Kinder, Kurse und Kultur

Das Bürgerhaus Glockenbachwerkstatt in München: Treffpunkt und kulturelles Zentrum im Viertel

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Sogar Bastian Schweinsteiger hat für ihn demonstriert – für den gerade mal 160 Quadratmeter großen Bolzplatz im Herzen Münchens. Er gehört zum Bürgerhaus Glockenbachwerkstatt und ist im wahrsten Sinne des Wortes eine unbezahlbare Freifläche in der Münchner Innenstadt, dort wo der Quadratmeter Grund mittlerweile ein Vermögen wert ist. Auf dem Bolzplatz wird Basketball gespielt, gekickt, die Kindergartenkinder drehen dort mit allerlei Fahrzeugen ihre Runden und bei Bedarf verwandelt er sich in einen Flohmarkt oder einen Biergarten für die Stadtteilbewohner. Als vor zwei Jahren die Gefahr bestand, dass der Platz im Zuge der sogenannten innerstädtischen Nachverdichtung überbaut werden sollte, fand sich innerhalb kürzester Zeit eine bunte Koalition von Engagierten zusammen, die Unterschriften für den Erhalt sammelten und öffentlichkeitswirksam demonstrierten. Die Stadt zeigte Anfang 2014 ein Einsehen und fand eine Bebauungsalternative, die die heiß geliebte urbane Fläche vor den Baggern rettete.

Engagiert und immer noch sichtlich glücklich über den guten Ausgang des Geschehens erzählt Thomas Filser, seit 15 Jahren Geschäftsführer der Glockenbachwerkstatt, anschaulich von dieser aufregenden Rettungsaktion. 1979 ursprünglich als Elterninitiative gegründet, um Betreuungsmöglichkeiten für Kinder zu schaffen, bietet das Bürgerhaus, dessen Träger weiterhin ein ehrenamtlicher Verein ist, mittlerweile nicht nur professionelle Kinderbetreuung von den Kleinsten bis zum Schülerhort an. Vielmehr ist es auch Zentrum und Treffpunkt für Jugendliche, für Musiker, Künstler und alle Kreativen. Es gibt viele offene Kursangebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Das reicht vom Fußballtraining übers Schreinern und die Fahrrad-Werkstatt bis zur offenen Hip-Hop-Session. Im Keller finden sich drei Band-Übungsräume, die von Nachwuchskünstlern angemietet werden können. Künstler können ihre Werke im Stadtteiltreff ausstellen.

Abends verwandelt sich die Werkstatt dann in eine Kneipe und Konzertbühne, auf der auch Nachwuchskünstler auftreten können. Die Eintrittspreise – wenn es überhaupt welche gibt – und angebotenen Speisen sind günstig, denn hier steht nicht der Gewinn im Vordergrund, sondern das Bürgerhaus will Treffpunkt für das Viertel sein, Kultur und Kommunikationsmöglichkeiten auch für Menschen mit schmalerem Geldbeutel anbieten. Und das Konzept geht sichtlich auf: Beim mittwöchlichen "Fish’n Blues", zu dem es eine Auswahl von Fischgerichten und Livemusik gibt, ist es schon um 19:30 Uhr so voll, dass an einen Sitzplatz nicht zu denken ist. Die Stimmung ist gut und die Musik alles andere als Mainstream. Im Foyer des schönen klassizistischen Gebäudes wird unterdessen an dem einen Tisch Schafkopf gespielt, am anderen Tisch wird mit viel Gesprächs- und Notizbedarf intensiv diskutiert und irgendein Konzept erarbeitet. Keiner wird dabei gezwungen, etwas zu konsumieren.

Zu Recht ist Thomas Filser stolz auf diese vielfältige Nutzung: "Die Glockenbachwerkstatt verwandelt dreimal am Tag ihr Gesicht – von den ganz Kleinen über die nachmittäglichen Kursangebote bis hin zur Kultur am Abend – dieses Haus ist fast 24 Stunden am Tag ausgelastet", berichtet er mit einem Schmunzeln.

Seit 2006 hat sich die Glockenbachwerkstatt breiter aufgestellt und betreibt zusätzlich weitere Kitas in München. Der rührige Geschäftsführer, ein Diplom-Sozialpädagoge, erklärt, dass auf diese Weise der öffentlich geförderte Aufgabenbereich des Vereins stark gewachsen sei. Aber man versteht sich ohnehin sehr gut mit der Landeshauptstadt: Die Glockenbachwerkstatt wird in all ihren verschiedenen Projekten von der Stadt unterstützt: "Ohne die städtische Förderung gäbe es keine Glockenbach­werkstatt mehr", ist sich Thomas Filser sicher. Trotzdem sind Sponsoren für die vielfältigen Projekte immer willkommen.
Der Grundton der Glockenbachwerkstatt ist das offene Miteinander aller Beteiligten, der interkulturelle und interkonfessionelle Austausch zwischen Menschen verschiedener Herkunft und Milieus, die Vielfalt und Liberalität, die hier gelebt wird. "Am Puls der Zeit wollen wir bleiben, wenn nötig auch unkonventionelle Wege gehen und immer wieder neuen Stimmen Gehör verschaffen und damit die Vielfalt und Kreativität urbanen Lebens widerspiegeln", so das Credo der Mitarbeiter.

Für viele Leute im Glockenbachviertel ist die "Glocke", so die liebevolle Abkürzung für das Bürgerhaus, ein zweites Zuhause geworden. Es ist "ein Wohnzimmer mit harten Bänken", so formuliert es Sepp Pascher, Sozialpädagoge und langjähriger Mitarbeiter der Werkstatt.