Design trifft Ökologie

Seit 2014 bietet die Hochschule Darmstadt ihren Designstudenten mit dem Ökologie-Modul eine Qualifikation zum Thema Nachhaltigkeit an.

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Kurt Friedrich

Kurt Friedrich, Diplom-Industrie­designer und Geschäftsführer einer Agentur, leitet als Lehrbeauftragter das Ökologie-Modul im Fachbereich Gestaltung an der Hochschule Darmstadt. Das Alnatura Magazin hat ihn zum Gespräch getroffen. Ökologie als wichtigen Aspekt bei der Entwicklung von Designleistungen zu berücksichtigen, ist eine Grundlage für ein zukünftiges Designverständnis. Seit 2014 können Studierende der Studiengänge Industrie- und Kommunikationsdesign Ökologie als Qualifikation neben Modulen wie Typografie, Entwurf oder mehrdimensionales Gestalten belegen. Die Zusammenarbeit mit Alnatura ist Teil des Moduls: Die Studierenden entwickeln einen Rezeptbaukasten, der sich für das Alnatura Magazin eignen würde.

Rezeptheft mit Tiel

Alnatura Magazin: Herr Friedrich, wie führen Sie die Studierenden an das Thema Ökologie heran?
Kurt Friedrich: Indem ich versuche, sie mit den Fragen "Was ist dein ökologisches Lieblingsprodukt?" und "Was ist deine größte Versuchung?" ganz persönlich abzuholen. Das funktioniert sehr gut. Mir ist wichtig, zu Beginn den Status quo aller Teilnehmer zu kennen, um dann am Ende zu erfahren, ob ich etwas bewirken konnte.

Rezeptheft

Wie geht es nach dieser Einführung inhaltlich in dem Modul weiter?
Den zweiten Schritt nenne ich "Gesellschaftliche Relevanz". Da geht es um Themen wie Bedeutung, Wirkung und Verantwortung in Bezug auf ökologische Fragestellungen und darum, ein Gefühl für Verbrauch zu entwickeln. Hierfür sind wir beispielsweise in eine Müllverbrennungsanlage gefahren, um bestimmte Zusammenhänge besser erfassen zu können und erlebbarer zu machen. Dieser Punkt ist mir besonders wichtig: Ich setze auf Erfahrung statt auf reine Wissensvermittlung.

Können Sie diesen Punkt näher erläutern? Wie kam es hier zur Zusammenarbeit mit Alnatura?
Während des gesamten Semesters führen die Studierenden verschiedene Aufgaben aus, die sehr praxisorientiert sind. In Zusammenarbeit mit Alnatura ist dies die sogenannte "Menü-Aufgabe": Die Kursteilnehmer sollen sich dabei vorstellen, sie seien eine Agentur und Alnatura der Auftraggeber. Ziel ist es, selbstständig Rezepte zu entwickeln, die dazu geeignet wären, im Alnatura Magazin zu erscheinen. Vorgabe ist, dafür regionale, saisonale und verpackungslose beziehungsweise verpackungsreduzierte Lebensmittel zu nutzen. Die nachhaltige Vorgehensweise und Umsetzung ist eine Teamaufgabe und bezieht sich unter anderem auf die Bereiche Einkauf, Zutaten und Rezeptentwicklung, Kochen, Servieren, Resteverwertung, grafische Umsetzung und Fotodokumentation.

Und wie klappt diese neue Art der Wissensvermittlung?
Sehr gut! Wir hatten bei der diesjährigen Durchführung auch Teilnehmer aus dem vergangenen Semester dabei, die einfach ein zweites Mal mitgemacht haben, weil es ihnen so viel Spaß bereitet hat.

Welche Bausteine gibt es noch in Ihrem Konzept?
Natürlich ist es in unserem Fachbereich sehr wichtig, über produktionstechnische Möglichkeiten informiert zu sein und die Grenzen, aber auch die Neuentwicklungen in Bezug auf Ökologie zu kennen. Die Dinge müssen beispielsweise serienmäßig fertigbar sein oder bei der späteren Entsorgung sollte es möglich sein, die Einzelteile zu trennen und anschließend wiederzuverwenden (cradle to cradle) oder zu recyceln.
Wir fahren demnächst nach Reinheim in eine Druckerei, um die Dinge dort ganz praktisch zu erleben. Das dortige Unternehmen hat sich auf Umweltfreundlichkeit in allen Prozessstufen spezialisiert.

Wie sieht der Status quo der Studierenden nach Abschluss des Semesters aus?
Mein Eindruck ist, dass durch das Modul ein erhöhtes Bewusstsein dafür geschaffen wird, wie viel Verantwortung die Studentinnen und Studenten als zukünftige Designer haben werden, aber auch, dass es Spaß machen kann, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Die immer größer werdende Anzahl der Studierenden, die an dem Modul in den kommenden Semestern teilnehmen möchten, obwohl es kein Pflichtfach ist, spricht dafür.

››› Das Interview führte Katrin Walke.