01.10.2017

Oktober – Kleines Imkertagebuch

Ein sommerlicher Besuch bei Stadtbienen e. V. – mitten in Berlin Kreuzberg

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Wir treffen uns an einem heißen Sommertag im Herzen von Berlin-Kreuzberg. Hoch oben auf der großen Dachterrasse eines fünfstöckigen Gebäudes haben zwei Bienenvölker ihr Zuhause. Summend und offensichtlich reich mit Nektar und Pollen beladen, fliegen sie in die hier eigens für sie aufgestellten Beuten. Um diese Holzkisten und das weitere Wohl der fleißigen Insekten kümmert sich die Stadtbienen-Initiative. Der gemeinnützige Verein hat sich den Schutz von Honig- und Wildbienen im städtischen Raum auf die Fahnen geschrieben. Wie und warum, das erklärt uns Johannes Weber, Stadtbienen-Gründer und begeisterter Imker. Er schwärmt für die Stadt als Bienenlebensraum. Paradoxerweise geht es den Insekten hier oft besser als auf dem Land. Während dort Monokulturen und leider oft auch pestizidversprühende Traktoren das Bild prägen, sind es in den Städten weitläufige Parkanlangen mit Bäumen und Blumenrabatten, vielfältig blühende Gärten oder üppige Balkonkästen. Und wenn in den Weiten Brandenburgs der Raps längst abgeerntet ist und die Bienen gefüttert werden müssen, blüht es in Berlin auch im Spätsommer noch. Umso schöner, dass immer mehr Menschen ihre Kleingärten oder sogar Balkonbrüstungen den Bienen zur Verfügung stellen wollen. Und genau hier setzt der Stadtbienen e.V. an. Denn zum Team gehören neben den Organisatoren auch viele weitere Imker. Diese halten nicht nur Bienen, sondern auch Kurse – und das in mittlerweile 19 Städten. Zielgruppe sind Menschen, für die nicht der Honig­ertrag im Vordergrund steht, sondern die den Bienen ein Zu­hause geben wollen. Inhalt der Kurse ist Grundlagenwissen rund um Biene und Imkerei. Der Fokus liegt auf ökologischen und ­art­gerechten Aspekten wie Naturwabenbau, Arbeit mit dem Schwarmtrieb oder Überwinterung auf dem eigenen Honig. Die Seminarorte sind so vielfältig wie die Möglichkeiten, einen Bienenstock aufzustellen. In Leipzig beispielsweise ist es ein Friedhof, in Hamburg leben die Bienen auf dem Dach der neuen GLS-Bank-Filiale. Dass die Völker zu den Stadtbienen gehören, kann man übrigens schon an ihrer Beute erkennen, einer eigens von Johannes Weber konzipierten Kiste – Bienenbox genannt. Diese hat die klassische Trogbeute als Vorbild und besteht aus nur einem schmalen Korpus. Hochformatige Rähmchen werden eingehängt und erlauben den Blick ins Volk – immer unter der Prämisse, die Bienen so wenig wie möglich zu stören. Das Prinzip der Bienenbox ist einfach zu verstehen und somit ideal für Einsteiger. Produziert werden die Holzkisten in den Berliner Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Für "Selbermacher" gibt es aber auch eine Bauanleitung – diese und jede Menge Informationen findet man unter stadtbienen.org

››› Anja Waldmann

Kurz gefasst

Der gemeinnützige Verein fördert den Schutz von Honig- und Wildbienen im städtischen Raum. Sitz des kleinen Teams ist Berlin; hier und in 18 weiteren Städten bieten erfahrene Imker Kurse zum ökologischen Imkern an – mit Bezug zur Bienenbox, einer Einraumbeute, die von dem Stadtbienen e. V. entwickelt wurde.