Häufige Fragen: Palmöl

Palmöl ist das in der Lebensmittelherstellung am meisten verwendete pflanzliche Öl. In vielen täglich konsumierten Produkten findet sich Palmfett.

Gleichzeitig werden Verbraucher immer wieder durch Meldungen verunsichert, in denen über Urwaldrodungen für den Ölpalmenanbau in Südostasien berichtet wird.

Auf diesen Seiten möchten wir Sie über die Situation auf den ökologischen Plantagen und bei Bio-Lebensmitteln informieren.

Was ist Palmöl und wofür wird es verwendet?

Wie wird Palmfett gewonnen?

Was ist der Vorteil von Palmöl?

Was ist der Unterschied zwischen Bio-Palmöl und konventionellem Palmöl?

Welche Alnatura Produkte haben Palmfett als Zutat?

Kann auf Palmöl verzichtet werden?

Woher beziehen die Hersteller der Alnatura Produkte ihr Palmöl?

Werden direkt oder indirekt Urwaldflächen für Alnatura Produkte zerstört?

Müssen Orang-Utans oder andere Tiere für Bio-Palmöl weichen?

Bio-Diesel und Bio-Palmöl: Ist das das Gleiche?

Im Internet findet man kritische Meinungen zu Bio-Palmöl. Wie steht Alnatura dazu?

 

 

Was ist Palmöl und wofür wird es verwendet?

Palmöl (Synonym Palmfett) ist ein pflanzliches, von Natur aus festes Fett. Es wird aus den Früchten der Ölpalme gewonnen und unter anderem bei der Lebensmittelherstellung verarbeitet. Vor allem Lebensmittel, für die eine gute Streichfähigkeit notwendig ist, enthalten Palmfett (zum Beispiel Margarine, Schokocremes, aber auch Produkte wie Kekse).

Auch in Kosmetika, Waschmitteln, Kerzen und zahlreichen anderen Produkten wird Palmfett verarbeitet. Greenpeace und der WWF schätzen, dass mittlerweile jedes zweite Produkt im Supermarkt Palmfett enthält. Da die Früchte der Ölpalmen im Vergleich zu anderen Ölfrüchten den höchsten Flächenertrag haben, wird Palmöl zunehmend auch als sogenanntes Bio-Diesel (vergl. Frage "Bio-Diesel und Bio-Palmöl: Ist das das Gleiche?") für Fahrzeugmotoren eingesetzt. Staatliche Förderprogramme in vielen Ländern, auch in der EU, unterstützen diesen Trend.

Rund 85 Prozent der weltweit benötigten Mengen stammen aus Indonesien und Malaysia. Vom gesamten erzeugten Palmöl werden weltweit 68 Prozent und in Deutschland rund 40 Prozent für die Lebens- und Futtermittelherstellung verwendet. Deutlich weniger als ein Prozent des global verwendeten Palmöls wird in Bio-Qualität gewonnen, es stammt hauptsächlich aus Brasilien und Kolumbien.

Wie wird Palmfett gewonnen?

Palmfett (auch Palmöl genannt) wird aus den ölhaltigen Früchten der in Asien, Afrika und Lateinamerika beheimateten Ölpalme gewonnen. Die kleinen orangeroten Früchte werden zunächst mit Dampf sterilisiert und dann gepresst. Anschließend werden Farb-, Geschmacks- und Geruchsstoffe entzogen, so ist das Fett vielseitig einsetzbar.

 

 

Was ist der Vorteil von Palmöl?

Palmfett gewährleistet vor allem die Streichfähigkeit von Produkten, wie sie gerade für Margarine, Schokocremes oder andere Brotaufstriche erforderlich ist. Palmfett ist darüber hinaus – neben Kokosfett – das einzige pflanzliche Fett, das bei Zimmertemperatur eine feste Konsistenz aufweist. Durch diese Eigenschaft ist es für Produkte geeignet, für die sonst ein gehärtetes Fett eingesetzt werden müsste. Häufig werden wir gefragt, warum nicht anstelle von Palmfett Butter in Produkten eingesetzt wird. Gegenüber Butter hat Palmfett einen großen Vorteil: Es ist sehr lange haltbar, d. h. Palmfett wird nicht so schnell ranzig. Und: Butter ist tierischen Ursprungs und kommt damit für immer mehr Konsumenten, die sich vegan ernähren, nicht in Frage.

Ein weiterer Vorteil von Palmfett: Es ist geschmacksneutral, anders als zum Beispiel Kokosöl, das meist eine eigene Geschmacksnote mitbringt. Weil Palmfett besonders hitzestabil ist, eignet es sich sehr gut zum Backen, Braten und Frittieren.

Was ist der Unterschied zwischen Bio-Palmöl und konventionellem Palmöl?

Die wesentlichen Unterschiede bei der Erzeugung von Bio-Palmöl und konventionellem Palmöl sind:

  1. Bio-Ölpalmen werden auf bereits zuvor landwirtschaftlich genutzten Flächen angebaut,
  2. es kommen keine Pestizide zum Einsatz und
  3. die Produzenten von Bio-Palmöl übernehmen soziale Verantwortung für ihre Mitarbeiter und Bauern.

