Risiken der Agro-Gentechnik

Fortschritt treibt die Menschheit voran. Doch Fortschritt um jeden Preis? Schon heute verändert Agro-Gentechnik Ökosysteme und soziale Strukturen. Mehr Informationen zu den Risiken von "Grüner Gentechnik". 

Risken Agro

Die Agrogentechnik verursacht massive Probleme ökologischer, sozialer und ökonomischer Art. Was genveränderte Organismen (GVO) auf lange Sicht bewirken, wenn sie in den Nahrungskreislauf gelangen, ist noch nicht hinlänglich untersucht. Dagegen kennen wir schon heute die negativen Auswirkungen, die GVO mit eingebauter Insekten-Resistenz im Ökosystem auslösen können.

Resistenzen und die Folgen für Flora und Fauna
Bt-Mais wurde durch Genmanipulation so verändert, dass er ein Bakteriengift gegen bestimmte Schädlinge wie den Maiszünsler absondert. Inzwischen hat sich gezeigt, dass dieses Gift auch gegen Regenwürmer, Schmetterlinge und zahlreiche Nutz-Insekten wirkt. Obendrein funktioniert die Schädlingsabwehr längst nicht so wie erhofft. Denn nach einiger Zeit entwickeln Schadinsekten wie zum Beispiel der Baumwollkapselbohrer Resistenzen gegen das durch den Bt-Mais ständig vorhandene Gift. Damit ist der angebliche Vorteil dieser Gen-Pflanzen, nämlich ein verminderter Einsatz von Spritzmitteln, nach kurzer Zeit schon obsolet.

Gen-Pflanzen brauchen nach kurzer Zeit mehr Pestizide
Einige Gen-Pflanzen sind so „konstruiert“, dass ihnen Unkrautvernichtungsmittel nichts anhaben kann. Die Agro-Industrie bietet eigens auf die Pflanzen abgestimmte Herbizide an (z.B. Round Up), die alle sogenannten „Unkräuter“ rund um die transgene Pflanze vernichten, ihr selbst aber nichts anhaben. Doch wie Insekten werden nach einiger Zeit auch diese Beikräuter resistent gegen die Pestizide. Nach wenigen Jahren steigt damit die benötigte Menge an Spritzmitteln.

Vielfalt in Gefahr
Zahlreiche Studien haben in den letzten zehn Jahren bestätigt, dass bei längerem Einsatz von Gentechnik die Vielfalt in Flora und Fauna deutlich zurückgeht. Gentechnik ist für eine industrialisierte Landwirtschaft mit großen Anbauflächen und Monokulturen gemacht. Vielfalt stört hierbei nur. Denn es ist viel lukrativer, nur wenige patentierte Pflanzensorten als Saatgut vorrätig halten zu müssen; und unbestritten lassen sich große Felder schneller mit großen Maschinen bearbeiten als kleinere Einheiten mit vielfältiger Feldfrucht. In Südamerika werden für die industrielle Landwirtschaft riesige Urwaldflächen geopfert. Dadurch gehen zahlreiche Tier- und Pflanzenarten unwiederbringlich verloren. In Spanien hat die Agro-Gentechnik dazu geführt, dass in Regionen mit Bt-Mais sich Bio-Landwirte weitgehend aufgeben mussten – die Gefahr der Kontamination der Ernte mit transgenen Pflanzen ist einfach zu groß.

Unkontrollierte Ausbreitung gentechnisch veränderter Organismen
Werden Gen-Pflanzen in die freie Natur ausgebracht, breiten sie sich auch. Vögel, Insekten, Wind und Wasser, Geräte und Maschinen tragen Pollen oder Saatgut weiter über die Grenzen eines Gen-Feldes hinaus. Besonders problematisch ist dies bei Gen-Raps. Dieser kreuzt  die Wildart Rübsen aus. Diese vermehrt sich in der Natur weiter und verbreitet damit auch ihre Herbizidresistenz weiter. Damit ist bewiesen: Die von Politikern und Gentechnik-Befürwortern in früheren Jahren vorgebrachte Behauptung, Agro-Gentechnik sei reversibel, ist falsch. Nicht zuletzt auch deshalb, weil es sich bei GVO um vermehrungsfähige Organismen handelt.

Beim Bearbeiten der Felder und beim Transport bleiben Spuren des Saatgutes oder der Ernte in den Maschinen zurück. Gegen Grüne Gentechnik helfen keine Mindestabstände, keine Mauern und keine Grenzwerte: Was in der Welt ist, breitet sich aus. In den letzten 13 Jahren sind mehr als 200  Fälle dokumentiert geworden, bei denen gentechnikfreie Produkte von Landwirten oder Verarbeitern mit GVO kontaminiert wurden. Die Dunkelziffer ist dabei sehr viel höher, denn in den wenigsten Ländern werden GVO-Kontaminationen dokumentiert.

Wirtschaftliche Vormachtstellung
Die weltweite Saatgutproduktion konzentriert sich auf drei große Hersteller: Monsanto (USA), DuPont (USA) und Syngenta (CH). Ihr weltweiter Marktanteil betrug 1985 rund sieben Prozent, heute sind es über 50 Prozent. Die zehn größten Saatguthersteller weltweit beherrschen nahezu zwei Drittel des Marktes. Das Thema Gentechnik machen die Großen unter sich aus. Allein der Weltmarktführer Monsanto hält 90 Prozent der Patente transgener Pflanzen. Sein Ziel hat der Konzern auf einem Gentechnikkongress 1999 in Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung Arthur Anderson Consulting Group öffentlich formuliert: Bis 2020 solle sämtliches Saatgut weltweit gentechnisch verändert und patentiert sein.

Saatgut ist Kulturgut und soll es bleiben
Wer das Patent für ein Gut hält, bestimmt dessen Ausgestaltung, Verteilung und Preis. Agro-Gentechnik führt dazu, dass Saatgut kein Allgemeingut mehr ist, das Landwirt beliebig aussähen und vermehren können. Vielmehr dürfen Bauern Gen-Pflanzen nur als Lizenznehmer nutzen. Die Folgen: soziale Abhängigkeit. Diese zeigt sich schon heute in Entwicklungsländern, in denen Gentechnik weit verbreitet ist. Allein in Indien haben mehr als 200.000 Bäuerinnen und Bauern Selbstmord begangen, weil sie die Preise für patentiertes Saatgut und die zum Baukastensystem gehörenden Spritzmittel nicht mehr zahlen konnten und völlig verarmten.