Gentechnik bei der Verarbeitung von Lebensmitteln

Agro-Gentechnik ist nicht nur auf Äckern und Baumwoll-Plantagen ein Thema. Auch beim Verarbeiten von Lebensmitteln kommt Gentechnik zum Einsatz – etwa bei Enzymen und Aromen. Mehr über die Rolle der Gentechnik bei der Lebensmittel-Verarbeitung.

Verarbeitung

In Europa sind gentechnisch veränderte Lebensmittel (GVO) seit 2004 kennzeichnungspflichtig. Ist einer der drei folgenden Punkte erfüllt, muss das Produkt mit dem Hinweis  „Enthält genetisch veränderte Organismen“ oder „Hergestellt aus genetisch veränderten…“ gekennzeichnet werden:

  • das Lebensmittel ist selbst ein GVO: z.B. Mais, Tomaten, Sojabohnen;
  • das Lebensmittel ist aus GVO hergestellt: z.B. Öl oder Stärke (dies gilt selbst dann, wenn genveränderte Erbinformationen im Endprodukt nicht nachweisbar sind);
  • das Lebensmittel enthält GVO: z.B. Joghurt mit genmanipulierten Bakterien oder Weizenbier mit genmanipulierter Hefe.

Nicht kennzeichnungspflichtig sind dagegen mittels transgener Mikroorganismen herstellte  Zusatzstoffe wie Aromen, Geschmacksverstärker, Vitamine und Enzyme. Beispielsweise verwenden Käsehersteller häufig das künstliche Labferment Chymosin, welches mittels transgener Hefen oder Pilzen gewonnen wird. Zahlreiche konventionelle Hersteller setzen gentechnisch veränderte Enzyme bei der Verarbeitung von Brot, Rotwein oder Saft ein. Auch Vitaminpräparate können mittels transgener Mikroorganismen hergestellt sein - vor allem Vitamin B2 (Riboflavin), Vitamin C (Ascorbinsäure) und Vitamin B12 (Cobalamin). Allerdings dürfen diese transgenen Mikroorganismen im Lebensmittel selbst nicht vorhanden sein.

Gen-Produkte in Europa kaum verkäuflich
Da in Europa die Verbraucher mehrheitlich Gentechnik ablehnen, sind gentechnisch veränderte Lebensmittel am Markt kaum zu verkaufen. Deshalb gibt es bei hier weder transgenes Obst noch Gemüse. Die Gen-Kartoffel Amflora ist in Europa nur für die industrielle Stärkeproduktion zugelassen.

Der Import von gentechnisch verändertem Futtermittel ist allerdings erlaubt. Fleisch und Wurst von Schweinen und Rindern, die mit transgenem Soja oder Mais gemästet wurden, müssen nicht gekennzeichnet sein. Gleiches gilt für Milchprodukte und Eier von Tieren, die Futter von genmanipulierten Pflanzen gefressen haben.

Honig und Gentechnik
Eine ganz eigene Logik gilt für Bienenhonig. Honig ist ein tierisches Lebensmittel. Deshalb muss er – analog zu verarbeiteten Produkten von Schweinen, Rindern und Hühnern – nicht gekennzeichnet werden, selbst wenn Bienen Pollen von zum Beispiel Gen-Raps gesammelt haben sollten und diese im Honig eindeutig nachweisbar sind.

Viele Imker wollen Rechtssicherheit und haben deshalb vor verschiedenen Gerichten geklagt – mit bislang sich widersprechenden Urteilen. Das Verwaltungsgericht Augsburg hält mit GVO verunreinigten Honig für „nicht mehr verkehrsfähig“ – und damit unverkäuflich. Ein Schadensersatzanspruch an den Betreiber des Genfeldes lässt sich daraus aber nach Ansicht des Gerichtes nicht ableiten. Deutsche Gerichte haben die rechtliche Einordnung von gentechnisch verändertem Blütenstaub im Honig an den Europäischen Gerichtshof delegiert – das Urteil steht für den 08.02.2011 an.