People Wear Organic – was auf die Haut kommt

Immer mehr Menschen möchten einen möglichst umweltfreundlichen und nachhaltigen Lebensstil umsetzen. Fahrrad statt Auto, beim Einkauf saisonale Bio-Lebensmittel ­in die wiederverwendbare Stofftasche, Naturkosmetik im Bad, Öko-Reiniger zum Putzen … Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft Kleidung und andere Textilien. Große Ketten werben nicht umsonst (und erfolgreich) für ihre Mode "mit Bio-Baumwolle". Aber reicht das?

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Allein ein Viertel der weltweit eingesetzten Insektizide sowie viele andere Pestizide werden auf Baumwollfeldern verspritzt, gefährden Bauern und Umwelt. Zugleich ist im konventionellen Landbau Gen-Baumwolle weit verbreitet. Schon allein angesichts dieser Punkte ­erweist sich die Umstellung auf biologisch angebaute Baumwolle als äußerst wichtig und wertvoll. Immerhin hat Baumwolle  einen Anteil von circa 27 Prozent an der gesamten Faser­entstehung.

Doch der Anbau ist nur ein Teil der komplexen textilen Kette bis zum fertigen Kleidungsstück: Die nach sechs Monaten ­langer Ackerpflege geerntete Rohbaumwolle wird entkernt und gereinigt, dann zu Garnen versponnen. Die nächsten Verarbeitungsstufen sind Weben beziehungsweise Stricken zu Stoffen, Färben oder Bedrucken. Oft folgen dann noch sogenannte Veredelungsschritte, etwa um sie pflegeleichter oder bügelfrei zu machen. Erst jetzt geht es ans Zuschneiden und Nähen.

In der konventionellen Verarbeitungsindustrie werden sowohl bei Baumwolle als auch bei anderen textilen Rohstoffen wie Wolle oder Leinen immer noch umweltschädliche Chemikalien eingesetzt.

Der andere Weg: People Wear Organic (PWO) macht es anders und bietet echte Naturtextilien an. Das Sortiment des ­Bickenbacher Unternehmens umfasst Baby- und Kinderbekleidung, Yoga- und Relax-Wear für Damen, Heimtextilien sowie Berufsbekleidung und Merchandise-Ausstattung wie zum ­Beispiel Einkaufstaschen. Trotz der Sortimentsbreite sind alle Artikel GOTS1-zertifiziert. Die vier Buchstaben stehen für den "Global Organic Textile Standard". Seit seiner Einführung vor über zehn Jahren (2006) hat sich dieser als weltweit führendes, aber freiwilliges Öko-Textilsiegel etabliert. Nur wenn sämtliche Schritte innerhalb des Herstellungsprozesses definierte, strenge Kriterien erfüllen, dürfen die Textilien letztendlich das GOTS-Zeichen tragen. Dazu gehören zum einen ökologische Aspekte zum Schutz der Umwelt (unter anderem das Verbot von üblichen Chemikalien, die nicht nur Fauna und ­Flora bedrohen, sondern auch beim Menschen zu Krebs oder Missbildungen führen können). Zum anderen spielen auch ­soziale Kriterien eine entscheidende Rolle. Vor allem müssen die Kernnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) eingehalten werden. Das reicht vom Verbot von Kinderarbeit über definierte Arbeitsschutzmaßnahmen bis zu Ruhepausen und schriftlichen Arbeitsverträgen.

Vergeben wird das Siegel von der international zusammengesetzten GOTS-Arbeitsgruppe anhand der Kontrollberichte, die unabhängige Prüfinstitute nach der Kontrolle erstellen. Die Gültigkeit beträgt jeweils nur ein Jahr. Ausruhen kann sich ein Unternehmen auf dem einmal Erreichten daher nicht.