Die Alnatura Herstellerpartner beziehen ihr Bio-Palmöl zum großen Teil aus dem Norden Kolumbiens, Die dortigen Plantagen wurden ausschließlich auf Flächen angebaut, die bereits vorher landwirtschaftlich (meist als Weideflächen) genutzt wurden. Damit wird sichergestellt, dass kein Urwald oder Primärwald vernichtet wird.

Der Bio-Ölpalmenanbau trägt zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und der Artenvielfalt bei. Im ökologischen Palmöl-Anbau ist der langfristige Erhalt der Bodenfruchtbarkeit ein zentraler Aspekt. Die Düngung mit natürlichen Komponenten wie Kompost steht dabei im Vordergrund. Die permanente Bodenbedeckung spielt eine wichtige Rolle. So wird Erosion aber auch unerwünschte Wasserverdunstung vermieden. Darüber hinaus reichern Leguminosen, das sind nährstoffreiche Pflanzen, auf natürliche Weise den Boden mit dem für die Ölpalmen wichtigen Stickstoff an. Eventuell zu stark wachsende Beikräuter halten die Bauern ausschließlich mit der Machete im Zaum.

Zur Eindämmung von Krankheiten und Schädlingen verwenden sie lediglich natürliche Mittel, zum Beispiel Nutzinsekten, natürliche Pilze oder Bakterien. Daabon Organic aus Kolumbien ist der führende Bio-Palmölproduzent. Seit 1994 beliefert das Familienunternehmen die deutsche Bio-Branche, auch die meisten Alnatura Herstellerpartner. Daabon zahlt seinen Mitarbeitern Löhne, die über dem Mindestlohn liegen. Die Kleinbauern, die auf eigenen Flächen Ölpalmen im Auftrag von Daabon kultivieren, haben mit Unterstützung von Daabon sogenannte Alianzas (Gemeinschaften) gegründet, die für sie von hoher wirtschaftlicher und sozialer Bedeutung sind. Daabon bringt sich durch Abnahmegarantien und verschiedenste soziale Engagements (u. a. Schulen, medizinische Zentren) in die Kooperation mit den Alianzas ein. Seit 1992 ist Daabon ECOCERT bio-zertifiziert.


Welche Alnatura Produkte haben Palmfett als Zutat?

Auf den Alnatura Produktseiten geben wir Auskunft über unsere Produkte und sämtliche Zutaten. Zur Produktsuche


Kann auf Palmöl verzichtet werden?

Die Umwelt- und Naturschutzorganisation WWF kommt in ihrer 2016 veröffentlichten Studie Auf der Ölspur– Berechnungen zu einer palmölfreien Welt zu einer eindeutigen Aussage: „Der 1:1-Ersatz von Palmöl durch andere tropische Pflanzenöle führt nicht zu den gewünschten Zielen.“ Da Kokosöl ähnliche Eigenschaften wie Palmöl hat, käme verstärkt Kokosöl zum Einsatz. Doch Kokosnüsse und auch Sojabohnen wachsen in den gleichen oder ökologisch ähnlich sensiblen Regionen wie die Ölpalme. Damit würde das Problem nicht gelöst, sondern nur verlagert oder gar verschlimmert. Zum anderen benötigten andere Öle aus Kokos und Soja sowie heimischem Raps und Sonnenblume die 5-fache Anbaufläche, um die in Deutschland verbrauchte Menge Palmöl zu ersetzen. Hierdurch entstünden erheblich mehr Treibhausgasemissionen und es wären auch viel mehr Tiere und Pflanzen bedroht.

Die Empfehlung des WWF lautet deshalb: Bewussteres Einkaufen und eine ausgewogene Ernährung, konkret heißt das weniger Süßes und Fettiges, frische Lebensmittel statt Fertigprodukte, weniger und dafür besseres Fleisch. Greenpeace empfiehlt den Kauf von Bio-Lebensmitteln, weil hier Bio-Palmöl eingesetzt wird.


Woher beziehen die Hersteller der Alnatura Produkte ihr Palmöl?

Weltweit gibt es vor allem zwei Bio-Palmöl-Produzenten, die die Bio-Branche mit ausreichend und konstanten Mengen versorgen: Agropalma aus Brasilien und Daabon Organic aus Kolumbien. Die meisten unserer Herstellerpartner verwenden Palmfett von Daabon Organic. Dieses Familienunternehmen ist seit 1992 bio-zertifiziert. Die Bio-Plantagen entsprechen den Anforderungen an eine ökologische und soziale Wirtschaftsweise und werden von den internationalen Bio-Zertifzierern als sehr gut bewertet.


Werden direkt oder indirekt Urwaldflächen für Alnatura Produkte zerstört?

