August – Kleines Imkertagebuch

Das Bienenjahr neigt sich seinem Ende zu.

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Auch wenn es in den Gärten, Parks und Wiesen noch wunderbar blüht, für die Bienen reicht das nicht mehr aus. Astern, Borretsch oder auch Goldrute liefern bei Weitem nicht mehr so viel Nektar und Pollen, wie es beispielsweise Sal-Weide, Obstbaumblüte oder der Raps im Frühjahr und zeitigen Sommer ­taten. Das Volk verkleinert sich, die Zahl der Brutwaben nimmt deutlich ab und die Bienen stimmen sich auf den Winter ein. Selbst ein Anfänger wie ich kann das erkennen. Man sagt, die Bienen, die jetzt schlüpfen, sind Winterbienen. Sie leben bis zu sieben Monate (zum Vergleich: Eine Arbeitsbiene im Sommer wird oft nicht älter als drei bis sechs Wochen), überwintern und sind dann die Ammen der nächsten Frühjahrsbrut. Damit sie gut über den Winter kommen, ist nun die Aufgabe des Imkers, für ausreichend Futter zu sorgen. Vorausgesetzt, dass man ihnen ihren eigens dafür geschaffenen Honigvorrat entnommen hat. Stattliche 15 bis 20 Kilogramm Futter benötigt ein Volk. Die meisten Imker geben dieses in Form von Zucker. Bei mir bleibt da ein ungutes Gefühl, denn Honig ist bekanntlich mehr als eine reine Glukoselösung. So sehen es auch wesensgemäß arbeitende Imker, die den Bienen daher einen Teil ihres eigenen Honigs überlassen. Auch mein Kompromiss ist daher eine Honig-Zucker-Mischung. Damit dürften sowohl die Bienen gut versorgt sein, als auch genügend Honig für die eigene Familie verbleiben.

Doch es gibt eine weitere Aufgabe, die den Imker ab Hoch­sommer bis in den Winter hinein beschäftigt: Die Bienen brauchen unsere Unterstützung beim Kampf gegen die Varroa­milbe (Varroa destructor). Das heißt, eigentlich kämpft die europäische Honigbiene Apis mellifera gar nicht, sondern ist dem Parasit völlig unterlegen. Ganz anders übrigens als beispielsweise ihre asiatische Verwandte Apis cerana – sie hat einen Evolutionsvorsprung und kann mit den Milben leben. Nach Europa kam der kleine braune und mit dem bloßen Auge sichtbare Parasit vor einigen Jahrzehnten, in Deutschland wurde die Milbe erstmals 1977/78 nachgewiesen. Ihre Strategie: das Einschleusen in eine Brutzelle, wo sie sich zunächst vom Futtersaft und später direkt von der Made ernährt. Dort vermehrt sich die Milbe und die aus der befallenen Wabe schlüpfende Jungbiene ist verkrüppelt und oft flugunfähig, ihr Anblick ein Jammer. Ohne eine Behandlung beispielsweise mit Milch- oder Oxalsäure würde das Volk sterben, denn es wird stark geschwächt und ist anfällig für andere Erkrankungen. Daher gehört die Varroabehandlung nun leider zu den wesentlichen Aufgaben eines jeden Imkers. Und auch wenn die organischen Säuren weitgehend unbedenklich scheinen, für ein Bienenvolk sind sie dennoch Stress und menschlicher Eingriff. Es bleibt daher spannend, wie die Imkerei der Zukunft aussehen wird.

››› Anja Waldmann