Kuchen und Stückchen. Das Getreide dafür wird ausnahmslos nach den strengen Bioland-Kriterien angebaut und kommt fast ausschließlich aus der unmittelbaren Region. Es ist eine feste und partnerschaftliche Gemeinschaft aus Bioland-Höfen, Müllerinnen und Müllern und dem Bio-Pionier aus Mainz-Kastel, die hier aufgebaut wurde. Die Einkaufspreise für die Rohstoffe richten sich dabei nicht etwa nach dem gängigen Marktpreis, sondern nach den tatsächlich anfallenden Kosten der Partner. Und diese Vorgehensweise hat trotzdem zu einer sehr guten Unternehmensentwicklung geführt.

Anthroposophisches Arbeitsmodell
Mit dem Wachstum kommt auch eine große Verantwortung. "Es braucht ein Balance-Modell, kein einseitiges Management-Modell", ist ein Grundsatz in der Organisationsentwicklung, die der Gründer Volker Schmidt-Sköries als wichtigsten Teil des Erfolgs sieht – natürlich neben sehr guten Produkten. Dies bedeutet, dass eine hohe Rendite und große Gewinne nicht als primäres Unternehmensziel begriffen werden. Gesundes, organisches Wachstum ja, aber es muss begrenzt sein, darf einen bestimmten Wert nicht übersteigen und soll sich in einem passenden Rahmen bewegen, der Raum lässt für Investitionen, aber auch für faire Löhne und Preise und die qualitative Entwicklung der Belegschaft. So werden die Kolleginnen und Kollegen unterstützt, erhalten in unterschiedlichen internen Projekten Rückentrainings während der Arbeitszeit, viel Zeit zur Weiterbildung und können sich selbstverantwortlich in Projekte einbringen. Es ist eine ganz eigene Interpretation eines modernen Arbeitsmodells. Kaiser geht dabei zum Teil anthroposophische, aber auch eigene Wege, immer mit dem Ziel des Schaffens von Balance in allen Verbindungen nach innen und außen und einer offenen Fehlerkultur, die für Innovationen grundlegend ist.

"Vertrauen muss mehr wiegen als ein Vertrag." Mit dieser Einstellung wurde die Partnerschaft zwischen Kaiser und Alnatura 1986 per Handschlag besiegelt. Und sie benötigt bis heute keine Verschriftlichung.