Nein. Der ökologische Ölpalmen-Anbau schließt die Rodung von Primär- oder Urwäldern aus. Das ist auch einer der Gründe, weshalb der Bio-Anteil von Palmöl nicht beliebig ausgedehnt werden kann. Die Palmöl-Lieferanten unserer Herstellerpartner kultivieren Ölpalmen nur auf solchen Flächen, die vorher bereits landwirtschaftlich genutzt wurden (zum Beispiel als Weideland).

 

Müssen Orang-Utans oder andere Tiere für Bio-Palmöl weichen?

Nein. Die Ölpalm-Plantagen wachsen nur auf bereits vorher landwirtschaftlich genutzten Flächen, d. h. kein Wald muss den Ölpalmen weichen. Damit wird die bestehende Artenvielfalt erhalten und teilweise sogar erhöht.

Übrigens: Die mit Abstand größten Mengen an Bio-Palmöl stammen aus Südamerika, Orang-Utans leben jedoch ausschließlich in Indonesien.


Bio-Diesel und Bio-Palmöl: Ist das das Gleiche?

Nein. Die Vorsilbe "Bio-" in Bio-Diesel wird in einem anderen Zusammenhang genutzt: Im Gegensatz zu den fossilen Ausgangsmaterialien für die Treibstoff-Herstellung (Erdöl und Erdgas) werden für Bio-Diesel nachwachsende, d. h. pflanzliche Rohstoffe genutzt. "Bio-" weist hier nur auf den Zusammenhang mit der pflanzlichen Materie hin. Es sagt nicht aus, dass die Rohware für Bio-Diesel nach den Methoden des ökologischen Landbaus produziert worden ist.

In der EU gilt eine Beimischungspflichvon Kraftstoffen pflanzlichen Ursprungs sowohl für Diesel als auch für Benzin. Deshalb enthält Dieselkraftstoff auch einen Anteil Bio-Diesel, in der Regel hergestellt aus Raps- und Palmöl. Benzin enthält entweder fünf oder zehn Prozent (E10) Ethanol, dieses wird aus Mais, Zuckerrohr oder Weizen gewonnen. Die EU hat beschlossen, bis 2020 zehn Prozent ihres Treibstoffverbrauchs durch nachwachsende Rohstoffe zu decken. Vor diesem Hintergrund gilt: Autofahren mit Diesel oder Benzin unterstützt den großflächigen Anbau von Ölpalmen und anderen Energiepflanzen. Umweltverbände wie der WWF und Greenpeace bezeichnen die Beimischungspflicht der EU als ökologisch unsinnig.


Im Internet findet man kritische Meinungen zu Bio-Palmöl. Wie steht Alnatura dazu?

Im März 2010 hatte eine Reportage des TV-Magazins "Report Mainz" über den kolumbianischen Bio-Palmölproduzenten Daabon eine Diskussion über die ökologischen und sozialen Bedingungen bei der Gewinnung von Palmöl ausgelöst. Landvertreibung, Regenwaldabholzung und Umweltzerstörung – die Vorwürfe von "Report Mainz" gegen Daabon waren schwerwiegend. Alnatura hat keine direkten Geschäftsbeziehungen zu dem kolumbianischen Unternehmen, die Hersteller verschiedener Alnatura Produkte beziehen jedoch Bio-Palmöl von Daabon. Weil wir größten Wert auf die Einhaltung ökologischer und sozialer Kriterien bei der Erzeugung von Bio-Rohstoffen für unsere Produkte legen, hatten wir unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe zusammen mit unseren Herstellerpartnern die Situation vor Ort in Kolumbien untersucht.

Damals (und auch heute) kamen wir zu dem Ergebnis, dass die Arbeit von Daabon auf ihren Bio-Plantagen unter ökologischen und sozialen Aspekten als sehr gut bewertet werden kann. Die unabhängige Öko-Kontrollstelle EcoCert kam ebenfalls zu einem positiven Befund. Seit 1992 ist Daabon bio-zertifiziert.

Im Nachgang der Berichterstattung haben sich die Vorwürfe als haltlos erwiesen. Dass es überhaupt zu diesen Vorwürfen gekommen ist, ist im Kontext der jahrzehntelangen Konflikte zwischen Staat, Grundbesitzern, Guerilla, Bauern und Bevölkerung und deren jeweiligen Interessen zu sehen. Auch hat sich herausgestellt, dass die Fernsehbilder von brandgerodeten Flächen nicht von der Finca Las Pavas, sondern von einer unmittelbar daneben liegende Finca, die nicht zu Daabon gehört, stammten.   

Weil die damalige Situation eine breite öffentliche Resonanz hervorgerufen hatte, haben seit 2010 verschiedenste Medien Hintergrundberichte zum Bio-Palmöl aus Kolumbien veröffentlicht. Zum Beispiel die Zeitschrift natur & kosmos. Sie spricht in ihrem Artikel vom Februar 2011 von "Tropfen für Tropfen Tropenschutz". Oder der TV-Sender Deutsche Welle, der in seinem Beitrag von April 2012 berichtete: "Der umstrittene Rohstoff Palmöl wird in Kolumbien klimafreundlich produziert".