Konzentrationsprozesse verhindern Vielfalt

Die Saatgutindustrie ist im Umbruch. Weltweite Konzentrationsprozesse führen dazu, dass eine Handvoll Konzerne den weltweiten Saatgutmarkt dominiert. Lesen Sie mehr darüber, warum dieses Oligopol zu einem Verlust von genetischer Vielfalt führt.

Rapsfeld

Vor 30 Jahren gab es weltweit mehr als 7.000 eigenständige Saatgutfirmen. Keine davon hatte einen Marktanteil von über einem Prozent. Heute kontrollieren zehn Konzerne knapp zwei Drittel des weltweiten Saatgutmarktes. Die drei größten davon  - Monsanto, DuPont und Syngenta – sind gleichzeitig die drei größten Agro-Chemiekonzerne weltweit. Ihr erklärtes Ziel ist es, in ein paar Jahren nur noch einige wenige patentierte Sorten auf dem Markt zu haben.

Hohe Entwicklungskosten
Die Entwicklung einer transgenen Pflanze bis zur Marktzulassung ist langwierig und kann bis zu 50 Mal mehr kosten als die Züchtung einer konventionellen Linie. Die Investitionen von rund 60 bis 80 Millionen Euro rechnen sich nur, wenn eine transgene Pflanze entsprechend am Markt verbreitet ist. Darum setzen die Gentechnik-Konzerne vor allem auf jene Pflanzenarten, die weit verbreitet sind und einen großen Marktwert haben: Mais, Soja, Raps und Baumwolle.  Die Folge ist eine patentierte Gleichförmigkeit auf den Äckern.

Gentechnik als Chance auf Monopole
Das Interesse der Agro-Chemiebranche am Saatgut begann, als Anfang der 1980er Jahre der Umweltschutz zu einem wichtigen politischen Thema wurde und der Absatz von Pestiziden stagnierte. Gleichzeitig machten es neue Erkenntnisse der Biotechnologie möglich, im Labor Gene ins Erbgut von Pflanzen einzuschleusen. Erste Staaten – allen voran die USA – änderten ihre Patentgesetze. Fortan war es möglich, sich Eigentumsrechte auf Pflanzen, Gene und Methoden zu sichern. Das versprach den Agro-Chemiekonzernen die Chance auf ein lukratives Geschäft. Die größten und erfolgreichsten von ihnen kauften kleine Saatgutfirmen und Biotechnologie-Unternehmen auf. Heute gehören rund 90 Prozent der Patente auf transgene Pflanzen dem US-Hersteller Monsanto.

Gewaltige Konzentrationsprozesse
In den letzten zehn Jahren beschleunigte sich der Konzentrationsprozess mit der Fusion großer Unternehmen; so verschmolzen ehemals selbständige Firmen wie Pioneer und DuPont oder KWS und Limagrain zu riesigen Konzernen. Diese Marktdominanz durch einige weniger Firmen (Oligopol) wird letztlich zu steigenden Preisen bei Saatgut und großen Abhängigkeiten führen.

  1. Monsanto (USA)
    Umsatz mit Saatgut*: 4,964 Milliarden US-Dollar; Weltmarktanteil: 23 %
  2. DuPont (USA)
    Umsatz mit Saatgut*: 3,300 Milliarden US-Dollar; Weltmarktanteil: 15 %
  3. Syngenta (Schweiz)
    Umsatz mit Saatgut*: 2,018 Milliarden US-Dollar; Weltmarktanteil: 9 %
  4. Groupe Limagrain (Frankreich)
    Umsatz mit Saatgut*: 1,226 Milliarden US-Dollar, Weltmarktanteil: 6 %
  5. Land O'Lakes (USA)
    Umsatz mit Saatgut*: 917 Millionen US-Dollar, Weltmarktanteil: 4 %
  6. KWS Saat AG (Deutschland)
    Umsatz mit Saatgut*: 702 Millionen US-Dollar, Weltmarktanteil: 3 %
  7. Bayer CropScience AG (Deutschland)
    Umsatz mit Saatgut*: 524 Millionen US-Dollar, Weltmarktanteil: 2 %
  8. Sakata (Japan)
    Umsatz mit Saatgut*: 396 Millionen US-Dollar, Weltmarktanteil: < 2 %
  9. DLF-Trifolium A/S (Dänemark)
    Umsatz mit Saatgut*: 391 Millionen US-Dollar, Weltmarktanteil: < 2 %
  10. Takii (Japan)
    Umsatz mit Saatgut*: 347 Millionen US-Dollar, Weltmarktanteil: < 2 %

*Die Zahlen basieren auf einer Aufstellung der ETC-Group und beziehen sich auf das Geschäftsjahr 2007. ( Quelle: „Who Owns Nature?“ ETC-Group November 2008)