Mein Gemüsegarten im Januar

Man kommt nur schwer daran vorbei: Der Januar ist der Monat der guten Vorsätze.

Platzhalter

Über das vergangene Jahr wird resümiert, Pläne werden geschmiedet und bestenfalls eine Liste mit den wichtigsten Vorhaben geschrieben. Schau ich mir meine Vorsätze an, so fällt eines sofort auf: Der Garten und seine Arbeiten stehen ganz weit oben. Dabei hatte ich mir das vor fünf Jahren, als ich dieses Kleinod entdeckte, so idyllisch vorgestellt: Eine Gartenanlage voll alter Obstbäume, Bauernpflanzen und Gemüsebeete – mein blühendes Gärtchen mittendrin. Hier sah ich einen schwer behangenen Apfelbaum, üppige Beerensträucher, duftende Rosen, die quietschende Hollywoodschaukel und eine kleine Hütte, falls es doch einmal regnet.

Nicht zu vergessen: Solch ein Paradies wäre natürlich auch ein wunderbarer Ort für die fleißigen Hände meiner Kinder – so die glückliche Vorstellung. Der Mann an meiner Seite hat gleich dankend abgelehnt – er ist mit solch einem Garten aufgewachsen und hat auf unbestimmte Zeit genug davon. Nun ja, so schwer kann das ja nicht sein, dachte ich voller Enthusiasmus. Doch langsam und leise muss ich zugeben, dass es ein ziemliches Ungleichgewicht zwischen dem Garten meiner Träume und dem realen Fleckchen Erde gibt. Nicht, dass er nicht idyllisch wäre – oh doch, das ist er wohl –, aber es gibt sehr viel zu tun, damit es auch so bleibt: Bäume und Hecke schneiden, Rasen mähen, Unkraut jäten, Stauden teilen, Saatgut oder Gemüsepflanzen in die Beete bringen, Schnecken einsammeln, Brennnesseljauche ansetzen, gießen … – um dem gartenlosen Leser ein paar Beispiele zu nennen. Die Hollywoodschaukel ist schnell in Vergessenheit geraten.

Da kommt so ein Januar ganz recht. Man kann draußen nicht viel tun. Ich nutze die Zeit, um mein nächstes Gartenjahr zu planen, schlage nach, welche Pflanzen noch einmal am selben Ort wachsen dürfen, welches gute Nachbarn für sie sind und überhaupt, was zu dieser Gartenerde und dem Klima passt. Dann sichte ich meine Saatgutbestände und skizziere die ersten Pflanzpläne. Und siehe da, ich merke, wie sehr ich mich doch auf den Garten freue. Auf das erste zarte Grün, das Graben in der Erde und auch die Hollywoodschaukel. Ich streiche all die guten Fleiß-Vorsätze rigoros von meiner Liste. Das schlechte Gewissen kommt von allein. Stattdessen steht nun ganz oben: Garten genießen nicht vergessen!