Klassische Züchtung

Das Wissen der Landwirte um die Auslese, Vermehrung und Veränderung von Pflanzen ist mehrere Tausend Jahre alt. Agro-Gentechnik dagegen wird erst seit gut 15 Jahren kommerziell genutzt. Sie ist keineswegs die bloße Erweiterung klassischer Züchtungsmethoden, sondern birgt erhebliche Risiken. Erfahren Sie hier, wie klassische Züchtung im Gegensatz zur Gentechnik funktioniert.

Pflänzchen mit Hand und Pinzette

Vor mehr als 10.000 Jahren begann der Mensch, seine Lebensweise des umherziehenden Jägers und Sammlers auf die eines siedelnden Ackerbauers und Viehhalters umzustellen. Mit dem Sesshaftwerden übernahm der Mensch die Kontrolle, was wann wo wachsen sollte: durch Auslese und Vermehrung. Vom Ernteertrag säte der Bauer einen Teil der Samen wieder aus; was nicht schmeckte oder der Witterung nicht standhielt, vermehrte er nicht weiter.

Gregor Mendel: Urvater der Genetik
Erst im 18. Jahrhundert verfeinerten sich die Zuchtmethoden. Durch Kreuzung verschiedener Sorten mittels vom Menschen veranlasster Befruchtung  (Kombinationszüchtung) entstanden neue Sorten mit anderen Eigenschaften. Durch systematische Kreuzungsversuche mit Erbsen fand der Mönch und Naturforscher Gregor Mendel (1822 - 1884) heraus, dass sich Merkmale der Pflanzen - wie zum Beispiel Form und Farbe - nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten vererben. Er schuf damit die Grundlagen der modernen Genetik.

Gentechnik ist keine Züchtung
Mit der heutigen sogenannten „Grünen Gentechnik“ hatte Mendel allerdings wenig gemein. Denn Kennzeichen der Gentechnik ist, dass im Labor ganze Sequenzen fremden Erbgutes eingeschleust und das Erbgut des Zielorganismus auf diese Weise dauerhaft verändert wird – auch über die Artgrenzen hinaus. Gen-Mais zum Beispiel enthält Erbanlagen eines Bakteriums. Dieses bewirkt, dass die Pflanze einen Giftstoff bildet, der unter anderem für die Larven des Maiszünslers tödlich sind. Was diese genetische Vermischung von Organismen und Pflanzen langfristig in freier Natur bewirkt, ist nicht absehbar.

Ausgereiftes Wissen ohne Risiko
Das Wissen um Kreuzungszucht und Vermehrung ist Hunderte von Jahren alt. Diese herkömmlichen Verfahren haben sich bewährt, ohne Risiken für Mensch und Natur. Auch die damit erzielten Züchtungserfolge sind beachtlich. Laut Weltagrarbericht 2008 verbesserte sich der Ertrag von modernen Weizensorten durch klassische Züchtung innerhalb von 30 Jahren um 33 Prozent – und zwar in einer Zeit, in der es noch keine Agro-Gentechnik gab, nämlich zwischen 1950 und 1980.

Geschmack und Widerstandskraft statt Ertrag
Modernen Bio-Züchtern ging es nie nur um Ertrag, sondern vor allem um schmackhafte und gesunde Pflanzen. Der Bio-Landbau braucht Sorten, die auch ohne Pestizide und mineralischen Stickstoffdünger widerstandsfähig sind. Dafür muss Obst und Gemüse optimal an den Standort angepasst sein, entsprechend dem Boden und Klima. Nur so kann es gesund und ausdrucksstark im Geschmack sein. Das Wissen und die Erfahrung der Bio-Bauern und Bio-Gärtner bringen mit klassischen Züchtungsmethoden Sorten hervor, die nur einen Bruchteil der Entwicklungskosten von Agro-Gentechnik verursachen – und vor allem keinerlei Risiko für unsere Vielfalt bedeuten.