Mein Gemüsegarten im November

Es ist so weit, ich schneide jetzt – im November – die Ligusterhecke.

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Erst jetzt? Der Gartenvorstand ist damit eigentlich nicht zufrieden: zu dicht, zu hoch und auch zu breit. Schon im August wurde nachgefragt, wann die Hecke denn einmal gestutzt wird. Im letzten Jahr habe ich das ganz folgsam im Spätsommer gemacht – Ast um Ast weggeschnitten und damit auch die ganzen Beeren. Schon während des Tuns habe ich gegrübelt. Ligusterbeeren sind bei den Vögeln ein beliebtes Futter und es nützt nicht viel, wenn sie schon im unreifen Zustand auf dem Kompost landen. Mein Gartenratgeber hat mich darin bestätigt und seit fünf Jahren schützt sogar das Bundesnaturschutzgesetz Hecken und Gebüsche. Hier heißt es, dass Gehölze dieser Art zwischen Anfang März und Ende September nicht abgeschnitten werden dürfen – vor allem um den Vögeln ihren Brut- und Lebensraum zu belassen. Und um das auch über den Winter zu tun, wandert das Schnittgut nicht in den Häcksler, sondern auf einen Totholzhaufen. In Fachkreisen und in der Landwirtschaft Benjeshecke genannt. Es war früher ganz üblich, dass der Bauer sein Schnittgut am Ackerrand aufschichtete – eine gute Begrenzung zur Weide, Schutz vor Wind und Wetter und nicht zuletzt wertvoller Lebensraum für viele Nützlinge, Vögel und Igel. Das Schöne dabei: Unordnung ist hier willkommen. Das finden auch die Kinder gut, sowohl das wohlwollend geduldete Chaos als auch die geschaffene Herberge.

Garten-Tagebuch November

Doch ihnen liegen in diesem Jahr die Bienen besonders am Herzen. Ihr Urgroßvater – Imker seit mehr als 60 Jahren – hat ihnen erzählt, dass nur eines seiner Völker über den letzten Winter gekommen ist. Und dass er in diesem Jahr zum ersten Mal keinen Honig ernten konnte. Die Vorratsschränke bleiben leer. Daher bauen wir ihnen Unterschlupfmöglichkeiten – aus Bausteinen, hohlen Schilfrohren und dicken Ästen, in die wir kleine Löcher gebohrt haben. Es bleibt zu hoffen, dass Wild- und Honigbiene oder so manch anderes bedrohtes Geschöpf diesen Platz finden werden. Und nachdem wir nun für unsere Gartenmitbewohner weitgehend gesorgt haben, ziehen auch wir uns zurück ins behagliche Heim. Schließlich kann man es nicht mehr leugnen: Der Winter steht vor der Tür.