Der Biber ist ein Vegetarier

Die Münchener Kreisgruppe des Bund Naturschutz ist in Stadt und Landkreis München bei unzähligen Projekten aktiv.

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Martin Hänsel, stellvertretender Geschäftsführer der Münchner Kreisgruppe des Bund Naturschutz, greift tief in seinen "Biber-Rucksack" und holt einige Präparate dieses erstaun­lichen Wildtieres heraus. Sieht man das dichte und seidig glänzende Fell, kann man sich vorstellen, dass die Tiere früher wegen dieser Kostbarkeit rücksichtslos gejagt wurden. Was uns allerdings heute fasziniert, sind die rötlichen, extrem scharfen und lebenslang nachwachsenden Schneidezähne, mit denen der Biber in der Lage ist, binnen einer Nacht Bäume im Durchmesser von circa 15 Zentimetern zu fällen. Das tut er vor allem, um an die nahrhafte Rinde dünner Zweige und Äste der Baumkrone zu gelangen. Aber auch Gräser, Schilf und Kräuter schmecken dem Biber – nur Fisch hat der vegetarische Nager nie auf dem Speiseplan, ein weit verbreiteter Irrglaube. Einige der abgenagten Bäume und Äste finden anschließend Verwendung als Baumaterial. Mit seinen Dammbauten betreibt der Biber aktiven Hochwasserschutz. Und falls es zu Konflikten zwischen Biber und Mensch kommt, greift das bayernweite Biber-Management. Solch spannende Geschichten aus der "Biberwelt" vermittelt Martin Hänsel vor Ort an Münchner Schulklassen. Aus aktuellem Anlass: Der große Nager hat sich seit einigen Jahren wieder im Münchner Stadtgebiet angesiedelt. Mit Exkursionen dieser Art wird Verständnis für die heimische Tier- und Pflanzenwelt sowie deren Lebensräume geschaffen. Eine klassische Aufgabe der Umweltbildung, in der der Bund Naturschutz – der bayerische Landesverband des BUND – aktiv ist. Dazu gehören Naturerlebnistage mit Kitas ebenso wie Vorträge über Umweltthemen oder Exkursionen für Bürger in Stadt und Umland.

Im Blick hat die Münchner Kreisgruppe aber noch vieles mehr. Unzählige Ehrenamtliche setzen sich mit der Unterstützung von zehn hauptamtlichen Mitarbeitern und einigen Honorarkräften für alle ökologischen Themen auf regionaler und lokaler Ebene ein. Dazu gehört ein politisches Eintreten für die Energiewende ebenso wie für eine ökologisch sinnvolle Stadtplanung. Man legt Konzepte zum Nahverkehr vor und kümmert sich um den Baumschutz im Stadtgebiet. Die Bürger können sich mit allen Fragen zum Umweltschutz an die Kreisgruppe wenden und erhalten außerdem auf der Website und in verschiedenen Printmaterialien viele Informationen. Tatkräftig setzen sich Ehrenamtliche zum Beispiel im Frühjahr zur Zeit der Krötenwanderung ein: Sie stellen Krötenzäune auf und helfen dabei, die Tiere, die sonst zu Hunderten überfahren würden, über die Straße zu bringen. Besonders am Herzen liegt den Münchnern auch das Thema ökologische Landwirtschaft beziehungsweise "ökologisch Essen". Die Projektstelle gleichen Namens berät Großküchen von Unternehmen, Verwaltungen und sozialen Einrichtungen bei der Umstellung des Kantinenessens auf Bio. Außerdem gibt die Projektstelle als Service für interessierte Bürger einen Einkaufsführer mit allen Bio-Adressen in München und dem Umland heraus.

Von zentraler Bedeutung ist für den Bund Naturschutz die politische Unabhängigkeit. Diese wird vor allem durch eine Finanzierung durch Mitgliedsbeiträge und Spenden garantiert. Dadurch ist man von öffentlichen Geldern unabhängig. "Wir müssen als unabhängige Instanz auch immer darauf achten, dass die Behörden ihre Arbeit gut machen", betont Martin Hänsel und berichtet anschaulich von einem Beispiel für ein erfolgreiches Einwirken auf die Politik.

Im vergangenen Jahr wollte das Baureferat München im oberen Isartal umfangreiche Baumaßnahmen an den steilen Felswänden des ehemaligen Flussbetts durchführen. Das Tal – ein ausgewiesenes Flora-Fauna-Habitat-Schutzgebiet – wird von vielen Fachleuten als eines der wertvollsten Biotope der Stadt eingeschätzt. Die Baumaßnahmen sollten trotz ungeklärter Rechtslage und ohne jede Beteiligung von Umweltverbänden und Naturschutzbehörden durchgeführt werden. Der Bund Naturschutz erwirkte einen Baustopp im gerichtlichen Eilverfahren. Der bayerische Verwaltungsgerichtshof bestätigte den Baustopp und entschied, dass vor einer Bautätigkeit in jedem Fall eine naturschutzrechtliche Verträglichkeitsprüfung erforderlich ist. Für den Uhu, der hier sein Revier hat, ist das erst mal eine gute Perspektive.