grund.stein Tübingen

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Wer vermutet, dass es in einer Rehabilitationseinrichtung für psychisch erkrankte junge Erwachsene laut und hektisch zugehen muss, der irrt: Ganz ruhig und harmonisch kommen die Räumlichkeiten und Menschen daher. "Die meisten sind in der Gruppentherapie oder beim Einkauf", sagt Monika Stuhlinger, leitende Ärztin des psychiatrisch-psychotherapeutischen Rehabilitationszentrums grund.stein in Tübingen. Die Einrichtung bietet Platz für rund 20 Menschen zwischen 18 und 35 Jahren, die nach einer Akutbehandlung die Möglichkeit des Wiedereinstiegs in ein selbstständig geführtes Leben bekommen sollen.

Stuhlinger führt durch den erst vor knapp drei Jahren entstandenen Gebäudekomplex, in dem Privatpersonen, Gewerbetreibende und die Rehabilitanden zwar räumlich getrennt, aber doch unter einem Dach leben und arbeiten. Gerade dieser integrative Ansatz des Zusammenlebens war den Verantwortlichen wichtig, als sie in das neue Gebäude umzogen. Bis zum Oberbürgermeister sei man damit gegangen, um nicht "auf der grünen Wiese zu landen". Der sanierte, zur Reha gehörende Trakt des Hauses ist bewusst offen gestaltet: Viel Glas, viel Tageslicht und zahlreiche Naturmaterialien im Wohn- und Arbeitsbereich erwecken eher den Eindruck eines Studentenwohnheims. "Man könnte uns beim ersten Blick nicht davon unterscheiden. Und das ist auch gut so", sagt Monika Stuhlinger augenzwinkernd. Die Arbeitstherapieräume sind mit zahlreichen Handwerksmöglichkeiten ausgestattet. Dies sei aus der Erfahrung heraus eine der besten Möglichkeiten, Grundvoraussetzungen wie Sorgfalt, Konzentrations- und Kritikfähigkeit für einen (Wieder-)Einstieg in den Beruf zu trainieren, eines der Hauptanliegen der Institution. Externe Praktika in Zusammenarbeit mit den örtlichen Gewerbetreibenden und universitären Einrichtungen bereiten neben den arbeitstherapeutischen Angeboten, zu denen auch Bewegung und künstlerische Aspekte zählen, auf einen völlig selbstbestimmten Alltag vor. Angesprochen auf ihren Wunsch für die Zeit nach den Praktika wünscht sich Monika Stuhlinger ganz pragmatisch Folgeangebote in Teilzeit für die Rehabilitanden. Diese seien allerdings rar gesät, dieses "Modell" sehe die derzeitige Arbeitswelt zu wenig vor.

Zum Thema Stigmatisierung psychischer Erkrankungen erklärt Stuhlinger, dass sie sich ein Umdenken in der Gesellschaft wünsche. "Das kann jedem passieren, eine genetische Disposition ist einfach Pech", erklärt sie auf die Frage, wie es überhaupt zu einer psychischen Erkrankung kommen kann. Meist seien es biografisch einschneidende Erlebnisse, die zum Ausbruch der Krankheit führen, wie etwa der erste Liebeskummer oder die Abiturprüfung. Zudem gäbe es auch gesamtgesellschaftliche Gewohnheiten, die einzelne Krankheitsbilder begünstigen. "Viel Alkohol vertragen können" sei beispielsweise gesellschaftlich anerkannt, jedoch ein Hochrisikofaktor für Suchterkrankungen. Insgesamt sei noch zu wenig über die einzelnen Krankheitsbilder bekannt. Trifft man auf einen psychisch kranken Menschen, der aus purem Selbstschutz anders als die ihn umgebenden Menschen handelt, wird dies häufig missverstanden. Da aber gerade diese Menschen nicht in der Lage sind, ihre Situation zu erklären, sieht sich die Institution in der Pflicht, als Sprachrohr der Betroffenen zu agieren – damit in Zukunft ein vorurteilsfreier Umgang mit Krankheitsbildern wie etwa Schizophrenien oder Persönlichkeitsstörungen möglich ist.