Kennzeichnung von Lebensmitteln

Verbraucher wollen wissen, was in Lebensmitteln enthalten ist. Doch weltweit gibt es keine einheitliche Regelung zur Kennzeichnung von Gentechnik. Und selbst in Europa gelten unterschiedliche Gesetze. Erfahren Sie hier, was wo draufsteht und was wirklich drin ist.

Kennzeichnung

Innerhalb der EU besteht seit dem 18. April 2004 eine Kennzeichnungspflicht für gentechnisch  veränderte Produkte. Diese gilt auch dann, wenn die Erbinformation gentechnisch veränderter Organismen (GVO) nicht mehr im Endprodukt nachweisbar ist. Allerdings gibt es Ausnahmen von dieser Kennzeichnungspflicht für:

  • tierische Lebensmittel (Fleisch, Eier, Milchprodukte), sofern die Tiere mit gentechnisch veränderten Pflanzen gefüttert worden sind;
  • Produktzusätze (Enzyme, Zusatzstoffe, Aromen), die mit Hilfe gentechnisch veränderter Bakterien hergestellt werden;
  • Verunreinigungen in Form von GVO bis zu einer Grenze von 0,9 Gewichtsprozent, sofern diese zufällig (z.B. durch Pollenflug) oder technisch (z.B. beim Transport) unvermeidbar waren; dabei ist jede Einzelzutat eines Lebens- oder Futtermittels getrennt zu betrachten, die Beweispflicht liegt beim Erzeuger oder Hersteller.

Kritiker verweisen darauf, dass 80 Prozent der angebauten gentechnisch veränderten Pflanzen verfüttert werden. Sie fordern deshalb auch eine Kennzeichnungspflicht für tierische Produkte, sofern die Tiere genverändertes Futter gefressen haben.

Siegel „ohne Gentechnik“
Eigentlich sollten das seit Mai 2008 geltende deutsche Gesetz zur Kennzeichnung gentechnikfreier Lebensmittel und das seit August 2009 gültige Label „ohne Gentechnik“ Klarheit bringen und für den Verbraucher erkennbar machen, welche Lebensmittel ohne Gentechnik herstellt wurden. Doch weder das Gesetz noch das neue Label machen dem Verbraucher wirklich transparent, ob ein Tier genverändertes Futter bekommen hat oder nicht. Denn das Siegel „ohne Gentechnik“ erlaubt gentechnisch verändertes Futter bei Schweinen bis zu vier Monate vor der Schlachtung; bei Milch produzierenden Tieren reichen drei Monate, bei Hühnern gilt erst ab sechs Wochen vor der Eiererzeugung ein GVO-Futterverbot. Obendrein sind bei "ohne Gentechnik"-Produkten Futtermittelzusätze wie Vitamine, Aminosäuren oder Enzyme erlaubt, die mit gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt wurden.

Bio-Lebensmittel werden ohne Einsatz von GVO erzeugt
Bio-Lebensmittel werden ohne Einsatz von GVO erzeugt. Die EU-Öko-Verordnung erlaubt zwar seit 2009 theoretisch mit GVO hergestellte Produktzusätze und Hilfsstoffe wie Enzyme, Zusatzstoffe und natürliche Aromen, wenn diese nachweislich nicht in GVO-freier Qualität am Markt vorhanden sind. Derzeit ist aber nach dieser Regel kein Stoff zugelassen. Allerdings sind auch Biolandwirte vor unbeabsichtigten und nicht vermeidbaren Verunreinigungen durch GVO nicht gefeit – und bei diesen gilt dieselbe Grenze wie bei konventionellen Lebensmitteln: maximal 0,9 Prozent. Wie bei konventionellen Betrieben liegt auch hier die Beweispflicht für korrektes Handeln beim Hersteller oder Erzeuger. Als zufällig und technisch unvermeidbar gelten Spuren von 0,1 Prozent – also weit unter dem gesetzlichen Grenzwert von 0,9 Prozent.

Andere Länder
Länder außerhalb der EU regeln das Kennzeichnen von GVO-Lebensmittel individuell unterschiedlich:

  • Kennzeichnungspflicht besteht z.B. in Australien, Neuseeland, China, Japan, Taiwan, Mexiko, Brasilien, Chile und der Schweiz;
  • keine Kennzeichnungspflicht gibt es in Kanada, den Philippinen, in Argentinien und Südafrika;
  • Kennzeichnungsverbot besteht in den USA, da nach dortigem Verständnis gentechnikfreie und gentechnisch veränderte Produkte als gleichwertig anzusehen sind und eine Kennzeichnung als Diskriminierung gewertet wird.

Zudem legen die Länder die Grenzwerte für unbeabsichtigte Kontaminationen mit GVO unterschiedlich fest. Statt der in Europa üblichen 0,9 Prozent gelten beispielsweise in Kanada, Taiwan, Japan und auf den Philippinen fünf Prozent.