Veganer Wein

Was soll denn an Wein aus Trauben nicht vegan sein? Ist nicht jeder Wein grundsätzlich vegan?

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Die Antwort auf diese Fragen erhielt ich in Australien, als ich eher beiläufig bei einem Glas Wein die Rückseite der Flasche studierte. Dort ist die Deklaration möglicher tierischer Bestandteile schon seit einiger Zeit Pflicht. Auf dem Rückenetikett stand übersetzt: "Hergestellt mithilfe von Eiern oder Fisch. Kann Spuren davon enthalten." Wie bitte? Fisch im Wein? Für mich hieß es früher, wenn überhaupt, "Fisch zum Wein". Oder besser: "Wein zum Fisch".

Das Thema zeigt einmal mehr, wie intensiv man sich mit der Herkunft und Zusammensetzung seiner Ernährung auseinandersetzen sollte, wenn man gewisse Ansprüche daran stellt. Und es verdeutlicht, dass in zahllosen Produkten tierische Bestandteile enthalten sind, obwohl sie keinen wesentlichen Beitrag zu Geschmack, Konsistenz oder Qualität liefern. Aber es geht auch ohne: ohne tierische Zutaten und ohne Verzicht auf Genuss.

Wozu werden also tierische Bestandteile bei der Weinherstellung eingesetzt und welche sind das? Ohne dabei zu sehr ins Detail der Weinherstellung zu gehen: Vor der Abfüllung des Weins, also nach der Gärung und dem Ausbau, wird der Wein "geschönt".

Unter Schönung versteht man im Wesentlichen die Klärung des Weins, damit er nicht (natur-)trüb bleibt. Zur Klärung können verschiedene Mittel eingesetzt werden. Diese Mittel verbleiben nicht im Wein, sondern binden die vorhandenen Trübstoffe und werden nach dem Prozess wieder entfernt. Werden hierfür tierische Bestandteile eingesetzt, sind sie zwar hinterher über geringste Spuren hinaus nicht mehr enthalten; der Einsatz selbst widerspricht aber logischerweise den Anforderungen an ein veganes Produkt.

Gängige tierische Mittel zur Schönung sind zum Beispiel Hausenblase (die getrocknete Schwimmblase von Fischen), Speisegelatine (vom Schwein oder Rind) oder Albumin (aus Eiern). Das hätte mich auch in meiner Zeit als Alles-Esser ein wenig irritiert, muss ich sagen.

Zum Glück gibt es pflanzliche Pendants, sodass man auch bei einer veganen Ernährung auf Bacchus’ liebsten Trunk nicht verzichten muss: Aktivkohle oder Tonminerale sind nur zwei natürliche Beispiele dafür. Geht doch!

Übrigens werden auch Säfte und Moste geklärt. Sollte also keine entsprechende Kennzeichnung auf der Verpackung sein, lieber die naturtrübe Variante wählen, um auf Nummer sicher zu gehen. Glücklicherweise ist der Einsatz tierischer Produkte im Wein, besonders im ökologischen Weinbau, immer seltener und immer mehr Weine sind ausdrücklich als vegan deklariert.