Bio-Landwirt werden

Erich Weckmüller hält seine Kühe jahrzehntelang nur im Stall, gibt ihnen Antibiotika, kauft Pestizide ein – wie man das eben so macht als konventioneller Bauer. Dann stellt die Familie auf Bio um. Seitdem ist alles anders.

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Eigentlich wollte Erich Weckmüller schon vor 30 Jahren Bio-Bauer werden. Dann wurde es doch 2010. "Wir hatten früher einfach Angst vor dem Risiko", gibt der 60-Jährige zu. Heute führt er seinen Hof als Bioland-Betrieb – zusammen mit Sohn Sascha. 60 Milchkühe haben sie und hundert Hektar Land. Darauf lassen sie die Tiere weiden und bauen Weizen, Roggen, Hafer oder Kartoffeln an.

Der Wimmersbacher Hof liegt abgelegen im Hunsrück in Rheinland-Pfalz. Die Weckmüllers sind alteingesessene Hunsrücker. Man hört es dem Seniorchef an, wenn er spricht. In der wievielten Generation sie nun schon ihren Hof haben, kann er aus dem Stegreif nicht sagen. Auf jeden Fall ganz schön lange.

Sascha Weckmüller

Aber jetzt ist alles anders auf dem Wimmersbacher Hof: Die Kühe grasen auf der Weide. Sie fressen Gras und Bio-Futter und kalben im Freien. Auch gemolken werden sie meistens draußen – solange es das Wetter zulässt. Das geht mit einem mobilen Melkstand. "Die Kühe kommen auf Zuruf zum Melken", erzählt Erich Weckmüllers Frau Karin. "Früher standen sie nur im Stall. Jetzt sind sie fröhlicher und viel fitter." Seit die Kühe draußen sind, klappt es mit dem Kalben besser, hat sie festgestellt.

Früher – das war vor rund sechs Jahren. Da steckten sie noch drin im Teufelskreis aus mehr Gewinn über immer höhere Erträge, was wiederum zu niedrigeren Preisen führte. "Als Konventioneller verdient man nur, wenn man Vollgas fährt", sagt Juniorchef Sascha.

Das ist aber der falsche Weg, erkannten die Weckmüllers. "Nach dem schlechten Erntejahr 2009 stand dann fest: Wir stellen um", sagt Erich Weckmüller. "Wir wollten uns damit auch von der Chemie-Industrie abkoppeln." Vater und Sohn hatten einfach keine Lust mehr, jedes Jahr bis zu 30.000 Euro für Pflanzenschutzmittel und Dünger auszugeben. Viel Geld, das man über hohe Ernteerträge erst mal wieder reinholen muss.

Erich Weckmüller

Offiziell ist die Umstellungszeit vorbei.

Die Weckmüllers verkaufen ihre Milch schon längst als Bio-Milch an die Upländer Bauernmolkerei und ihr überschüssiges Futtergetreide als Bio-Futter. Auch ein Gewächshaus gibt es inzwischen. Nur die Kühe haben sich noch nicht so ganz an die neuen Gegebenheiten angepasst. Familie Weckmüller muss sie behutsam ans Leben im Freien gewöhnen. Zunächst kommen die Tiere auf eine Fläche neben dem Stall und erst später auf die Weide.

Mit den Feldfrüchten war es anfangs nicht einfach. "Im Ackerbau haben wir zwei Jahre nichts verdient", sagt der 33-jährige Juniorchef. Erst war es zu nass, dann zu trocken. Er musste sich erst reindenken in den Bio-Landbau.

Die Kühe geben jetzt weniger Milch als früher. Das ist normal für Bio-Kühe, die sich viel bewegen und vor allem Gras fressen, nicht Kraftfutter aus Getreide. Weckmüllers Tiere waren aber noch nie Hochleistungskühe: 7.000 Liter gab jede Kuh früher im Schnitt pro Jahr – das ist nicht besonders viel für einen konventionellen Betrieb. Manche "Turbokühe" bringen es schon aufs Doppelte.

Erich Weckmüller tätschelt ein Jungrind. Hörner hatten sie schon immer, seine Kühe. Schon vor der Umstellung auf Bio. Klappt das? "Ab und zu müssen wir halt mal einen Unruhestifter aus der Herde nehmen." Wenn es darum geht, Tiere abzugeben, sind sich Senior- und Juniorchef nicht immer einig. Sascha Weckmüller möchte mehr selektieren, um die Züchtung zu verbessern. Für seinen Vater ist eine kranke Kuh einfach ein Fall fürs Homöopathiebuch. Er trennt sich ungern von einem seiner Tiere. Die Homöopathie hat es ihm angetan.

Alternative Tiermedizin soll für Bio-Bauern ohnehin erste Wahl sein, Antibiotika dürfen nur ausnahmsweise verabreicht werden – und auf keinen Fall zur reinen Vorbeugung gegen Erkrankungen. Die Weckmüllers wollen aber ganz ohne Antibiotika auskommen. Erich Weckmüller ist stolz: "Unser Betrieb ist seit fünf Jahren penizillinfrei."

Anfangs wurden die Weckmüllers von ihren konventionellen Kollegen belächelt. Inzwischen haben es ihnen einige nachgemacht und ebenfalls auf Bio umgestellt. Es tut sich etwas im Hunsrück. Für Familie Weckmüller kommt eine Rückkehr zur konventionellen Landwirtschaft nicht mehr infrage. Kühe wieder einsperren? Niemals! "Dann hören ­wir lieber ganz auf", sagt Sascha Weckmüller.

››› Julia Romlewski, Bioland e.V.

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