März – Kleines Imkertagebuch

Der Frühling hält Einzug und die Neu-Imkerin hat alle Hände voll zu tun

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Der Frühling hält Einzug und vermutlich haben auch die Bienen ihren Stock schon das ein oder andere Mal verlassen – um Schneeglöckchen und Salweide zu besuchen, Wasservorräte aufzufüllen oder ihren Reinigungsflug anzutreten. Für einen Imker gibt es noch nicht viel zu tun, für einen, der noch nicht einmal ein Volk hat, erst recht nicht. Könnte man meinen, stimmt aber nicht! Auch wenn die Standortfrage geklärt, die Beutenart entschieden und das wichtigste Equipment vorhanden war –, für mich galt es damals, den Garten bienenfreundlicher zu gestalten. Bis der Imkerkurs begann, dachte ich, er wäre bereits ein Paradies für Insekten jeglicher Art. Aber leider gehöre ich zu denen, die dicht gefüllte Blumen lieben – Rosen oder Dahlien beispielsweise. Doch ist es den Bienen da kaum möglich, an den Blütengrund und damit den Nektar zu kommen. Auch die leider Deutschlands Blumenkästen dominierenden Geranien taugen als Bienennahrung kaum. Sie liefern weder Nektar noch Pollen. Von Letzterem benötigt ein Bienenvolk pro Jahr stattliche 25 bis 30 Kilogramm, die Ammenbienen stellen daraus Futtersaft für die Brut her. Doch wenn man bedenkt, wie zart dieser Blütenstaub ist, und sich vorzustellen versucht, welche Blütenmassen angeflogen werden müssen, wird klar: Mein kleiner Garten allein kann kein Volk ernähren, eine giftfreie Landwirtschaft schon eher. Und doch ist ein blühendes Stück Grün sehr wichtig, nicht nur für die Honigbiene, sondern auch als Lebensraum für die anderen 560 Bienenarten, die man in Deutschland zählt, so zum Beispiel die Hummel. Also auf in den Garten. Zunächst wurde eine Rasenfläche zur Wildblumenwiese. Dafür muss die Grasnarbe grob abgetragen und die Erde mit Sand vermischt werden.

Denn: Je magerer der Boden, umso vielfältiger die Pflanzen. Kleinwüchsiger Klee, Schafgarbe und Co. sollen hier künftig stehen. Auch sieht die Beetplanung ab sofort – und konsequenter als in den letzten Jahren – Blühstreifen vor: mit Borretsch, Ringel- sowie Kornblumen, Goldmohn und einigem mehr. Für den direkten Küchennutzen wurde das Kräuterbeet erweitert; neben Salbei und Lavendel machen auch Koriander, Wiesenkümmel oder Ysop den Bienen und ihren Verwandten eine große Freude. Im Staudenbeet unverzichtbar: Fette Henne, Sonnenhut, Malven und die Flockenblume beispielsweise. Eine neu angelegte Him- und Brombeerhecke war das i-Tüpfelchen. Ganz wichtig: Die hohlen Stängel winters stehen lassen, sie sind ein beliebter Unterschlupf für Wildbienen. Überhaupt darf in solch einem naturnahen Garten gefühlte Unordnung herrschen: Totholz bleibt liegen, Stauden werden im Herbst nicht abgeschnitten und irgendwo türmt sich immer ein kleiner Laubhaufen. Schöner Nebeneffekt: Ihrem Ordnungsprinzip hinterherhinkende, gestresste Gärtner wie ich dürfen entspannen. Und wenn nun ein Bienenfreund weder Grünfläche noch Garten sein Eigen nennt? Auch Balkon und Fensterbank können vielfältig blühen, Baumscheiben oder kleine Dächer gar bepflanzt werden. Denn die Imker allein können kein Bienenparadies schaffen – so viel ist sicher, da braucht es die Unterstützung vieler.

››› Anja Waldmann