Juli – Kleines Imkertagebuch

Der erste Stich. Von den eigenen Bienen. Getroffen hat es leider meinen siebenjährigen Sohn. Ausgerechnet ihn, der bis dato so gern, bedächtig und aufmerksam mit zum Volk gekommen ist.

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Doch eine Biene hatte auf seinem Augenlid Platz genommen und sein Blinzeln wohl als Angriff gewertet. Einen, der sie das Leben kostete – tragischerweise selbstverschuldet, denn mit dem Rausreißen des Stachels besiegelt sie ihr Schicksal. Diesen winzigen Dorn gilt es – das habe ich im Imkerkurs gelernt – umgehend aus der Haut zu entfernen. Wichtig dabei: Dem Stachel hängt eine Giftblase an. Zerdrückt man diese, gerät weiteres Gift in die Einstichstelle und die Symptome werden schlimmer. Stattdessen soll man – von der Spitze ausgehend – den Stachel sanft aus der Wunde schieben. Auch eine feine Pinzette oder Zeckenkarte kann gute Dienste leisten. Theoretisch. Praktisch ist das Ganze kein leichtes Unterfangen, schon gar nicht, wenn sich das Kind vor Schmerzen windet. Auch konnte man zusehen, wie das Augenlid anschwoll und die Farbe veränderte. Am Abend kam Fieber hinzu und am nächsten Morgen war nur noch das eine, vom Stich verschonte Auge am Sehvorgang beteiligt. Zum Trost habe ich frischen Bienenstich gebacken. Doch selbst dieser feine Hefekuchen mit seiner Honig-Mandel-Decke konnte die Stimmung nicht heben. Ich machte mir Sorgen. Der Allergologe gab Entwarnung: Dies sei eine normale Reaktion beim ersten Stich. Na prima. Der Arzt verabschiedete uns mit der Feststellung, dass viele gar nicht zwischen einer Wespe und Biene unterscheiden könnten. Zugegeben, hier muss auch ich immer genau hinschauen. Zur Auffrischung: Eine Biene ist leicht behaart, ihre Farbe tendiert von bernsteinfarben bis dunkelbraun. Eine Wespe hingegen ist glatt und fällt durch ihre leuchtend gelben Streifen auf, selbst in der Kopfregion. Auch ist die Wespe im Vergleich zur Biene etwas länger und schlanker. Kommt ein mit Pollen beladenes Insekt auf Sie zugeflogen, ist es vermutlich keine Wespe. Sie ernährt sich bevorzugt von Früchten und Speiseresten, süßen Getränken und sogar anderem Getier. Doch stechen tun sie beide, nur bleibt die Wespe danach am Leben.

Ob Biene oder Wespe, mein nächster Gang zum Bienenvolk war sehr bedächtig und ängstlich, doch das spüren die Bienen bekanntlich und geraten ebenfalls in Aufregung. Also: Sich-in-Gelassenheit-üben. Ein Beispiel kann ich mir an dem kleinen Jungimker nehmen, dessen Gesicht nach etwa einer Woche wieder normal aussah. Er tritt ans Volk als wäre nichts gewesen.

››› Anja Waldmann