CJD Stuttgart

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Das CJD Stuttgart bietet autistischen jungen Menschen Wohngruppen und berufliche Perspektiven.

Autismus wird den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen zugeordnet. Betroffene haben Schwierigkeiten in der Kommunikation und in sozialen Interaktionen sowie eine eingeschränkte Vorstellungskraft – in unterschiedlich schwerer Ausprägung. Durch individuelle Förderung können Fortschritte in der wechselseitigen Kommunikation ­erzielt werden.

Das Christliche Jugenddorfwerk Deutschland, kurz CJD, ist ein gemeinnütziger Verein, dessen Anliegen es ist, jungen und erwachsenen Menschen Orientierung und Zukunftschancen zu bieten. Das CJD Stuttgart mit Sitz im Ortsteil Feuerbach ist unter anderem auf die Arbeit mit autistischen jungen Menschen spezialisiert. Da eine unbegleitete Ausbildung für die meisten Menschen mit dieser Störung nicht möglich wäre, bildet das CJD seit 2005 in eigenen Werkstätten aus, zum Beispiel in den Bereichen Bau- und Metallmaler, Metall- und Holztechnik oder Garten- und Landschaftsbau. Einige leben außerhalb der Arbeit in kleinen Wohngruppen zusammen und sollen in der Gemeinschaft lernen, den Alltag in dem für sie möglichen Rahmen selbst zu gestalten und zu bewältigen. Dass dies ganz eigene Herausforderungen mit sich bringt, zeigt sich schon in der Zimmerausstattung, die bei Einzug bewusst neutral gehalten wird. "Möglichst reizarm" sollte alles sein, sagt Sarah Eiseler, Erzieherin in einer der Wohngruppen, damit der Bewohner seinen Rückzugsort auch als solchen versteht.

Autistische Menschen sehen die Welt mit anderen Augen als Nicht-Autisten; Kommunikation und soziale Interaktion sind ihnen größtenteils fremd. Gegenständlich orientiert meistern sie typische Alltagssituationen im Grunde nur durch Nach­ahmung. "Hallo, wie geht’s?" ist der Satz, den Psychologe Bernd Zysik vom Fachdienst Autismus in seiner Arbeit mit den jungen Menschen am häufigsten hört. Floskeln werden antrainiert, damit das Anderssein nicht auffällt: Um Blickkontakt zu vermeiden, kann auch prima zwischen die Augenbrauen geschaut werden. Dass Nachahmung aber auch schiefgehen kann, zeigt sich im Begrüßungsritus des Händeschüttelns: So kann es passieren, dass ein Autist einem bei praktisch jeder Begegnung die Hand schüttelt, auch wenn man ihn bereits mehrfach am Tag getroffen hat. Umgekehrt ist es genauso möglich, dass derselbe Jugendliche, der einem zuvor noch die Hände geschüttelt hat, an der Bushaltestelle neben einem steht und nun keinerlei Kontakt mehr sucht. Er erkennt den Menschen neben sich schlichtweg nicht wieder, denn dieser befindet sich außerhalb des für ihn normalen Umfeldes.

Bei der Begegnung mit den jungen Autisten fällt sofort die unterschiedliche Ausprägung verschiedener Verhaltensweisen auf: Ist der eine darauf bedacht, möglichst lässig vom Graffiti seines Mitbewohners zu berichten, steht der nächste mit gehörigem Abstand daneben, schüttelt geistesabwesend den Kopf und entzieht sich der Situation. Aus diesem Grund spricht die Fachwelt auch von Autismusspektrumsstörungen und lehnt enge Kategorisierungen ab. Ganz nach dem Motto Bernd Zysiks: "Kennst du einen Autisten, kennst du einen Autisten."

Angekommen im Betrieb für Holztechnik berichten die Werkstattleiter vom überdurchschnittlichen Engagement der Auszubildenden: "Wenn die sich was in den Kopf gesetzt haben, sind sie nicht zu bremsen." Ein Jugendlicher hatte sich beispielsweise vorgenommen, ein eigenes Bett zu schreinern, was jedoch aufgrund des hohen Materialbedarfs so nicht möglich gewesen wäre. Kurzerhand fuhr er in seine Heimatstadt, packte mehrere Scheite Holz auf einen Mini-Rollwagen und transportierte diesen mit öffentlichen Verkehrsmitteln bis hin zur Werkstatt.

Und was wünschen sich die jungen Menschen am meisten? "Sein wollen wie andere", meint Psychologe Zysik. "Aus der Sicht der Autisten besteht kein Unterschied zu den anderen Menschen und allein das Wort Autismus ist ihnen zuwider." Was kann daran falsch sein, wenn man eine Straße entlangläuft und dabei mit Vorliebe Rechenaufgaben aus Autokennzeichnen bastelt? Und wenn der Schnürsenkel nicht korrekt auf dem Schuh liegt, ist dies eben ein Grund, nicht weiterlaufen zu wollen, bis der "Fehler" behoben ist.

Hier können sich Hilfesuchende und Betroffene hinwenden:
CJD Stuttgart, Katharina und Kurt Heermann-Jugenddorf,
Fachdienst Autismus, J. Alice Ehlich, Bernd Zysik,
Wiener Straße 260, 70469 Stuttgart, Telefon 0711 13549117,
fachdienst-autismus@cjd-stuttgart.de