Mein Gemüsegarten im Oktober

Wir feiern Erntedank. Ein Fest, das schon in der Bibel erwähnt und bis heute in christlichen wie nichtchristlichen Kulturen begangen wird.

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Obwohl – in Zeiten ständig verfügbarer Lebensmittel kann das Erntedankfest schnell in Vergessenheit geraten. Und eines sollte auch ich zugegeben: Müssten wir mit unseren beschaulichen Erträgen über den Winter kommen, hätten wir nicht viel zu feiern! Glücklicherweise ist der Grundgedanke des Festes aber auch das Erinnern an die Abhängigkeit von der Natur, mit all ihren guten und "schlechten" Einflüssen. Letzterem würde ich übrigens die Nacktschnecken zuordnen. Schließlich haben sie in diesem Jahr wieder einen Großteil unserer Ernte "eingefahren".

Gartentagebuch Oktober

Daher mache ich mich – bevor gefeiert wird – auf die Suche nach ihrem kleinen weißen Eigelege. Besonders große Erfolgsaussichten bestehen unter Erdschollen, Steinen und Hölzern. Ich lege sie frei und gönne den Vögeln, Igeln und anderen Nützlingen diesen Schmaus. Und wenn man bedenkt, dass eine einzige Nacktschnecke bis zu 400 Nachkommen erzeugt, besteht wohl auch kein Anlass zur Sorge, dass sie nun auf der Roten Liste bedrohter Tierarten stehen wird. Für uns hält Mutter Erde auf dem Beet noch die letzten Kartoffeln, Möhren und einen Kürbis bereit. Im großen Feuertopf wird daraus eine Suppe, die mit Stockbrot und Zwetschgenkuchen ein großartiges Festtagsessen ergibt. Ein schönes Ritual, um allmählich Abschied zu nehmen vom Gartenjahr.

Gartentagebuch Oktober

Noch blühen einige Herbstanemonen und -astern, doch Sonnenhut, Margerite und das Mädchenauge haben sich längst verabschiedet. Jetzt ist ein guter Moment, diese Stauden zu teilen und Neues zu pflanzen. Auch für Blumenzwiebeln ist es höchste Zeit, in die Erde gesteckt zu werden. Kaum zu glauben, dass aus den kleinen braunen Zwiebeln bald farbenprächtige Narzissen, Krokusse und Tulpen wachsen werden. Doch bekanntlich wohnt jedem Anfang auch ein Zauber inne. Ob aus den Beerenstecklingen im nächsten Jahr neue Sträucher werden? Wir haben nämlich einen Versuch gestartet: einjährigen Johannisbeertrieb abschneiden, die Enden mit einem spitzen Messer anschrägen und auf eine Länge von 20–30 Zentimetern kürzen. Nun den Steckling in die Erde pflanzen, und zwar so tief, dass nur zwei Augen über der Erde liegen. Gut angießen und mit Kompost versorgen. Mit etwas Glück schlägt er über den Winter Wurzeln und wir haben einen neuen Mini-Beerenstrauch. Ob der Zauber geklappt hat, wird das nächste Frühjahr zeigen.