Was „Grüne Gentechnik“ bedeutet

Grün steht für Umwelt – so haben wir das gelernt. Bei "Grüner Gentechnik" verhält es sich etwas anders: Die beginnt im Labor und greift in einer Form in lebende Organismen ein, wie es in der Natur nie möglich wäre. Erfahren Sie mehr über ein Experiment mit ungewissem Ausgang.

Bedeutung

„Grüne Gentechnik“ ist eine Methode Biotechnologie und bezeichnet den technischen Eingriff in das Erbgut (Genom) von Pflanzen. Durch das Verändern der Erb-Informationen und das Einschleusen neuer Informationen in das Genom sollen Pflanzen andere Eigenschaften bekommen - zum Beispiel, dass ihnen der Einsatz von chemischen Unkrautvernichtungsmitteln (Herbizide) nichts anhaben kann oder sie resistent gegen bestimmte Insekten werden.

Gentechnik ist keine Züchtung
„Grüne Gentechnik“ nutzt Erkenntnisse der Molekularbiologie und der Genetik. Während Gärtner bei der herkömmlichen Züchtung auf Veränderung durch Auslese, Selektion und Vermehrung setzen, versuchen bei der „Grünen Gentechnik“ Biochemiker im Labor einzelne Erbinformationen zu verändern. Dabei setzen sie sich auch über Artgrenzen hinweg. So enthält zum Beispiel gentechnisch veränderter Mais Erbgut des Bakteriums B. thuringiensis, dessen Toxin tödlich ist für bestimmte Insektenarten wie den Maiszünsler oder den Maiswurzelbohrer, die sich von den Pflanzen ernähren, es wirkt aber auch auf die Larven von Käfern und Schmetterlingen. Eine Gefahr „Grüner Gentechnik“ besteht darin, dass gentechnisch veränderte Organismen in die freie Natur gelangen, die es dort  bislang nicht gibt; diese sind lebens- und vermehrungsfähig und können ungeahnte Auswirkungen auf unser Ökosystem haben.

Methoden „Grüner Gentechnik“
Von den 20.000 bis 60.000 Genen einer Pflanzenzelle sind heute erst bei einem Bruchteil ihre Funktionen hinreichend bekannt. Deshalb ist es auch im Labor bislang nicht möglich, gezielt jedes einzelne Gen zu verändern und damit sozusagen eine Pflanze mit neuen Eigenschaften zu „programmieren“. Gentechniker versuchen, fremdes Genmaterial in Pflanzenzellen einzuschleusen in der Hoffnung, dass dessen Erbinformation übertragen wird und die transgene Pflanze die gewünschten neuen Eigenschaften ausbildet. Dieser sogenannte horizontale Gentransfer geschieht im Wesentlichen mit drei Methoden:

  • der Infektion der Pflanzenzelle mit dem Bodenbakterium Bacillus thumefacieus. Zuvor werden in dem eigentlichen Pflanzenkrankheitserreger die krank machenden Gene ausgeschaltet und die gewünschten Gene eingebaut.
  • dem Beschießen von Zellen mit einer „Genkanone“ (Partikelkanone)
  • der Protoplastentransformation, wobei der eigentliche Gentransfer mittels Durchlässigmachen der Zellmembran geschieht.

Egal, welche Methode angewandt wird: Das Ergebnis lässt sich nur durch lange Versuchsreihen mit Aufwachsversuchen verifizieren. Dabei hängt viel vom Zufall ab. Es ist also keineswegs so, dass die Wissenschaft schon heute in der Lage ist, gezielt einen Genstrang durch einen anderen zu ersetzen.

Spritzmittel-Resistenz steht im Vordergrund
Es sind im Wesentlichen zwei Eigenschaften, die Biotechnologen transgenen Pflanzen „einprogrammieren“:

  1. die Abwehr bestimmter Schädlinge (Insektenresistenz) und
  2. die Toleranz für bestimmte chemische Pflanzenschutzmittel wie z.B. Roundup (Herbizidtoleranz).

Auch Krankheitsresistenzen oder neue Inhaltsstoffe (functional food) versuchen Biotechniker den Pflanzen im Labor einzuprogrammieren. Doch mehr als 60 Prozent der gentechnisch veränderten Pflanzen sind nur deshalb auf dem Markt, damit sich unerwünschte Beikräuter rund um die Pflanze „wegspritzen“ lassen, ohne die Pflanze selbst zu vernichten. Diese Herbizide verkaufen genau dieselben Agrarkonzerne, die als Saatgutunternehmen auch die gentechnisch veränderten Organismen (GVO) auf den Markt gebracht haben. Weil diese patentiert sind, muss der Landwirt das Saatgut jedes Jahr wieder neu kaufen; das früher selbstständige Vermehren des Saatgutes durch den Bauern ist verboten. Genpflanzen machen nur Sinn, wenn der Landwirt die eigens dafür entwickelten Pestizide und Herbizide gleich mit kauft und einsetzt. Mit diesem „alles-aus-einer-Hand-Prinzip“ sichern sich einige wenige Hersteller ein Quasi-Monopol, bei dem sie das Angebot und die Preise diktieren können. Statt des verschleiernden Begriffes „Grüne Gentechnik“ verwenden wir deshalb den Ausdruck „Agro-Gentechnik“ – denn er macht klar, was dahinter steckt: Eine auf Gewinnmaximierung ausgelegte Agrar-Industrie.

Rote Gentechnik
Im Gegensatz zur „Grünen Gentechnik“ widmet sich die sogenannte Rote Gentechnik dem Erforschen und Heilen von Krankheiten, die ihre Ursache in Gendefekten haben. Die Forscher entwickeln dabei mit Hilfe biotechnologischer Methoden Medikamente, Impfstoffe oder neue Diagnoseverfahren und Therapieformen. Dabei werden beispielsweise dem Patienten Zellen entnommen, im Labor gentechnisch verändert und dann wieder zugeführt.

Weiße Gentechnik
Weiße Gentechnik nutzt biotechnologische Methoden für industrielle Produktionsverfahren. Dabei kommen Organismen wie Bakterien und Hefen oder auch Enzyme zum Beschleunigen von biologischen Prozessen zum Einsatz. Mit Weißer Gentechnik werden beispielsweiße sogenannt Bio-Brennstoffe und Bio-Kunststoffe hergestellt.