Der große Aufwand lohnt sich. Davon ist People Wear Organic überzeugt. PWO-Leiterin Nicole Pälicke ergänzt: ­"Wir freuen uns, dass immer mehr Menschen das Thema Bio-Textilien erreicht – Bio ist jedoch nicht gleich Bio. Wir ­bieten daher ausschließlich Naturtextilien an, bei denen alle am Herstellungsprozess Beteiligten nachverfolgbar, transparent und verlässlich arbeiten."

Ob ein weicher Strampler, ein bequemes Yoga-Shirt in langlebigem Design oder an­deres – schaut man sich die diversen sauber verarbeiteten Produkte genauer an, findet man garantiert das weiße Hemdchen auf grünem runden Hintergrund plus der Lizenznummer von PWO!

1 Beim GOTS "organic" müssen mindestens 95 Prozent der eingesetzten Fasern aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) oder kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT) stammen, beim Zusatz "made with" 70 Prozent.
2 Alle Artikel von People Wear Organic sind GOTS-zertifiziert, lizenziert durch IMO CH, Liz. Nr. 28697.

Die textile Kette bei People Wear Organic

Der Weg von der Baumwollblüte bis zum fertigen Kleidungsstück

  1. Anbauen und ernten Die Baumwolle wird öko­logisch angebaut und von Hand geerntet. Bio-Landbau achtet auf die Gesundheit der Böden, Tiere, Pflanzen und Menschen. Gentechnik ist tabu.
  2. Entkernen und spinnen Beim Entkernen werden die Baumwollsamen aus dem "Wattebett" gelöst. Danach wird die Faser zu Garn versponnen.
  3. Färben, stricken, ausrüsten Die großen Garnballen kommen danach zum Färben und Stricken. Gemäß GOTS werden unbedenkliche, nicht allergisierende Färbemittel eingesetzt.
  4. Zuschneiden und nähen Die fertigen Stoffe – bestickt, bedruckt oder geringelt – werden jetzt zugeschnitten und genäht.
  5. Kontrollieren und verpacken Die fertig genähten Naturtextilien werden einer abschließenden Qualitätskontrolle unterzogen und verpackt. Alle Kartonagen werden aus Recycling-Material hergestellt oder aus ­Materialien aus nachhaltiger Forstwirtschaft.
  6. Umweltschonend handeln Schiffstransporte sind die häufigste Lieferart für unsere Naturtextilien.
  7. Anziehen und weitergeben Je länger Sie und Ihre Lieben Freude an den Naturtextilien haben, desto besser haben wir unser Ziel erreicht.

Schon gewusst?

  • Baumwolle gehört zu den ältesten Kulturpflanzen und braucht zum Wachsen tropisches oder subtropisches Klima. Seinen Namen verdankt der Malvenstrauch den weißen, flauschig wirkenden Büscheln aus Samenhaaren. Diese sind es, die sich gut zu reißfesten Fäden spinnen und anfärben lassen.
  • Baumwollstoffe sind weich und angenehm auf der Haut. Dabei dürfte das Allergiepotenzial bei null liegen (allerdings nur, wenn es sich um die reine Naturfaser handelt). Zugleich zeichnen sich die Stoffe dadurch aus, dass sie atmungsaktiv und saugfähig (Feuchtigkeit, Schweiß) sind. Strapazierfähig und gut waschbar, spricht auch die Langlebigkeit als Nachhaltigkeitsplus für Baumwolle. 
  • Pro Bio-Baumwolle: Im biologischen Baumwollanbau ist Gentechnik ebenso tabu wie Pestizide, synthetische Düngemittel oder Entlaubungsmittel. Öko-Farmen setzen zudem auf Mischkulturen und Fruchtfolgen, Kompost und Mist als Dünger sowie natürliche Fressfeinde. Dank einer dicken Humusschicht kann man bis zu 40% an Bewässerung mit wertvollem Süßwasser einsparen. Geerntet wird von Hand. 
  • Nicht mal 1% der weltweiten Baumwollernte stammt aus Bio-Anbau. Trotzdem: Rund 194.000 Bauern bewirtschaften damit 350.000 Hektar Land, 2/3 davon in Indien.