Terminator-Technologie

Es ist ein lang gehegter Traum der Agro-Industrie: Keine Prozesse mehr wegen Patentverletzungen führen müssen, weil Samen von Kulturpflanzen von vornherein so gezüchtet sind, dass ihre eigenen Samen nicht mehr keimfähig und vermehrbar sind. Informieren Sie sich, wie dieses Gruselszenario mit der sogenannten Terminator-Technologie Wirklichkeit werden könnte.

Terminator-Technologie

Schon heute sichern nicht vermehrungsfähige Hybridzüchtungen der konventionellen Saatgutindustrie gute Gewinne: Statt es selbst zu vermehren (Nachbau), müssen die Bauern das Saatgut jedes Jahr neu kaufen. Auf lange Sicht noch mehr Gewinne versprechen sich Agro-Konzerne allerdings durch gentechnisch veränderte Pflanzen.

Patente auf Leben
Genveränderte Organismen (GVO) sind ausnahmslos patentiert und dürfen deshalb keinesfalls nachgebaut werden. Wer transgene Pflanzen nutzen will, muss das Saatgut dafür in jeder Saison neu kaufen. Dennoch: Patente laufen nach 20 bis 30 Jahren aus; und zudem kostet es die Saatgutindustrie viel Geld und im Zweifel aufwändige Prozesse, um das Einhalten der Patentvorschriften zu kontrollieren. Deshalb wäre es für die Agro-Konzerne ideal, wenn sie genveränderte Pflanzen von vornherein so anlegen könnten, dass ein Nachbau unmöglich ist. Die sogenannte Terminator-Technologie soll dies möglich machen.

Das Ende von Vielfalt: Terminator-Technologie
Dabei wird die Pflanze gentechnisch so manipuliert, dass sie keine keimfähigen Samen mehr hervorbringen kann. Zwar keimt das Saatgut einmalig aus, und die Pflanze wächst, doch die dann geernteten Samen sind steril. Auf diese Weise könnte sich ein Saatgutkonzern, der das Patent auf Pflanzen mit Terminator-Technologie hält, die maximale Abhängigkeit der Landwirte von seinem Saatgut sichern.

Weltweite Proteste
Könnte. Denn noch befindet sich die Terminator-Technologie im Versuchsstadium und ist nicht in Freilandversuchen getestet oder zugelassen. Die US-Regierung, die in Zusammenarbeit mit dem Saatgutkonzern Delta & Pine Land diese Technologie in den 1990er Jahren erstmals erforschte, wollte damit laut einem Sprecher des US-Landwirtschaftsministeriums "den Wert patentierten Saatguts von US-Konzernen steigern und neue Märkte in Ländern der Zweiten und Dritten Welt erobern". Nach weltweiten Protesten gegen die Terminator-Technologie formulierte im Jahr 1999 die Ethikkommission der UN-Welternährungsorganisation FAO eine eindeutige Position: Es sei inakzeptabel, Saatgut zu verkaufen, dessen Ernte die Bauern nicht zur Wideraussaat verwenden können.

Moratorium gegen Terminator-Technologie
Seit mehr als zehn Jahren gilt deshalb ein – rechtlich allerdings nicht verbindliches - Anbau-Moratorium für Pflanzen mit Terminator-Technologie. Die Forschungsarbeit der Agro-Konzerne ist davon allerdings nicht betroffen; sie wird sogar mit EU-Geldern unterstützt. Das absurde Argument für diese Forschung: Umweltschutz. Denn die Terminator-Technologie, so die Argumentation, könne die mittlerweile weltweit auftretenden Verunreinigungen von Äckern und Lebensmitteln durch transgene Pflanzen stoppen. Eine doppelt falsche Argumentation. Denn erstens ist die Agro-Gentechnik ja gerade die Ursache dieser Kontaminationen, und zweitens bietet die Terminator-Technologie keinen Schutz vor der Auskreuzung – die Pollen dieser Pflanzen können genauso wie die anderer transgene Pflanzen Nachbarfelder verunreinigen. Da Länder wie die USA, Kanada und Australien das Moratorium gegen die Terminator-Technologie ohnehin nie unterzeichnet haben, droht in den kommenden Jahren neue Gefahr für den Erhalt der Vielfalt.