Januar – Kleines Imkertagebuch

Anja Waldmann, Ernährungswissenschaftlerin, arbeitet schon über 17 Jahre für Alnatura. Seit vergangenem Jahr steht ein Bienenvolk in ihrem kleinen Garten. Jeden Monat lässt sie uns an ihren Imker-Erfahrungen teilhaben.

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Alles begann mit der un­gewöhnlichen Stille im Bienenhaus. Und das im Frühjahr, wo hier sonst emsiges Treiben und munteres Summen herrscht. Keines der sechs Völker war über den Winter gekommen. Für den 90-jährigen Besitzer – Imker seit mehr als 60 Jahren – ein Rätsel. Zu wenig Futter, die Eintönigkeit der benachbarten Felder, Pestizide oder vielleicht doch eine Krankheit als Ursache? Der alte Mann konnte sich das Bienensterben nicht erklären und beschloss, auch aus Altersgründen, die Imkerei aufzugeben. Seine Urenkel – meine drei Kinder – waren darüber sehr betrübt. "Bienenopas" Honig gehört auf unseren Frühstückstisch wie Butter und Brot. Was tun? Selber imkern? Der Entschluss, in die Fußstapfen des Urgroßvaters zu treten, war schnell gefasst. Der Altimker wohnt zwar leider weit weg, doch Ratgeber gibt es genug – im Buchhandel wie auch im Freundes- und Bekanntenkreis. Zum Glück war mir der Spruch "Fragst du zwei Imker um Rat, so bekommst du mindestens drei Antworten" damals noch völlig unbekannt. Doch schon nach ein wenig Lektüre und Gesprächen war klar: So wird das nichts. Jeder macht es anders, jeder weiß es besser. Auch hat man es mit Lebewesen zu tun, im besten Fall mit mehreren Zehntausend. Für mich die logische Konsequenz: Anmeldung zum Imkerkurs. Einen solchen bieten Landesverband, Vereine und auch so manche Imkerei an, meist starten sie jetzt – im Januar.

Voller Erwartung lauschte also auch ich – mit mehr als hundert Gleichgesinnten – an einigen Wochenenden den Altimkern. Man spürte die große Erfahrung und Begeisterung, aber auch das Unvermögen, sich vorzustellen, dass jemand mit Begriffen wie Beute, Trennschied, Bienenflucht, Absperrgitter und so weiter nichts anzufangen weiß. Also doch nachlesen, nachfragen und sich zumindest schon einmal theoretisch vom Fleiß und Wesen der Bienen beflügeln lassen. Glücklicherweise gingen bis zum Saisonbeginn noch ein paar Monate ins Land.

Und eine frohe Nachricht schon mal vorneweg: Im vergangenen Sommer sind wieder zwei Bienenschwärme in das alte leerstehende Bienenhaus des Urgroßvaters eingezogen. Einfach so. Sie scheinen gespürt zu haben, dass sie hier willkommen sind – und dass sich jemand mit ihnen auskennt.

››› Anja Waldmann