April – Kleines Imkertagebuch

Das erste "eigene" Bienenvolk hält Einzug – und ein unerwartetes Problem bereit.

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Der April ist bekanntlich ein unbeständiger Monat. Auch für mich und die Bienen hielt er im vergangenen Jahr so manche Überraschung bereit. Theoretisch und materiell war ich bestens aufs Imkern vorbereitet, doch die alles entscheidende Frage war nach wie vor ungeklärt: Woher ein Volk bekommen? Man kann die Annoncen der Imkerzeitschriften studieren, im Versandhandel bestellen oder eben den Kontakt zu Imkern der Gegend suchen. Eine schöne Erfahrung, die ich gerade bei Letzterem machte: Der noch so mürrische Imkerfreund wird redselig und unterhaltsam, wenn er auf einen Gleichgesinnten trifft. Ganz besonders, wenn dieser Anfängerfragen stellt. So kam ich ganz überraschend und kurzerhand zu einem Imkerpaten – und zu meinem ersten eigenen Volk (sofern man ein Bienenvolk überhaupt sein Eigen nennen kann). Doch dafür musste es umziehen und schon das war eine spannende Angelegenheit. Zum einen sollten alle 1.000 oder gar 2.000 Bienen in ihrer Kiste sein – an einem sonnigen Frühlingstag nicht möglich. Der Bienentransport musste daher in den ganz frühen Morgenstunden stattfinden. Hinzu kommt, dass Bienen standorttreu sind. Liegen zwischen altem und neuem Standort weniger als drei Kilometer, so werden die älteren Flugbienen zurückkehren, auch wenn an der bisherigen Stelle gar keine Beute mehr steht. Mit solchen Verlusten musste ich rechnen, denn zwischen dem ursprünglichen Bienenstock und meinem Garten war die Entfernung nicht ausreichend groß. Und doch ist der Großteil der Bienen geblieben, das Volk hatte eine ansehnliche Stärke.

Beobachtet habe ich es anfangs nur aus sicherer Entfernung – denn Respekt vor den eigentlich friedliebenden kleinen Tieren hatte ich schon. Ein sympathisches Zitat aus dem Imkerkurs half: "Es ist kein Zeichen von Schwäche, wenn man mit Imkerbluse und Schleier an ein Bienenvolk tritt. Viel wichtiger ist es, nicht aufgeregt zu sein – das würden die Bienen sonst auch werden." Also gab ich uns ein paar Tage Zeit und ließ den Bienen ihre Ruhe. Dann – gut geschützt und professionell gekleidet – der erste Blick ins Volk! Doch dort sah es so ganz anders aus als erwartet. Die Waben dicht gefüllt mit ungleichmäßigen, viel zu hohen Brutzellen. Der Imkerpate kam gleich am nächsten Tag, seine Diagnose: Drohnen- oder Buckelbrut. Das heißt, entweder stimmt etwas mit der Königin nicht oder sie ist ganz und gar verloren gegangen. Die wahrscheinliche Folge: Eine emsige Arbeiterin nimmt sich ihres Jobs an und legt Eier. Allerdings unbefruchtete, lediglich Drohnen schlüpfen daraus. Und da diese männlichen Bienen weder für neue Brut sorgen noch die vorhandene ernähren, ist das Volk dem Untergang geweiht. Wäre da nicht der Imkerpate gewesen, der wusste, was zu tun war, und sich ihrer annahm an. Mir gab er ein neues Volk, mit dem augenzwinkernden Hinweis, dass ich damit eine wichtige Lektion gleich am Anfang gelernt hätte. Ich hoffe, die anderen lassen ein bisschen auf sich warten.

››› Anja Waldmann