Mein Gemüsegarten im März

Die deutsche Schriftstellerin Bettina von Arnim (1785–1859) spricht mir aus der Seele, wenn sie schreibt: "Jetzt kommt der Frühling bald, denn in Erwartung des März habe ich keinen Respekt mehr vor dem Winter."

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Nun werden die Tage merklich länger, die Kraft der Sonne wieder spürbar und für einen Gärtner beginnt die wunderbare Zeit der Pflanzenanzucht. Es werden Fensterbretter freigeräumt, Erde in kleine Töpfchen gedrückt und zierliche Samenkörner hineingebettet. Dass es sich bei dem Saatgut um Bio-Qualität handelt, versteht sich von selbst – kein naturnaher Gärtner braucht Hochleistungssaatgut, welches auf Dünger und Pestizide angewiesen ist.

Doch das kritische Nachdenken sollte nicht erst beim Saatgut, sondern bereits beim Kauf der Anzuchterde beginnen. Ich dachte anfangs, dass eine solche Spezialerde reine Marketingstrategie sei. Aber obwohl ich immer stolz darauf bin, auf unnötigen Konsum zu verzichten und – ganz dem Kreislaufgedanken folgend – mit Vorhandenem klarkomme (in diesem Fall mit der wunderbaren Komposterde aus meinem Garten), musste ich mich eines Besseren belehren lassen: Komposterde ist zu nährstoffreich. Die zarten Pflänzchen werden regelrecht gemästet: Sie wachsen schnell und haben viel zu dünne Stängel, diese knicken um und verkümmern – ganz traurig anzusehen das Ganze. Wer Kompost- oder Gartenerde verwenden möchte, sollte sie daher mit Sand vermischen, so wird der Nährstoffgehalt auf ein verträgliches Maß reduziert.

In Ermangelung eigenen Bodens braucht man sie aber doch, die Anzuchterde. Diese sollte auf jeden Fall torffrei sein. Denn für die Gewinnung von Torf – Bestandteil der meisten handelsüblichen Erden – werden Moore trockengelegt und damit unwiderruflich Lebensraum vieler seltener Tiere zerstört. Hinzu kommt, dass beim Torfabbau jede Menge klimaschädlicher Treibhausgase freigesetzt werden. Man bekommt hierzulande nicht viel davon mit, denn die Hauptabbaugebiete liegen in Nordosteuropa. Das gilt übrigens auch für Blumen-, Tomaten- und andere Spezialerde.

Das Gärtnern im März spielt sich natürlich nicht nur auf der Fensterbank ab. Im Garten selbst gibt es auch viel zu tun. Sobald der Boden einigermaßen trocken und frostfrei ist, kann die Vorbereitung der Gemüsebeete beginnen: Eventuelle Mulchreste werden abgetragen, der Boden gelockert und Kompost, Hornspäne oder anderer organischer Dünger aufgetragen. Manches Saatgut darf – entsprechende Witterung vorausgesetzt – im März auch gleich in die Gartenerde. Dazu gehören Möhren, Pastinaken, Mangold und Spinat. Denn: "Was der Frühling nicht sät, kann der Sommer nicht reifen, der Herbst nicht ernten, der Winter nicht genießen" (Johann Gottfried Herder, 1744–1803).