Was die Verbraucher wollen

87 Prozent der Deutschen lehnen Agro-Gentechnik ab, innerhalb der EU sind 70 Prozent der der Ansicht, dass gentechnisch veränderte Lebensmittel unnatürlich sind. Erfahren Sie, was die Zahlen noch sagen.

Was Verbraucher wollen

Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Emnid im Auftrag des Bundesumweltministeriums vom Oktober 2010 kommt zu einem deutlichen Ergebniss: 87 Prozent der Deutschen lehnen Agro-Gentechnik ab.

Obwohl das Meinungsbild in der Bevölkerung seit Jahren eindeutig ist, verharrt insbesondere die EU-Kommission bei ihrer positiven Haltung zur Gentechnik. Dies ist eine klare Missachtung der Verbrauchermeinung zu Gunsten der Agrar-Lobby. Dabei wissen auch die EU-Politiker seit langem von der kritischen Haltung der Bürger zum Thema Gentechnik.

Die europäische Bevölkerung ist gegen Gentechnik
Seit 1991 erfragt die EU-Kommission im sogenannten „Euro-Barometer“ die Stimmung der Verbraucher zu verschiedenen Themen, unter anderem auch zum Thema Biotechnologie. Dabei zeigt sich ein seit Jahren verstärkender Trend: die Europäer lehnen „Grüne Gentechnik“ mehrheitlich ab. Das Eurobarometer 2010 kommt in Bezug auf Biotechnologie zu folgenden Ergebnissen:

  • 70 Prozent der Europäer und 69 Prozent der Deutschen stimmen der Aussage zu, dass gentechnisch veränderte Lebensmittel vollkommen unnatürlich sind;
  • 61 Prozent der Europäer sind der Meinung, dass die Entwicklung gentechnisch veränderter Lebensmittel nicht gefördert werden sollte, in Deutschland sehen das 78 Prozent der Bevölkerung so;
  • 58 Prozent der Europäer sehen gentechnisch veränderte Lebensmittel als bedenklich für künftige Generationen an, in Deutschland stimmen dieser Aussage sogar 72 Prozent der Bevölkerung zu.

Eine Million EU-Bürger haben sich im Dezember 2010 in einer von Greenpeace und Avaaz initiierten Petition für eine Landwirtschaft ohne Gentechnik ausgesprochen. Die Petition fordert die EU--Kommission auf, so lange keine Gen-Pflanzen mehr zuzulassen, bis eine unabhängige und wissenschaftliche Institution zur Risiko-Bewertung dieser Pflanzen etabliert ist. Dies entspricht einer bereits 2008 erhobenen Forderung der 27 europäischen Umweltminister für eine Reform der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA.

Auch die Weltbank sieht Agro-Gentechnik kritisch
Selbst eher als technologiefreundlich eingeschätzte Institutionen fällen ein Negativ-Urteil zur Agro-Gentechnik. So stellt der unter anderem von der Weltbank initiierte und 2008 veröffentlichte Weltagrarbericht fest:

„Genveränderten Organismen stehen einer Unzahl von Problemen gegenüber, denen Kontroversen über Technik, Politik, Umwelt, geistige Eigentumsrechte, Biosicherheit und Handel zugrunde liegen. Kaum eine von ihnen dürfte in naher Zukunft verschwinden.“

Die Experten ziehen im Weltagrarbericht deshalb den Schluss, dass die auf Monopolen und Patenten basierende Agro-Gentechnik in absehbarer Zeit keine Rolle spielen wird bei der Bekämpfung von Hunger.

Selbst konservative Kreise haben Bedenken gegen Agro-Gentechnik
2009 kommt ein Bericht der nicht gerade als fortschrittsfeindlich bekannten Deutschen Bank („Lebensmittel – Eine Welt voller Spannung“) zu dem Schluss: „Lebensmittelsicherheit, Entwicklung, Umweltverträglichkeit und soziale Nachhaltigkeit müssen sämtlich wichtige Ziele der Agrarpolitik sein.“ Daraus leiten die Forscher folgende Forderungen an Politik und Gesellschaft ab:

  • „Die Umweltprobleme angehen, die durch die derzeitige, nicht nachhaltige Produktion entstehen: Bodendegradation, Verlust an Biodiversität, zu starke Nutzung von Wasser und Umweltverschmutzung, Treibhausgasemissionen. Mehr Unterstützung für traditionelle Anbaumethoden, die weniger Chemikalien verwenden und in der Regel mit einer hohen Biodiversität einhergehen: Bauern für guten Umgang mit dem Land belohnen.“
  • „Lebensmittelproduktion mit genmanipulierten Organismen überprüfen: Forschung zu Chancen und möglichen Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt verstärken.“
  • „Geistige Eigentumsrechte überprüfen, um Machtpositionen von Unternehmen zu regulieren.“

Gentechnikfreie Regionen in Deutschland
Der Protest gegen Agro-Gentechnik geht weit über die Öko-Branche hinaus. Über 200 gentechnikfreie Regionen bzw. Initiativen gibt es bereits in Deutschland. Dabei sagen auch konventionell wirtschaftende Landwirte, dass sie keine „Grüne Gentechnik“ wollen.