Mein Gemüsegarten im Juni

Der erste echte Sommermonat hat begonnen und sobald ich den Vorschlag mache, den Nachmittag im Garten zu verbringen, stößt dies bei den Kindern auf große Zustimmung. Noch ist das so!

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Zumindest in den letzten Jahren hat die Begeisterung von Monat zu Monat rapide abgenommen. Warum eigentlich? Der Garten wird doch immer bunter, die Beerensträucher hängen voll, man kann den Bienen beim Nektarschlürfen zusehen und auch die ersten Erfolge im Gemüsebeet sind zu bestaunen. Allerdings sprießen auch die "Unkräuter" und der Rasen wächst rasant. Wenn man jetzt nicht aufpasst, dann wird aus diesem mühsam erarbeiteten Idyll das pure Chaos. Kann auch idyllisch sein? So weit bin ich noch nicht. Ich haste stattdessen mit immer länger werdender Aufgabenliste durch den Garten. Keine Zeit für das eigentlich versprochene Picknick, keine Muße für den von Kinderhand gepflückten Blumenstrauß. Stattdessen: Löwenzahn ausstechen, Kartoffeln anhäufeln, Rasen mähen, Gemüsebeet vom Giersch befreien, Gießkannen schleppen …

Anjas Gartetagebuch im Juni

Obacht, da ist sie wieder, die hausgemachte Gartenfalle. Und vielleicht auch der Grund, warum die Kinder nicht mehr so gerne mitkommen? Gut, dass ich neulich ein sehr schönes Buch entdeckt habe – "Gartenkinder" heißt es und steckt voller Ideen für das Beobachten, Staunen und Sein im Garten. Wir nehmen uns die Regenbogenfarm vor: In einem großen Glas werden verschiedene Erden (zuerst feiner Sand, dann dunkle Erde und abschließend Kompost) geschichtet, Grasschnitt und Gemüsereste liegen obenauf. Dann setzt man einige Regenwürmer hinein und deckt das Ganze mit einem festgezogenen Tuch ab. Alles stetig feucht halten. Nun kann man die Regenwürmer bei der Arbeit beobachten. Innerhalb weniger Wochen sind Gras und Gemüsereste verschwunden, duftende Erde ist stattdessen dazugekommen. Die Regenwürmer werden von den Kindern voller Ehrfurcht wieder in den Garten entlassen. Wie ich finde mit die schönste Art, ihnen Respekt vor der Natur zu vermitteln.

Und es gibt noch einen festlichen Anlass, den man wunderbar im Garten zelebrieren kann: die Sommersonnenwende. Am 21. Juni, dem offiziellen Sommeranfang, ist auf der Nordhalbkugel der längste Tag und die kürzeste Nacht. Bei uns sieht das so aus: Mit Blumenkränzen geschmückte Kinder, die versuchen, sich Johannisbeeren an die Ohren zu klipsen, tanzen singend um ein kleines Lagerfeuer (ein großes ist in so einer Gartenanlage nicht gern gesehen). So schön kann Garten sein!

››› Anja Waldmann arbeitet seit mehr als 15 Jahren bei Alnatura. Die Mutter von drei Kindern hat einen kleinen Garten, der alles kann: entzücken, beruhigen und doch auch immer wieder zeigen, wie viel Arbeit so etwas macht.

Buch "Gartenkinder"

Buch-Tipp

"Gartenkinder", Katja Maren Thiel,
Kosmos Verlag Stuttgart,
ISBN 978-3-440-13099-5, 19,95 €.