Februar – Kleines Imkertagebuch

Anja Waldmann, Ernährungswissenschaftlerin, arbeitet schon über 17 Jahre für Alnatura. Seit vergangenem Jahr steht ein Bienenvolk in ihrem kleinen Garten. Jeden Monat lässt sie uns an ihren Imker-Erfahrungen teilhaben.

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Möchte man Bienen einen lebenswerten Wohnsitz geben, sollte man sich reiflich Gedanken über das Wo und Wie machen. Denn: Auch wenn die nützlichen Insekten sich selbst versorgen, so brauchen sie doch das entsprechende Umfeld und eine geeignete Behausung. Nur, was ist ein guter Standort und welche Ausrüstung benötigen Biene und Mensch? Dass es mein kleiner Schrebergarten werden wird, war schnell klar. Zum einen, weil es gar keine andere Option gab. Zum anderen, weil hier gefühlte Bienenidylle herrscht – in meinem und all den Nachbargärten stehen viele Obstbäume und Sträucher, immer blüht etwas und das kleine Bächlein am Gartenzaun ist die ideale Tränke. Klar, die fleißigen Sammlerinnen werden sich nicht an die Grenzen der Gartenanlage halten, schließlich können sie mehrere Kilometer fliegen. Ein konventionelles Rapsfeld in Flugnähe beispielsweise wäre ungünstig. Im Garten selbst suche ich ihnen einen sonnigen Ort, der im Hochsommer beschattet ist und nicht in einer feuchten Senke steht. Das Flugloch soll Richtung Süden oder Osten zeigen. Und schon wird es schwierig. Kompromisse einzugehen gehört wohl zur Imkerei wie der Honig auf den Frühstückstisch. Aber ich vertraue darauf, dass die Bienen damit umgehen können. Nun heißt es, den Nachbarn Bescheid geben. Übrigens auch ein Kriterium bei der Standortwahl: Es wäre unverschämt, würden die ersten Flugmeter direkt an seiner Terrasse vorbeiführen. Denn an sonnigen Frühlings- und Sommertagen wird es wuselig und laut. Mein Nachbar – ein betagter Herr – hat keine Einwände. Im Gegenteil: Er war Jahrzehnte selbst Hobbyimker. Aufgehört hat er, weil er das Gewicht der Beuten, also Bienenstöcke, nicht mehr heben konnte.

Womit wir bei der nächsten Entscheidung wären: das Bienenzuhause. Ursprünglich lebten die kleinen Insekten in Baumhöhlen oder Felsspalten; der Honig war schwer erreichbar für die Menschen. So boten sie ihnen andere Unterkünfte. Hierzulande waren es ausgehöhlte Baumstämme und Strohkörbe, später Kästen in richtigen Holzhäusern und transportablen Wagen. Der Imker heute hält seine Bienen bevorzugt in Magazinbeuten: ein Kistensystem, das man – je nach Völkerstärke – vergrößern und verkleinern kann. In jeder Kiste sind mit Waben ausgebaute Rähmchen, in welchen die Bienen Nachzucht, Pollen und Honig lagern können. So weit, so gut. Gäbe es nicht unsäglich viele verschiedene Rähmchenmaße und damit auch Magazinsysteme: Langstroht, Segeberger, Dadant, Zander, Zadant, um nur einige zu nennen. Und das Ganze dann auch noch in Halb-, Dreiviertel-Maß und so weiter. Sie alle haben Vor- und Nachteile. Doch wie soll man entscheiden, wenn man noch gar nicht weiß, welche Rolle diese oder jene Eigenschaft für einen selbst hat? Pragmatismus musste her. Ich habe mich umgehört und für die Beute entschieden, die in unserer Gegend am häufigsten ist. Einfach um in Notsituationen einzelne Kisten oder Rähmchen austauschen zu können. Auch ist es denkbar, dass man von einem Imker ein Wabenrähmchen bekommt, in dem bereits eine junge Königin und ihre Arbeiterinnen leben. Dies wäre das große Glück, denn zunächst blieb alles Theorie – ich hatte ja noch gar kein Volk.

››› Anja Waldmann